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„Digital macht Freude“

By Blog / Aktuell, featured, Presse

Die Transformation jahrzehntelanger Forschungsergebnisse in digitale Tools kann auch zerstörte Welterbestätten zumindest in Teilen wieder erlebbar machen. Für diese Recovering-Prozesse in und außerhalb Europas haben die Planungen zur didaktischen Erschließung des Welterbe Westwerks Corvey ihren Platz im Kontext der Vorbild-Beispiele. Auf diesen wegweisenden Modellcharakter hat Dr. Birgitta Ringbeck, Koordinierungsstelle Welterbe im Auswärtigen Amt Berlin, bei der zweitägigen internationalen Tagung „Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe“ in Paderborn und Corvey hingewiesen – und damit dem wissenschaftlichen Kompetenzteam um Professor Dr. Christoph Stiegemann ein exzellentes Zeugnis für die spannenden Vorhaben zur virtuellen Wiederauferstehung der von Engeln bewachten Himmelsstadt ausgestellt.

Dr. Tino Mager (von links, Vorstand Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS), Dr. Dörthe Jakobs (Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, Stuttgart), Generalvikar Alfons Hardt, Professor Dr. Christoph Stiegemann (Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams zur Erschließung des Westwerks in Corvey), Alexander Fischer (Bürgermeister Höxter), Carolin Kolhoff (Leiterin Fachbereich Welterbe, Deutsche UNESCO-Kommission), Dr. Uwe Koch (Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz Berlin), Dr. Birgitta Ringbeck (Auswärtiges Amt, Koordinierungsstelle Welterbe) und Friedhelm Spieker (Landrat des Kreises Höxter) bei der Eröffnung der Tagung. Fotos: Kalle Noltenhans

Mit dem Rückenwind der ersehnten denkmalrechtlichen Genehmigung der Glastrennwand zwischen Westwerk und barocker Abteikirche des einstigen Benediktinerklosters im Weserbogen bei Höxter hieß Generalvikar Alfons Hardt 136 Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Spanien zu der vom Erzbistum Paderborn, der Deutschen UNESCO-Kommission und ICOMOS Deutschland veranstalteten hochkarätigen Tagung im Forum St. Liborius in Paderborn willkommen.

Vertreter bedeutender europäischer Welterbestätten wie der Domus Aurea in Rom, dem Welterbe Tarraco in Katalonien im Nordosten Spaniens, der Klosterinsel Reichenau und dem Fagus-Werk in Alfeld bei Hannover gewährten aufschlussreiche Einblicke in ihre Konzepte zur Erschließung und zur Nutzung digitaler Technologien. Die virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz – e-codices­ – stand ebenfalls im Mittelpunkt.

Führungen im Westwerk

Am zweiten Tag der Tagung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit,  sich selbst ein Bild von der beeindruckenden karolingischen Architektur und den herausragenden Wandmalereien des Welterbe-Westwerks Corvey zu machen.

Dr. Matthias Exner, Deutsches Nationakommitee von ICOMOS, München, bei seinem Vortrag in Corvey.

Vor den Führungen in der Erdgeschosshalle und im Johanneschor erläuterte Dr. Matthias Exner, Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, München,  den universellen Wert der Corveyer Malereien, zu deren Alleinstellungsmerkmalen die berühmte Odysseus-Szene als Zeugnis der Berücksichtigung profaner und umgedeuteter Ikonographie in den Bildprogrammen karolingischer Sakralbauten sowie die Sinopien und Stuckfragmente des Johanneschors gehören. „Sie erlauben den wichtigsten Beleg für die Produktion von Großplastik aus karolingischer Zeit nördlich der Alpen und zugleich den aussagekräftigsten Nachweis für die enge konzeptionelle und handwerkliche Synthese von Wandmalerei und Stuckplastik in den Dekorationssystemen dieser Epoche“, erläuterte Dr. Exner.

