Zum nunmehr vierten Mal haben wir mit einem digitalen Adventskalender auf unseren Social-Media-Plattformen 24 Türchen in unser Welterbe geöffnet. Wir haben in diesem Jahr Corveyer Persönlichkeiten – historische und gegenwärtige – vorgestellt und dokumentieren die Beiträge an dieser Stelle zum Nachlesen. Überall wo wir mit Bewegtbildern gearbeitet haben, setzen wir einen Link auf das jeweilige Reel.
Der digitale Adventskalender gehört auf unseren Facebook- und Instagram-Portalen inzwischen zum „Inventar“. Bei der Premiere 2022 haben wir Euch zu Hidden Places in Corvey mitgenommen. 2023 stand das hochkarätige Jubiläumsprogramm zum 1200-jährigen Bestehen der ehemaligen Benediktinerabtei im Mittelpunkt.
Ein ebenfalls besonderes Jahr ließen wir im Dezember 2024 mit 24 Beiträgen Revue passieren. Zehn Jahre Welterbeanerkennung, Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike“ im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn: Immer wieder öffneten die Glanzlichter des Jahres 2024 ein Türchen zu spannenden Corveyer Geschichten, die wir Euch in der Adventszeit erzählen konnten.
2025 nun haben wir uns mit Menschen beschäftigt, die Corvey prägen und prägten oder die von der Benediktinerabtei am Weserbogen aus Großes bewirkten. Einige der 24 Türchen führen zu einem Kurzvideo (Reel). Überall, wo wir mit diesen Bewegtbildern gearbeitet haben, setzen wir einen Link auf das jeweilige Reel.
Starten wir nun mit der Vorstellungsrunde:
1. Standortleitung Annika Pröbe
Mit dem ersten Türchen hat Annika Pröbe M.A., Standortleiterin des kirchlichen Teils der Welterbestätte, den Anfang gemacht.

Die Historikerin gehörte seit 2016 dem wissenschaftlichen Kompetenzteam für das Welterbe Karolingisches Westwerk Corvey an. In diesem Kreis hat sie die innovativen digitalen Angebote der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus mitentwickelt. Ende 2023 hat die gebürtige Dortmunderin dann die ans Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn angegliederte Standortleitung übernommen.
Der Aufgabenkatalog der Standortleiterin ist umfassend: Die didaktischen Angebote – der Film auf der Glaswand in der Erdgeschosshalle und die Tablet-Führungen im Johanneschor – werden ebenso von ihr betreut wie die restauratorischen Erfordernisse zum Erhalt dieses großen Kulturdenkmals. Annika Pröbe arbeitet hier eng mit Restauratoren und anderen Fachleuten zusammen.
Ein großes Herzensanliegen – mit zeitgemäßen Möglichkeiten neue Zugänge zu diesem einzigartigen Bauwerk schaffen – hat sich zu ihrer Freude erfüllt. „Durch die neuen Technologien können wir viele Menschen für die großartigen Leistungen der Karolinger begeistern und die monastische Geschichte Corveys lebendig vermitteln“, sagt Annika Pröbe, die nicht nur koordiniert und plant, sondern auch forscht und mit Kolleginnen und Kollegen das wissenschaftliche Netzwerke Corvey knüpft.
Gästegruppen führt sie zuweilen selber. Bei UNESCO-Welterbetagen, dem Besuch von Netzwerkpartnern oder Firmbewerbern des Pastoralverbunds zum Beispiel. Ihr zuzuhören, ist immer erfrischend. Denn die Standortleitung kennt das unvergängliche Corvey nicht nur profund, sondern besitzt auch die Begeisterung, die sie in anderen entfachen will.
2. Paschasius Radbertus
Mit Öffnen des zweiten Türchens stellten wir einen Heiligen vor, der die Gründung Corveys unterstützt hat und zu den gelehrtesten Theologen seiner Zeit gehörte: Paschasius Radbertus (Radbert von Corbie).
Um 786 in Soissons geboren, trat er unter dem berühmten Abt Adalhard (um 751/52 – 826) in die schon seit den 660er Jahren bestehende Benediktinerabtei Corbie in der Picardie ein. Paschasius Radbertus war dort zunächst als Lehrer tätig. Aus seiner Schule soll auch Ansgar – einer der ersten Mönche des 822 gegründeten Klosters Nova Corbeia (Corvey) und bis heute als Apostel des Nordens verehrter Missionar und erster Erzbischof von Hamburg und Bremen – hervorgegangen sein.
Jeweils kurz nach deren Tod verfasste Paschasius Radbertus die „Vita s. Adalhardi abbatis Corbeiensis“ (Leben des hl. Abtes Adalhard von Corbie) und auch die Lebensbeschreibung von Adalhards Halbbruder Wala (um 773 – 836). Beide waren Vettern Karls des Großen und gründeten 815 zunächst Corveys Vorgängerkloster Hethis. Ab 820 siedelte der Konvent an die Weser um und legte dort 822 den Grundstein für ein gedeihliches benediktinisches Leben.
Adalhard und Wala standen ihrem Heimatkloster Corbie und der Neugründung nahe dem heutigen Höxter gleichzeitig als Äbte vor. Ihr Unterstützer bei der Gründung Corveys und spätere Biograph Paschasius Radbertus wurde 844 Abt seines Klosters Corbeia Antiqua, führte die Abtei bis 851 und zog sich schließlich in das Kloster St. Riquier zurück, um sich ganz der Theologie und Schriftstellerei zu widmen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Paschasius wieder in Corbie.
Beide Abteikirchen – Corvey und Corbie – beherbergen ein würdiges Andenken an den bedeutenden Gottesmann: Eine Statue erinnert jeweils an ihn. Im Weserkloster hat der an der Klostergründung beteiligte große Gelehrte seinen Platz im Kreis prägender Persönlichkeiten in den Chorgestühl-Dorsalen.
3. Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek
Der dritte Adventskalender-Beitrag war Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek gewidmet. Der Geistliche leitet seit 1. März 2016 den Pastoralverbund Corvey und ist damit Pfarrverwalter von St. Stephanus und Vitus.
Die kleine Kirchengemeinde verantwortet mit dem Weserkloster ein Denkmal von Weltrang. Und tut alles, um diesen Leuchtturm zeitgemäß und würdig zu erschließen.
Mit dem Pfarrdechanten an der Spitze und zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kirchenvorstand, Pastoralteam, Pfarrverwaltung und Erzbistum hat die Gemeinde elf Jahre nach der Welterbe-Anerkennung auf diesem Weg immens viel erreicht. Ihre innovativen digitalen Angebote im karolingischen Westwerk lassen den Funken der Begeisterung auf ein breites Publikum überspringen.
Für Hans-Bernd Krismanek erfüllt sich mit den didaktischen Neuerungen eine Vision, die er in der Planungsphase vor einigen Jahren eindrücklich ins Wort gebracht hatte: Er wünsche sich, so der Geistliche, „dass viele Menschen durch unsere multimedialen Möglichkeiten von der Faszination der Himmelsstadt Jerusalem im Westwerk bereits auf Erden ergriffen werden“. So könne der Stern Corveys leuchten.
Die Kirchengemeinde möchte das Flaggschiff unter den Kulturdenkmälern auch als geistlichen Ort im Erzbistum etablieren. Traditionelle und moderne pastorale Angebote sollen dazu beitragen, dass am einzigen Welterbe Westfalens auch in der neuen Bistumsstruktur kein Weg vorbeiführt – damit viele Menschen sich an diesem geschichtsträchtigen Ort mit 1000 Jahren klösterlicher Tradition auch zukünftig „in die lange Reihe der Beter stellen und ihre Anliegen vor Gott bringen können“.
Dazu steht das Kirchenportal seit 822 ununterbrochen offen. Dem Pfarrdechanten liegt das unvergängliche Corvey am Herzen. Deshalb hat er 2024 auch sein Silbernes Priesterjubiläum im Welterbe gefeiert. Seine Leidenschaft bewahrt er sich trotz aller Routine auch im dienstlichen Tagesgeschäft.
4. Abt Warin
Das vierte Türchen führte wieder in die frühe Geschichte des Klosters Corvey. Abt Warin (800 – 856) stand im Mittelpunkt. Mit dem Ordensmann wird 826 erstmals ein eigener Abt für das noch junge Kloster Corvey gewählt. Unter Warins Ägide erlebt die Abtei an der Weser eine erste Blütezeit. Der Konvent wächst von neun auf 57 Brüder. 844 wird die Klosterkirche geweiht. Mit Warins Namen verbunden ist auch die Übertragung der Gebeine des hl. Vitus aus St. Denis bei Paris.

Zunächst aber einige Lebensdaten: Um 800 als Sohn des sächsischen Grafen Ekbert und der fränkischen Edelfrau Ida von Herzfeld geboren, genießt Warin zunächst eine Erziehung am Hof Kaiser Ludwigs des Frommen. Anstatt dort Karriere zu machen, entschließt er sich, in die Benediktinerabtei Corbie einzutreten.
822 gehört Warin zu den Corveyer Gründermönchen aus Corbie. An der Weser ist er zunächst als Lehrer tätig. Seine Abtswahl wird auf den 26.4.826 datiert, „allerdings weist Karl Heinrich Krüger nach, dass er erst ab 831 in abtsähnlicher Funktion in Corvey zu belegen ist“, schreibt Monsignore Andreas Kurte in seinem Buch „Die Äbte, Fürstäbte und Fürstbischöfe von Corvey“.
Kaiser Ludwig der Fromme verleiht dem Kloster Corvey 833 zur wirtschaftlichen Stärkung das Münzrecht. Verschiedene Schenkungen des Herrschers kommen hinzu: Obermarsberg, Meppen, Visbek.
831 verbannt Ludwig Hilduin, den Erzkaplan von St. Denis bei Paris, nach Corvey. Er war beim Kaiser in Ungnade gefallen. „Als Dank für Warins Fürsprache im Blick auf seine Rehabilitation versprach ihm Hilduin einen Reliquienschatz für das junge Kloster“, schreibt Monsignore Kurte.
Dieser Schatz sind die Reliquien des hl. Vitus. Warin selbst führt den Triumphzug der Translatio an und trifft am 13. Juni 836 mit den sterblichen Überresten des jugendlichen Märtyrers in Corvey ein. Die Vitus-Reliquien begründen die Bedeutung Corveys als Verehrungs- und Pilgerort.
5. Kirchenvorstand Josef Kowalski
Mit Öffnen des fünften Türchens haben wir einen profunden Kenner und leidenschaftlichen Botschafter Corveys vorgestellt: Josef Kowalski (79), Brigadegeneral a.D. In seiner Zeit als geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes hat er maßgebliche Weichenstellungen zur Fortentwicklung der Welterbestätte mitgestaltet – immer mit der Vision, „dass Corvey nach den restauratorischen Maßnahmen im Westwerk, der Restaurierung der Orgel der ehemaligen Abteikirche, der multimedialen Erschließung des Westwerks und der Schaffung eines barrierefreien Zugangs zu einem Leuchtturm wird, wie es in der Blütezeit des Klosters der Fall war“.


Josef Kowalski hatte 2018 den geschäftsführenden Vorsitz des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus übernommen. Außerdem hat er als Gästeführer viele Menschen mit der Geschichte, aber auch mit der Substanz und Seele Corveys als steingewordenes Glaubensbekenntnis vertraut gemacht.
Zu den Glanzlichtern seiner Zeit als Kirchenvorstand gehört zweifelsohne das hochkarätige, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im September 2022 eröffnete Jubiläumsjahr zum 1200-jährigen Bestehen der ehemaligen Benediktinerabtei. Bei Anlässen wie den Pfingstfeierlichkeiten auf dem Heiligenberg und der Ansgar-Vesper in Corvey hat Josef Kowalski mitreißend Zeugnis abgelegt von der Impulskraft des göttlichen Betriebssystems, des Heiligen Geistes.
Von diesem Geist beseelt, sind vor mehr als 1100 Jahren Mönche aus ihrer noch jungen Abtei mutig und entschlossen ausgeschwärmt. Sie wollten das Evangelium zu den Menschen bringen. Dieser erfolgreichen Missionstätigkeit ist es mitzuverdanken, dass Corvey, wie Josef Kowalski betont, in der Zeit vom 9. bis Anfang des 12. Jahrhunderts einen impulsgebenden Anteil an der Europawerdung und der Entstehung des christlichen Abendlandes hatte.
Aus dem Kirchenvorstand ist Josef Kowalski aus Altersgründen ausgeschieden. Zur Freude der Gemeinde bleibt der Corvey-Kenner der Welterbestätte aber beratend erhalten.