Zwei Erzählstränge

Ohne jeglichen Eingriff in die sensible Bausubstanz will das wissenschaftliche Kompetenzteam  die Himmelsstadt und ihre Ausgestaltung  in zwei Erzählsträngen zum Strahlen bringen: In Wechselwirkung mit dem Ort sollen die Besucher fast schon detektivisch auf Spurensuche gehen und in einem zweiten Erzählstrang die malerischen Werkprozesse erleben. „Sie werden erleben, wie aus dem Nichts die kunstvolle Malerei entsteht“, so Professor Stiegemann,  „allerdings nicht mit einer virtuellen Brille, sondern mit dem Tablet.“ Dem Kompetenzteam ist nämlich die Wechselwirkung mit der unvergleichlichen Aura des authentischen Ortes ein großes Anliegen.

Meilenstein in der Vermittlungsarbeit

Dr. Uwe Koch erläutert die digitalen Offensiven zum Kulturerbejahr.

Diese Zielsetzung unterstrich  Carolin Kohlhoff, Leiterin des Fachbereichs Welterbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission:  „Der Einsatz neuer Technologien im Welterbe ist ein Meilenstein in der Vermittlungsarbeit, er kann jedoch nicht zur Gänze die Erfahrung und das Erleben einer Stätte vor Ort ersetzen.“ Dr. Uwe Koch, Deutsches

Nationalkomitee für Denkmalschutz, Berlin, brachte die  digitale Visualisierung ebenfalls als „Ergänzung zur analogen Betrachtung“  in die Diskussion ein. Bei der Vermittlung von Kulturerbe spielten digitale Tools eine wichtige Rolle, weil sie Erfahrbarkeit verbessern. „Digital macht Freude“, resümierte Koch nicht zuletzt auch nach den Erfahrungen des Europäischen  Kulturerbejahres und mit den einhergehenden Offensiven. „Digitale Tools können Steine zum Sprechen bringen, neue Nutzergruppen erschließen und eine Vernetzung generieren.“

Zugang zum Weltwissen fördern

Carolin Kolhoff verweist auf das Ziel der UNESCO, den Zugang zum Weltwissen im digitalen Raum zu fördern.

Diese  Intention stehe in vollem Einklang mit dem Ziel der UNESCO, Zugang zum Weltwissen im digitalen Raum zu fördern, sagte Carolin Kohlhoff. „Ebenso harmoniert dieses Ziel mit dem Anliegen der Deutschen UNESCO-Kommission, den Zugang zu kulturellem Erbe für jeden zu ermöglichen.“

„Wir arbeiten für die Zukunft“

Dabei gelte es, vor allem auch junge Menschen teilhaben zu lassen, hob Mònica Borrell Giró, Direktorin des Nationalen Archäologischen Museums von Tarragona, Spanien, hervor. „Es ist wichtig, in die Zukunft zu denken und junge Menschen zu erreichen. Wir arbeiten für ihre Zukunft. “ Die jungen Menschen seien diejenigen, die morgen für den Erhalt des kulturellen Erbes Verantwortung tragen. Wie die Vorteile der digitalen Erschließung intelligent genutzt werden könnten, dazu seien bei der Tagung interessante Beispiele  zur Sprache gekommen.

Begeisterung wecken

Professor Dr. Christoph Stiegemann erläutert die Planungen zur Erschließung des Westwerks.

Um Begeisterung zu wecken, gelte es auch, die Menschen emotional einzufangen, postulierte Professor Stiegemann auch im Hinblick auf Corvey.  „Wir müssen die Inhalte so übersetzen, dass es verständlich wird und auch die emotionale Ebene erreicht.“ Angesichts der schnellen Überalterung von Bildern gelte es,  Narrative für die Vermittlung zu entwickeln, die durch ihre Überzeugungskraft eine gewisse Zeitlosigkeit gewinnen.