6. Verwaltungsleiter Marcus Beverungen
Am 6. Dezember haben wir Marcus Beverungen aus Lüchtringen vorgestellt. Er ist Verwaltungsleiter des Pastoralverbunds Corvey und hat mit 50 Prozent Stellenumfang die Geschäftsführung für das Westwerk und die ehemalige Abteikirche inne. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen die administrativen Aufgaben des kirchlichen Teils der Welterbestätte.


Das entlastet den Pfarrverwalter, Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek, und auch die Ehrenamtlichen des Kirchenvorstands. Annika Pröbe, Standortleitung für das karolingische Westwerk und die Abteikirche, betreut die inhaltlichen, wissenschaftlichen und restauratorischen Anforderungen – sodass das Erzbistum, wie Marcus Beverungen resümiert, personell „für eine Sicherung der Welterbestätte gesorgt hat“.
Verbunden ist der Vater zweier Töchter dem Weserkloster schon seit jeher. Bei der Schützenbruderschaft Lüchtringen aktiv, ist er zum Vitusfest im Juni immer in Uniform in Corvey anzutreffen. In seiner Heimatgemeinde St. Johannes Baptist betreut Marcus Beverungen die Ministrantinnen und Ministranten ehrenamtlich und unternahm im Frühjahr mit ihnen einen Ausflug nach Corvey.
Natürlich präsentierte der Verwaltungsleiter ihnen voller Freude die neue Filmprojektion über das Jahrtausend der Mönche auf der multifunktionalen Glastrennwand zwischen Westwerk und Abteikirche. Im Johanneschor führte er die jungen Menschen mit den Tablets, auf deren Bildschirm die karolingische Ausgestaltung des Sakralraums virtuell erblüht.
Um zum Welterbe zu gelangen, musste die Gruppe die Weser queren. Denn ihr Heimatdorf liegt nahe, aber auf der anderen Flussseite. Mit Corvey verbunden ist der Ort seit über 1000 Jahren. In den Annalen des Klosters wird Lüchtringen 854 erwähnt, heißt es in der Ortschronik. 1190 ist das Dorf Pächter von Corvey.
Die Geschicke des heutigen Welterbes mit zu lenken, ist für den Lüchtringer Marcus Beverungen also ein Heimspiel – und eine Herzensangelegenheit.
7. Gemeindereferent Carsten Sperling
Am zweiten Adventssonntag haben wir das siebte Türchen geöffnet und Carsten Sperling vorgestellt. Der Gemeindereferent organisiert mit Pastor Thomas Nal die Firmvorbereitung im Pastoralverbund Corvey und hat die ehemalige Benediktinerabtei und heutige Welterbestätte nach der erfolgreichen Premiere 2025 erneut als Ort für die Firmung ausgewählt.

Knapp 90 junge Menschen haben sich für 2026 angemeldet. In Glaubenskursen bereiten sie sich vor. Bei Kirchenführungen in Corvey haben sie die Gelegenheit, den besonderen Ort ihrer Firmung kennenzulernen.
Carsten Sperling plant wie 2025 wieder Lightroom-Gottesdienste und die Feier des Triduums von Gründonnerstag bis zur Osternacht. Beide Angebote richten sich auch wieder an alle Interessierten.
Am ersten Advent haben sich um 18.30 Uhr die Türen der ehemaligen Abteikirche zum nunmehr dritten Lightroom-Gottesdienst in Corvey geöffnet. In einer Zeit großer Unsicherheit wachse die Sehnsucht nach Vertrauen. „Diese Frage greifen wir auf: mit einer biblischen Geschichte, die ins Wanken bringt – und ins Vertrauen führt. Mit Stimmen aus dem Leben. Und mit Musik, die den Gottesdienst trägt“, hatte Carsten Sperling angekündigt. Eingeladen waren nicht nur Jugendliche, „sondern alle, die im Advent nach Licht, Vertrauen und Sinn suchen“.
Mit den neuen Formaten möchte der Gemeindereferent dazu beitragen, dass Corvey ein Ort des Glaubens bleibt. „Genau deshalb haben wir die Firmvorbereitung bewusst dorthin gelegt. ‚Lightroom Corvey‘ greift das auf: Wir wollen Corvey als geistlichen Raum neu erfahrbar machen – als einen Ort, wo Menschen Gott begegnen und auch sich selbst ein Stück näherkommen.“
Yvonne Sperling – Sängerin und Ehefrau des Gemeindereferenten – rundet die Gottesdienst-Angebote zusammen mit anderen Musikerinnen und Musikern ab und bringt die Hoffnungsbotschaft des Evangeliums in all ihrer kraftspendenden Tiefe berührend zum Klingen.
8. Dionysius
Das achte Türchen führte in die ehemalige Abteikirche. Wir haben den südlichen Seitenaltar in den Blick genommen und auf einen Heiligen geschaut, den die Menschen an seiner einzigartigen Darstellung sofort erkennen: St. Dionysius. Auch in Corvey trägt er den Kopf in seinen Händen.
Dionysius gehört zu den 14 Nothelfern, war der erste Bischof im heutigen Paris und wird in Frankreich als Nationalheiliger verehrt. Die Menschen nennen ihn St. Denis.
Mitte des dritten Jahrhunderts entsendet Papst Fabian ihn zum Missionieren nach Gallien. Dionysius baut die erste christliche Kirche auf der Seine-Insel und bringt kirchliche Strukturen auf den Weg.
In der Zeit der Christenverfolgung um 280 werfen die Römer ihn ins Gefängnis. Dionysius ist aber nicht zum Schweigen zu bringen. Er wird zum Tode verurteilt und auf dem heutigen Mont Martre durch das Schwert hingerichtet.
Hier setzt nun die Legende ein, die die Darstellung des Heiligen erklärt: Dionysius soll, nachdem man ihm den Kopf abgeschlagen hat, sein Haupt aufgenommen und zu seinem gewünschten Begräbnisort getragen haben. Dieser nach ihm benannte Ort – St. Denis – wird zum Nationalheiligtum Frankreichs. Es entsteht eine erste Kapelle, später eines der bedeutendsten Klöster der Merowinger und der erste gotische Kirchenbau der Welt. Könige liegen dort begraben.
Was führt den heiligen Dionysius nach Corvey? Aus dem Kloster, der Abtei St. Denis, sind im Jahr 836 die Gebeine des Hl. Vitus in einem feierlichen, von Corveys zweitem Abt Warin angeführten Triumphzug an die Weser übertragen worden. Der Abt von St. Denis, Hilduin, war 830 in das junge Kloster verbannt worden und versprach Warin, im Fall seiner Rückkehr Reliquien für Corvey zu stiften.
Dieser Fall trat ein – und begründete die bis heute währende Vitus-Verehrung im Corveyer Land.
9. Museumsdirektor und Leiter der Fachstelle Kunst, Dr. Holger Kempkens
Mit Öffnen des neunten Türchens unseres digitalen Adventskalenders haben wir den Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums Paderborn, Dr. Holger Kempkens, vorgestellt. Der aus Köln gebürtige Kunsthistoriker steht seit 2020 an der Spitze des Paderborner Museums und leitet gleichzeitig die Fachstelle Kunst im Erzbischöflichen Generalvikariat. Dieses Team betreut sämtliches Kunstgut der Kirchengemeinden des Erzbistums.
Eine der kleinsten dieser Gemeinden ist St. Stephanus und Vitus Corvey. Wesentliche Teile ihrer kostbaren Kirchenschätze kommen in der neu konzipierten Dauerausstellung im Schloss ansprechend zur Geltung und veranschaulichen 1000 Jahre benediktinisches Leben in Corvey.
Dr. Kempkens und sein Team betreuen die Ausstellung. Außerdem steht der Kunsthistoriker der Kirchengemeinde bei den restauratorischen Aufgaben in Westwerk und Abteikirche sowie bei der Fortentwicklung der neuen Digitalangebote zur Seite.
Aus dem Diözesanmuseum Paderborn strahlte der Stern der Welterbestätte von September 2024 bis Januar 2025 leuchtend hell: Die erste große Sonderausstellung unter Holger Kempkens‘ Ägide als Direktor war der ehemaligen Benediktinerabtei gewidmet: „Corvey und das Erbe der Antike – Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“. Die glanzvolle Schau zeichnete lehrreich nach, wie antikes Wissen, aber auch Kunstauffassungen und -techniken in den Klöstern des beginnenden Mittelalters bewahrt und bis in die Neuzeit und die Gegenwart weitergetragen wurden.
Das 822 gegründete Corvey spielte eine zentrale Rolle in diesem Kulturtransfer und stand daher im Mittelpunkt der Ausstellung. Gleich zu Beginn der Schau richtete sich der Blick auf die Inschriftentafel aus der Gründungszeit, deren Schriftart römische Monumentalinschriften zitiert und sie mithin zu einem Paradebeispiel für die Antikenrezeption im frühen Mittelalter macht.
Bei Führungen brachte Dr. Kempkens die Exponate aus Corvey und aus aller Herren Länder mit Fachkunde und Leidenschaft fesselnd zum Sprechen – so wie er die Weltgeltung Corveys als Kulturdenkmal auch jetzt immer mit Vorträgen und Forschungsprojekten im In- und Ausland in ein breites Bewusstsein bringt.
10. Altfrid
Das 10. Türchen führte wieder ins Chorgestühl der ehemaligen Abteikirche. An der nördlichen Rückwand erinnert eine der Statuen an Altfrid. Der 1965 heiliggesprochene Gottesmann war 851 bis 874 der vierte Bischof von Hildesheim. Auf einem Eigenbesitz der Familie begründete er das Frauenstifts Essen – der Keimzelle der heutigen Ruhrmetropole. Dort gehört er zu den bekanntesten Heiligen des Bistums. Der Essener Dom beherbergt Reliquien von Altfrid, die in einem Schrein in der Krypta aufbewahrt werden und zu seinem Gedenktag am 16. August immer feierlich zur Verehrung erhoben werden.


Der bedeutende Kirchenmann ist um das Jahr 800 geboren worden. „Er stammt aus einem angesehenen sächsischen Adelsgeschlecht und erhielt eine gute Erziehung, vermutlich in den Klöstern von Fulda oder Corvey“, informiert das Ruhrbistum auf seiner Homepage. In der Benediktinerabtei an der Weser soll Altfried seit 829 die Klosterschule geleitet haben, heißt es bei „Heilige.de“.
Als Berater und Gesandter des ostfränkischen Königs Ludwig II. (der Deutsche) erlangt Altfrid politischen Einfluss. Er ist als Unterhändler und Friedensstifter zwischen dem West- und Ostfrankenreich tätig.
Historischen Berichten zufolge überführt Altfrid 864 Reliquien des Heiligen Marsus von Auxerre an einen unbekannten Ort in Sachsen. Als möglicher Empfangsort wird die Abtei Corvey genannt.
In Hildesheim legt Bischof Altfrid 852 den Grundstein zum ersten Dom. Er lässt die dreischiffige Basilika über der Kaiserkapelle bauen und nach Westen hin verlängern. Bei der Weihe am 1. November 872 soll Abt Adalgar von Corvey zugegen gewesen sein.
Mehr als 1150 Jahre später hat die Verbundenheit zwischen Corvey und Hildesheim erneut Ausdruck gefunden: Bischof Dr. Heiner Wilmer war Festprediger der Vitus-Feierlichkeiten. Der hohe Geistliche würdigte Corvey als „durchbetete Erde“ und als verdichteten Ort mit großartiger Geschichte.
11. Kirchenaufsicht Monika Lüke
Das elfte Türchen unseres Adventskalenders führte in die Erdgeschosshalle des Westwerks. Gleich nach Durchschreiten des Portals begegnen die Gäste linker Hand am Tresen der Kirchenaufsicht. Die Frauen und Männer sind allesamt Botschafterinnen und Botschafter Corveys. Über praktische Fragen und Absprachen hinaus haben sie immer ein nettes Wort für die Gäste – verpacken Informationen über das Welterbe in herzliche Dialoge.
Nach Einzug der neuen Digitalangebote ist der Tresen auch immer Anlaufstelle für die Ausgabe der Tablets. Die Aufsicht händigt den Gästen die Geräte im Rahmen von Führungen für den Johanneschor aus. Auf den Bildschirmen erblüht die ursprüngliche Ausgestaltung dieses dreiseitig von Emporen umgebenen, erhabenen Sakralraums neu.
Die Geräte sind bei den Aufsichten vom Reinigen nach jeder Nutzung bis hin zum Aufbewahren in großen Schränken in guten Händen. Im Blick hat der oder die Diensthabende auch immer die Luftentfeuchter zur Regulierung des Klimas im Erdgeschoss und im Johanneschor des Westwerks.