„Corvey ist der intensiven technischen Unterstützung geradezu bedürftig“, konstatierte Dr. Matthias Exner. Grundsätzlich hob er hervor, dass der Einsatz digitaler Tools auf wissenschaftlichen Fakten basieren und sich von populären Spielarten abgrenzen müsse. Storytelling mit Kostümfilm-Versatzstücken lehnt Dr. Exner ab.

„Qualität darf nicht leiden“

Dr. Tino Mager betont, dass die Qualität unter der Präsentation nicht leiden darf.

Auf die Qualität der Inhalte zu achten, ist auch Dr. Tino Mager vom Vorstand des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS ein Anliegen. „Die Qualität darf nicht unter der Präsentation leiden.“  Bei der Tagung habe er hervorragende Beispiele gesehen.

„Es ist zentral, dass wir eine gute wissenschaftliche Grundlage haben und die dann digitalisieren“, betonte Dr. Ringbeck. Diese Basis sei in Corvey auf höchstem Niveau  gegeben, verwies sie auf die jahrzehntelangen dokumentierten Forschungen  von Hilde Claussen und Uwe Lobbedey.

Auf gemeinsames Handeln kommt es an

Die Tatsache, dass die Forschungsergebnisse dieser beiden hochkarätigen Wissenschaftler digital dokumentiert werden, trage dazu bei, dass  Corvey als Best-Practise-Beispiel für Recovering-Prozesse in Rede stehe.

Die Tagung hat dazu beigetragen, die ehemalige Reichsabtei und ihr einzigartiges Westwerk im Kontext der internationalen Welterbestätten – in der Champions-League – zu verorten. Referenten und Teilnehmer ließen keinen Zweifel daran, dass es  bei der  Erschließung des Juwels am Weserbogen – wie letztlich bei allen besonderen Orten –  auf ein konzertiertes, gemeinsames Handeln aller Beteiligten ankommt.

Glastrennwand genehmigt

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Die Glastrennwand zwischen dem karolingischen Westwerk und dem barocken Kirchenschiff der ehemaligen Reichsabtei Corvey im Weserbogen bei Höxter ist denkmalrechtlich genehmigt. Rechtzeitig vor der großen internationalen Tagung  „Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe“ traf die Nachricht der Unteren Denkmalbehörde bei der Katholischen Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus ein und löste hier sowie beim wissenschaftlichen Kompetenzteam des Erzbistums Paderborn zur multimedialen didaktischen Erschließung des Welterbe-Westwerks einhellige Freude und Aufbruchsstimmung aus. „Was lange währt, wird endlich gut“, greift Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek eine treffende Redewendung auf.

Welterbe Westwerk Corvey · Westfassade des karolingischen Westwerks

Das Welterbe Westwerk Corvey steht im Mittelpunkt einer internationalen Tagung. Die Pläne zur multimedialen Erschließung gehen ihrer Realisierung entgegen.

„Der Denkmalschutz hat absolute Vorfahrt. Die entsprechenden Vorleistungen sind erbracht – auch unter großem finanziellem Einsatz des Erzbistums. In jeder Weise ist auf hohem Niveau Voraussicht geboten. Das haben wir getan. Das erlösende ‚Ja‘ nach diesen intensiven, denkmalgerechten Vorbereitungen ist ein großes Geschenk“, kommentiert Professor Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn und Leiter des Kompetenzteams für das Welterbe Corvey, die ersehnte Genehmigung zur Glastrennwand.

Dicke Bretter gebohrt

Diese Einschätzung teilt auch Josef Kowalski, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Gemeinde Corvey: „Es war ein dickes Brett komplexer Planungs- und Entscheidungsabläufe zu durchbohren, um den Anforderungen des Denkmalschutzes zu genügen. Jetzt aber ist es geschafft.“ Zu  verdanken sei dieser Durchbruch vor allem dem guten Miteinander der wissenschaftlichen Fachkräfte beim Erzbistum und der Unteren Denkmalbehörde in Höxter.