Die ersten Aufnahmen zeigen Kirchenaufsicht Monika Lüke mit jungen Corvey-Besucherinnen im Sommer 2025.
12. Adalgar – zwei Brüder gleichen Namens
Wir haben das zwölfte Türchen geöffnet und zwei Brüder gleichen Namens vorgestellt: Adalgar (auch Adelgar). Einer der beiden war von 856 bis 877 Abt in Corvey, der andere wurde 888 Erzbischof von Hamburg und Bremen.
Die Benediktinerabtei an der Weser war für beide der Ausgangspunkt ihres gottgeweihten Lebens. Unter Abt Warin waren sie ins Kloster eingetreten. Die Brüder entstammen wohl einem sächsischen Adelsgeschlecht.
Adalgar, der Abt, regierte wie sein Vorgänger Warin lange. Monsignore Andreas Kurte zeichnet in seinem Buch über die Corveyer Äbte das Wirken dieses frühen Klostervorstehers nach. Unter anderem erinnert er daran, dass unter Adalgar 863 die Stiftskirche St-. Paul in Niggenkerken nahe dem Kloster geweiht wurde. Adalgars
gute Kontakte ins westliche Frankenreich ermöglichten, so Kurte, 864 die Translationen der Reliquien der hl. Liuttrud und des hl. Marsus in die „ecclesia nova s. Pauli“. Ein Beckenknochen Liuttruds gehört auch heute noch zum Reliquienschatz Corveys.
Mit Abt Adalgar sind bauliche Veränderungen verbunden. 870 begann er mit Neubaumaßnahmen an der Klosterkirche. Die Corveyer Annalen berichten, dass ein Blitzeinschlag in den Ostteil der Basilika die Arbeiten notwendig gemacht hatte. Diese Geschichtsquelle hält auch fest, dass Adalgar am 8. April 873 den Grundstein für das Westwerk als Dreiturmanlage (lat.: tres turres) legte. Im gleichen Jahr erwirkte er von Papst Hadrian II. ein Privileg, das Corvey dem Schutz des Heiligen Stuhls unterstellte. Abt Adalgar starb am 7. Januar 877.
Während der Klostervorsteher seinen Platz in der Äbtegalerie im Schloss hat, haben die Mönche seinem Bruder, dem Erzbischof, im Chorgestühl der Abteikirche ein Denkmal gesetzt. An der nördlichen Rückwand gehört er zu den acht Statuen bedeutender Persönlichkeiten. Der Bischof starb am 9. Mai 909 in Bremen – und wird bis heute, wie seine Vorgänger (u.a. Ansgar), als Heiliger verehrt.
13. Netzwerk Corvey
Am 13. Dezember stellten geballtes Fachwissen rund um Corvey vor: Ein neu gegründetes Netzwerk hat sich in diesem Jahr gegründet und bündelt Expertise aus unterschiedlichen Disziplinen.
Die ehemalige Benediktinerabtei am Weserbogen birgt trotz profunder wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Bau- und Kulturgeschichte noch viele Geheimnisse. Sie wirft Fragen auf, liefert Forschungsansätze und Projektideen. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geht der „Stoff“ in Corvey also nie aus. Zugleich wollen die besonderen Eigenschaften und Alleinstellungsmerkmale dieses Klosterortes vermittelt und für die Nachwelt erhalten werden. Auch in diesen Aufgabenbereichen bleibt viel zu tun. Es werden daher – wie seit Jahren schon – verschiedene Institutionen mit Corvey beschäftigt sein.
Das neue Netzwerk macht sie alle zu Partnern – zusammengeführt von Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Leiterin der Abteilung Westfalen des Landesarchivs NRW, Annika Pröbe M.A., Standortleitung für das Weltkulturerbe ‚Karolingisches Westwerk und Abteikirche Corvey‘ beim Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn, Dr. Holger Kempkens, Direktor des Diözesanmuseums und Leiter der Fachstelle Kunst im Generalvikariat, sowie Höxters Stadtarchivar Michael Koch. Sie haben die Initiative ergriffen und die Netze ausgeworfen.
Nach dem Start der gemeinsamen Online-Plattform auf der Homepage der Kirchengemeinde St. Stephanus uns Vitus ist das Netzwerk im Mai auch analog an den Start gegangen. Der interdisziplinäre Kreis repräsentierte Archive, Hochschulen, Bibliotheken, Museen und andere Institutionen.
Das Netzwerk soll als Arbeits- und Vernetzungsplattform dienen und einen engen Austausch fördern. Dazu besteht auch im kommenden Jahr wieder digital und analog die Möglichkeit. Auf der Internet-Plattform werden alle Corvey-Interessierten spannende Einblicke in die Netzwerkarbeit rund um das einzige Welterbe in Westfalen erhalten.
14. Schola Canta voce
Beim Silbernen Priesterjubiläum des Pfarrdechanten Dr. Hans-Bernd Krismanek im Juni 2024 gaben die Sängerinnen in Corvey ihr Debüt. Damals noch ein kleiner Kreis, ist das Ensemble inzwischen gewachsen und hat bei verschiedenen Anlässen die Herzen vieler Zuhörerinnen und Zuhörer erreicht: die Schola „Canta voce“.
Von Corveys Domorganisten Dominik Balduin gegründet, gehört das Weltkulturerbe am Weserstand zu ihren Auftrittsorten. Deshalb führte das 14. Türchen unseres Adventskalenders auf die Orgelempore der Abteikirche. Dort haben die Sängerinnen während der Christmette an Heiligabend ihre Stimmen zur Entfaltung gebracht. Sie intonierten unter anderem einen Klassiker unter den Advents- und Weihnachtsliedern, „Tochter Zion“.
„Traditionelle Kirchenmusik neu gedacht“: Auf diese prägnante Formel bringt Ensemblemitglied Verena Zimmermann das Grundanliegen der Schola. Mit diesem Ziel hat Dominik Balduin den Kreis ins Leben gerufen. An der Orgel interpretiert er traditionelles geistliches Liedgut oft neu, führt Melodien mehrerer Lieder zusammen, streut Sequenzen aus weltlichen Genres ein.
Diese Musikgedanken – sein Markenzeichen – setzt die Schola unter seiner Leitung nun in berührenden Gesang um. „Es gibt schöne Klassiker, die sich anders interpretieren lassen“, sagt Mitglied Dorothee Meyhöfer. Bei einem Übungsabend für Heiligabend in Corvey gaben sie und ihre Mitsängerinnen kürzlich spontan eine Kostprobe. Und brachten das traditionelle „Halleluja“ mit einer Melodie der Legende Elvis Presley, „Can’t Help Falling In Love“, zur Entfaltung. Aus dem Gotteslob verflechten die Sängerinnen sodann zwei Lieder zu einem: mehrstimmig, berührend, das Evangelium in seiner hoffnungsvollen Botschaft zur Entfaltung bringend.
Zur Einstimmung auf Weihnachten haben wir für unseren Adventskalender bei einer Probe aufgenommen, was die Schola an Heiligabend intoniert haben. Hören wir hinein.
15. Architekt Albert Henne
Mit dem Öffnen des 15. Türchens stellen wir Diplom-Ingenieur Albert Henne aus Höxter vor. Der Architekt ist seit mehr als 30 Jahren in der Sanierung und Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude, überwiegend Sakralbauten, tätig und seit 2003 selbstständig.
Die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus beauftragte Albert Henne 2004 mit den Sanierungen und Restaurierungen der Abteikirche Corvey. Seither gehört der Architekt zum Team Corvey. Und hat in den zurückliegenden Jahren wegweisende Projekte betreut – unter anderem die baulichen Maßnahmen rund um die Restaurierung und Rekonstruktion der historischen Andreas-Schneider-Orgel.
Lebhaft erinnert er sich an atemberaubende Momente: Die neue Balganlage der Springladenorgel ist im Mai 2020 ebenso wie zuvor ihre stählerne Tragkonstruktion auf dem Luftweg – an den Türmen des Westwerks vorbei – in den eigens geöffneten Dachraum der Kirche eingezogen.
Ebenfalls auf dem Luftweg sind im Dezember 2022 die Elemente der Glaswand zwischen Westwerk und Abteikirche vom Domänenhof aus vor das Kirchenportal gehievt worden. Bei Schneetreiben schwebten sie am Haken eines Autokrans. Albert Henne sah gebannt zu.
Die Glaswand war für den erfahrenen Architekten eines der spektakulärsten Bauprojekte in Corvey. „Mehrere Jahre haben wir darauf hingearbeitet“, sagte er erleichtert, als die fragile, gläserne Fracht nach ihrem „Überflug“ unbeschadet im Westwerk angekommen und schließlich auch eingebaut war.
Der Architekt kennt im Westwerk und in der Abteikirche jeden Winkel und bildet mit Standortleiterin Annika Pröbe, der restauratorischen Fachbauleitung Karen Keller und allen haupt- und ehrenamtlichen Ansprechpartnern der Kirchengemeinde ein eingespieltes Team. Er hat die Erfolgsgeschichte der Gemeinde zur Fortentwicklung der Welterbestätte mitgeschrieben und freut sich, dass Corvey mit den digitalen Angeboten im Westwerk einen nachhaltigen touristischen Aufschwung erfährt.
16. Restauratorische Fachbauleitung Karen Keller
Ihre Diplomarbeit hat Karen Keller über karolingische Wandmalereifragmente geschrieben. Großartige Schätze aus genau dieser Zeit betreut sie heute als restauratorische Fachbauleitung im Welterbe Westwerk Corvey.
Das tut die Diplom-Restauratorin aus Köln seit 2017 im Auftrag der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus. Es ist ihr ein Anliegen, die erbauungszeitliche Substanz für die kommenden Generationen erhalten zu können.


An dieser Zielsetzung arbeitet Karen Keller, die wir am 16. Dezember vorstellten, mit spezialisierten Restauratoren und auch Klimaforschern. Denn das Klima spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Sicherung der karolingischen Wandmalereifragmente im Westwerk geht. Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen können einer historischen Bausubstanz in bestandsgefährdender Tragweite zusetzen. So auch im Westwerk. Dort sind in der Erdgeschosshalle und auch im Johanneschor Luftentfeuchter im Einsatz.
Über das fortlaufende Klimamonitoring hinaus laufen unter der Regie der LWL-Denkmalpflege zurzeit umfassende Messungen, Analysen und erweiterte restauratorische Untersuchungen. Sie sollen über Zusammenhänge zwischen dem Klima und bestehenden Schadensbildern an den Wandmalereifragmenten Aufschluss geben. Vor Ort sind Karen Keller und Standortleitung Annika Pröbe an dem Forschungsprojekt beteiligt.
Die Restauratorin aus Köln ist seit 1992 freiberuflich in der Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut tätig. Die Restaurierungsobjekte umfassen vorwiegend Wand- und Gewölbemalereien, Stuck, gefasste Skulpturen, Altäre, Raumausstattungen, Terracotten und Mosaiken.
In Corvey hat Karen Keller die Rankenmalereien auf der Westempore des Johanneschores besonders ins Herz geschlossen. Und natürlich auch die Odysseus-Szene. „Die Hundeköpfe des mit Odysseus kämpfenden Wesens Skylla gehören zu meinen Lieblingsdarstellungen“, schwärmt die Restauratorin, die auch die prachtvolle Barockausstattung der ehemaligen Abteikirche mit im Blick hat.
17. Wibald von Stablo
Hinter dem 17. Türchen verbarg sich eine herausragende Persönlichkeit unter den Äbten Corveys: Wibald von Stablo (*1098, †1158). Der in Lothringen geborene, hochgebildete Ordensmann führte zwei Abteien gleichzeitig: Stablo-Malmedy (1130 bis 1158) und ab 1146 dann auch Corvey. Er sollte das materiell angeschlagene Kloster an der Weser konsolidieren.
„Da Wibald in der Folge häufiger zwischen den beiden etwa sechs Tagesreisen voneinander entfernt liegenden Abteien hin- und herreiste, dabei jedoch die Belange der beiden Klöster, aber auch seine wichtigste Korrespondenz immer zur Hand haben wollte, legte er offenbar sein bis heute erhaltenes Briefbuch an“, erläutert Dr. Holger Kempkens, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, in einem Aufsatz über den Abt und seine Kunststiftungen – erschienen im Katalog zur Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike“. Wibalds Briefbuch – eine Art tragbares Archiv – beinhaltet etwa 450 Dokumente.
„Zu den Aufgaben, die ihn in Corvey erwarteten, gehörte auch die Sorge um das 873 bis 885 errichtete Westwerk, das wohl aufgrund von Problemen im Untergrund teilweise baufällig war“, erläutert Dr. Kempkens. Man habe sich daher entschieden, den zentralen Hauptturm über dem Quadrum abzutragen und unter Einbeziehung der karolingischen Treppentürme einen Querriegel zu errichten. Dr. Kempkens: „Dazu wurden die Türme um zwei Etagen aufgestockt, die sich jeweils in zwei gekuppelten Biforien öffnen. Zwischen den Türmen wurde ein neues Glockenhaus errichtet, das sich in seinem unteren Geschoss beidseitig in vier großen Biforien, im oberen Geschoss in je sechs kleineren Biforien öffnet.“ Für einen Teil der größeren Biforien seien karolingische Säulen als Spolien wiederverwendet worden.
Wibald hat also baulich bis heute sichtbare Spuren hinterlassen. Seine Vorliebe für Cicero führte dazu, dass er dessen überlieferte Schriften in Corvey in einem Kodex zusammenstellte.
18. Restauratorin Sina Theile
Mit dem Öffnen des 18. Türchens haben wir die Restauratorin Sina Theile vorgestellt. Sie ist mit der Welterbestätte an der Weser besonders verbunden – unter anderem deshalb, weil sie aus Obermarsberg im Sauerland kommt und dieser Höhenort seit Corveys Gründungszeit über Jahrhunderte hinweg mit dem Benediktinerkloster bei Höxter in Beziehung stand.


Aktueller aber – und noch dazu sehr außergewöhnlich – ist eine andere Verbindung: Sina Theile hat im Welterbe an der Weser einen gemalten Platz. Denn die Restauratorin hat für das neue Ostermotiv im Zyklus der Hochaltargemälde der ehemaligen Abteikirche Modell gestanden. Das zeitgenössische Altarbild des Esloher Künstlers Thomas Jessen ersetzt die seit 1945 verschollene Osterszene und verbindet frühe christliche Kunst mit der Gegenwart.
Genau hier kommt Sina Theile ins Spiel. Der Künstler stellt sie den drei Frauen am Grab – dargestellt wie auf einem Elfenbeinrelief aus der Zeit um 400 nach Christus – zur Seite. Die junge Frau nimmt die lange Überlieferung des Osterglaubens auf und malt sie weiter. Deshalb die Staffelei in ihren Händen.
Ihr Handwerkszeug hat sie aber schon häufiger nach Corvey mitgebracht. Ende 2020 beispielsweise hat sie gemeinsam mit ihrem Bruder, Chris Theile, die prachtvolle Barockausstattung der Kirche gereinigt und gefestigt. Die Geschwister betreiben in Diemelstadt eine Ateliergemeinschaft und nahmen zusammen mit der restauratorischen Fachbauleitung für das Westwerk und die Abteikirche, Karen Keller, bis hin zum Christus-Relief hoch oben in der Altarbekrönung alles unter die Lupe.
Nach wie vor behält Sina Theile die barocke Pracht in regelmäßigen Monitorings im Auge. Es kann also durchaus sein, dass man ihr in der Kirche doppelt begegnet: gemalt auf dem Hochaltargemälde und zugleich „in echt“ bei der Arbeit.
19. Christoph Bernhard von Galen
Wir sind mit den historischen Persönlichkeiten Corveys in der Barockzeit angekommen. Das 19. Türchen führte in die ehemalige Abteikirche, deren Hochaltar vom Wappen des Fürstbischofs von Münster, Christoph Bernhard von Galen, gekrönt wird. Als Administrator Corveys (amt. 1661-1678) hat der wirkmächtige Würdenträger das nach dem Dreißigjährigen Krieg darniederliegende monastische Leben zu neuer Blüte geführt.
Der Dreißigjährige Krieg hatte der Abtei stark zugesetzt. Wiederholt hatten Söldnertruppen das Kloster geplündert und gebrandschatzt. Das Konvent-Leben kam völlig zum Erliegen.


Nach de
m Tod des alten Fürstabts Arnold von Valdois 1661 wählten die adeligen Mönche dann Christoph Bernhard von Galen zum geistigen und weltlichen Herrn. Er ordnete Verwaltung und Finanzwirtschaft neu und traf auch weitreichende bauliche Entscheidungen.
Zu diesen Weichenstellungen gehört der Neubau der Kirche: Christoph Bernhard von Galen ließ 1667 bis 1674 die prachtvolle barocke Abteikirche bauen. Die karolingische Basilika hatte man aufgrund erheblicher Schäden mit Ausnahme des Westwerks abgebrochen. Die eher schlichte, in den Formen noch gotisch anmutende Saalkirche erhielt in den Jahren 1674 bis 1677 ihre bis heute erhaltene, glanzvolle Barockausstattung.
Die Heiligen- und Reliquienverehrung erlebte nach den verheerenden Verlusten des Dreißigjährigen Krieges unter dem tatkräftigen Administrator ebenfalls einen neuen Aufschwung. Christoph Bernhard von Galen schickte Florenz von dem Velde, damals noch Subprior und später Abt, im Jahr 1675 zum Tochterkloster Gladbach, um Reliquien des heiligen Vitus zurück nach Corvey zu holen – und der Abtei am Weserstrand damit ihre geistliche Substanz zurückzuzugeben.
Mit seinem Gnaden- und Segensrezess hat der Administrator außerdem einen langanhaltenden Kirchen- und Religionsstreit zwischen den beiden christlichen Konfessionen in Höxter beendet.
20. Die Krippe von Corvey
Das 20. Türchen führte in die ehemalige Abteikirche. Vor dem Nordseitenaltar der ehemaligen Abteikirche setzt inmitten barocker Pracht die große Krippe die Geburt Christi wieder warmherzig in Szene – liebevoll arrangiert vom Küsterehepaar Helga und Johannes Gritzo.
Die meisten Krippenfiguren hatten in den letzten Tagen vor dem Fest bereits Aufstellung genommen: die Hirten, die Schafe. Maria und Josef. Ochs und Esel. Und natürlich auch der Engel, der der Heiligen Familie in jener Nacht am Stall zur Seite steht.

Helga und Johannes Gritzo.

Der Hirte auf dem Weg zur Krippe.
Der Platz zwischen dem Heiligen Paar blieb aber noch frei. Erst zur Christmette am Heiligen Abend lag das Jesuskind in der Krippe, gebettet auf Heu und auf Stroh.
Das Geschehen der Heiligen Nacht in Szene zu setzen, ist Johannes Gritzo und seiner Frau ein Herzensanliegen. „Wir möchten den Menschen zu Weihnachten eine Freude machen.“ Deshalb werden sie sich auch nach ihrem Abschied in den Ruhestand im Januar 2026 weiterhin um die Krippe kümmern.
Vom zweiten Feiertag bis einschließlich Neujahr öffnen sie jedes Jahr die Kirche täglich von 11 bis 16 Uhr. In dieser stillen Zeit können die Menschen die Krippe besuchen und sich vom Frieden der Heiligen Nacht berühren lassen.
21. Die Engel des Orgelprospekts
Als wir das 21. Türchen öffneten, brannte am Adventskranz die vierte Kerze. So kurz vor dem Fest haben wir einige der vielen Engel unserer barocken Abteikirche – konkret die Engel des prachtvollen Orgelprospekts – vorgestellt.
Die Königin der Instrumente selbst erklingt in diesem Reel ebenfalls. Domorganist Dominik Balduin hat für unseren digitalen Adventskalender auf der Andreas-Schneider-Orgel „Wir sagen euch an den lieben Advent“ eingespielt. In Gedanken sangen wir die vierte Strophe des Liedes und sahen dem Fest in Vorfreude entgegen.
22. Holzfachmann Georg Pietsch
Das 22. Türchen führte in die Sakristei der ehemaligen Abteikirche. Weihnachten war nicht mehr weit. Zeit für den Bildwechsel. Zu den Hochfesten des Kirchenjahres wechselt jeweils das Motiv des großformatigen Hochaltar-Gemäldes. Kurz vor dem Fest kehrt die Mariä-Himmelfahrt-Szene ins Magazin zurück und macht Platz für das Weihnachtsmotiv.
Kirchenvorstandsmitglied Georg Pietsch erledigt diesen Wechsel trotz des wenigen Platzes auf der Magazin-Empore nicht nur erstaunlich schnell, sondern auch ganz allein. Eine raffinierte Wechselhilfe macht es möglich. Der Tischler und Ingenieur hat sie selbst konstruiert.
Seit einigen Jahren setzt er sein fahrbares Holzgestell für den Bildwechsel erfolgreich ein. Und bringt seinen Sachverstand und seinen Ideenreichtum nicht nur für diese wichtige Aufgabe ins Welterbe ein. Aktuelles Beispiel sind die hölzernen Einhausungen für die barocken Grabplatten in den Umfassungswänden des Atriums vor dem Westwerk. Sie müssen restauriert und zunächst vor schädigenden Wettereinflüssen geschützt werden.
Das war ein Fall für Georg Pietsch. Der versierte Holzfachmann hat wie immer an alles gedacht. So hat er die Einhausungen mit einem kleinen Abstand zur Wand angebracht. Dieser sorgt dafür, dass etwas Luft zirkuliert und feuchte Stellen an einigen Platten trocknen. Um Regen abzuleiten, hat Georg Pie
tsch die Holzvorbauten „überdacht“. Die Platten sind über den Winter also bestens geschützt.
Professor Dr. Christoph Stiegemann lobte Georg Pietsch im Juni als „genialsten und innovativsten Holzwurm Corveys“: Der Kunsthistoriker war mit der Corvey-Verdienstmedaille ausgezeichnet worden. Georg Pietsch hat eine Medaillen-Schatulle aus Kirschbaumholz geschaffen und so konstruiert, dass sich das Inlett mit der Medaille schrägstellen am Deckel befestigen lässt. Der Geehrte war beeindruckt.
Die Kirchengemeinde Corvey ist glücklich, die Expertise des Holzfachmanns in den eigenen Reihen zu haben. Wir empfehlen an dieser Stelle einen Film, mit dem wir den Bildwechsel vor wenigen Jahren einmal dokumentiert haben.
23. Ministrantin Marlene Fellmann
Das 23. Türchen unseres digitalen Adventskalenders führte in die Sakristei der ehemaligen Abteikirche. Dort trafen wir Ministrantin Marlene Fellmann (17), als sie sich für eine der sonntäglichen 8.30-Uhr-Messen ihr Gewand überzog.
Direkt nach der Erstkommunion hat die Höxteranerin damit begonnen, sich auf den Dienst am Altar vorzubereiten. Seither trägt sie mit großem Engagement zur Feier der Liturgie bei, lange in der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Höxter und jetzt in Corvey. Der Messdiener-Leiterrunde gehört die Gymnasiastin ebenfalls an.
Die Aufgaben der Messdienerinnen und Messdiener sind vielseitig. Ministranten tragen Weihrauch und Evangelienkerzen und helfen dem Priester auch bei der Gabenbereitung.
In Corvey hat Marlene Fellmann besondere Anlässe miterlebt und mitgestaltet: Die Weihe der frisch restaurierten Andreas-Schneider-Orgel im Juni 2021 und der ARD-Fernsehgottesdienst zum Abschluss des Jubiläumsjahres an Allerheiligen 2023 gehören zu den Glanzlichtern, die ihr in lebhafter Erinnerung sind. Aber auch an jährlich wiederkehrenden großen Festtagen – bei den Vitus-Feierlichkeiten im Juni, der Christmette an Heiligabend oder der ökumenischen Ansgar-Vesper im Februar – ist die 17-jährige Ministrantin am Altar anzutreffen.
Corvey – das einzige Welterbe in Westfalen – liegt ihr am Herzen. „Es ist schön, einen so bedeutenden Ort mit Geschichte in Höxter zu haben“, sagt Marlene.
Seit 1200 Jahren ist die ehemalige Benediktinerabtei ein Ort des Glaubens und des Gebets. Dass diese Tradition fortbesteht und immer wieder mit Leben erfüllt wird, dazu tragen Ehrenamtliche wie Marlene Fellmann und die anderen Ministrantinnen und Ministranten bei.
In der Christmette an Heiligabend stand die Höxteranerin wieder am Altar.
24. Domorganist Dominik Balduin
Für das Finale unseres Adventskalenders hat Dominik Balduin, seit mehr als 30 Jahren Domorganist in Corvey, auf dem kostbaren Barockinstrument der ehemaligen Abteikirche eines der schönsten und weltweit bekanntesten Weihnachtslieder intoniert: „Stille Nacht“.
In der Christmette an diesem Heiligabend, Beginn: 17.30 Uhr, ließ der leidenschaftliche Musiker die barocke Andreas-Schneider-Orgel ebenfalls erklingen.