Die Glaswand stellt in erster Linie die Integrität des Sakralraums sicher. „Die temporäre Abtrennung ermöglicht es uns, im barocken Kirchenschiff Gottesdienste zu feiern, ohne dass es während einer Besichtigung des Westwerks zu größeren Beeinträchtigungen der Gottesdienstbesucher kommt“, erläutert Pfarrdechant Krismanek den Hauptzweck der Wand. Ihr Einbau „unterstreicht den genuinen und primären Zweck unserer Pfarrkirche, Ort der Liturgie, der Verkündigung und des Gebetes für Besucher und Pilgergruppen zu sein“.

Ein willkommener Nebeneffekt ergibt sich dadurch, dass die Glaswand als Projektionsfläche für die multimediale Inszenierung der Geschichte Corveys dienen kann. „Durch den Einsatz steuerbarer intelligenter Folien lässt sich die gläserne Abtrennung auf Knopfdruck zu 95 Prozent blickdicht verwandeln und als Durchlicht-Projektionsfläche nutzen“, erläutert Professor Stiegemann.

Karolingische Basilika

Mit dieser Technik visualisieren die Wissenschaftler unter anderem die untergegangene karolingische Basilika. Diese höchst reizvolle Inszenierung lässt dann auch die Erdgeschosshalle des Welterbe-Westwerks in einem ganz anderen Licht erscheinen. Sie führt bisher durch den lichten  barockzeitlichen Neubau der Kirche ein eher stiefmütterliches Dasein als dunkler Schwellenraum, der einzig dazu dient, die Wirkung des barocken Sakralraums zu steigern. „Ganz anders nahm sich das Raumerlebnis aus, als die karolingische Basilika noch stand“, sagt Professor Stiegemann.  Gegenüber der zurückgenommenen Lichtwirkung des Kirchenraums „trat das durch die seitlichen Fenster beleuchtete Erdgeschoss des Westwerks in seiner Tiefe wie in seiner Breite als Raum sehr viel deutlicher in Erscheinung“. Der Direktor des Diözesanmuseums brennt darauf, das untergegangene karolingische Corvey und die Strahlkraft jenes bedeutenden Zentrums der Christenheit mit dieser Inszenierung und der Erschließung des Johanneschors erlebbar zu machen.

Himmelsstadt

Die ersten Eindrücke aus dem Erdgeschoss führen die Besucher hinauf in die Himmelsstadt, als die der Johanneschor im Obergeschoss  –  das liturgische Zentrum des Westwerks  – mittels Augmented Reality wiedererstehen soll. Ohne Eingriff in die hochsensible Bausubstanz entfalten sich vor Ort die reichen Malereien, zu denen die berühmte Odysseus-Szene aus der griechischen Mythologie gehört, sowie nicht zuletzt die plastische Ausgestaltung mit den karolingischen Stuckfiguren. Deren Vorzeichnungen (Sinopien) sind im Johanneschor erhalten. Das gibt es kein zweites Mal. Dieses Alleinstellungsmerkmal wird die Menschen, wenn sie in dem Kirchenraum stehen und mit dem Tablet in dessen einstige Wirkmächtigkeit eintauchen, im Herzen bewegen. Davon ist das wissenschaftliche Kompetenzteam überzeugt. Deshalb ist es dem Team ein Anliegen, die Geschichte Corveys nicht mit virtuellen Brillen, sondern in der Wechselwirkung mit dem Ort zur Entfaltung zu bringen.

Geist und Herz werden also gleichermaßen angesprochen – zumal die Besucher die reiche Ausgestaltung dieses weltweit einzigen erhaltenen karolingischen Westwerks nicht nur sehen, sondern auch ihren Entstehungsprozess nachvollziehen können. Wie haben die Künstler gearbeitet? Die Augmented Reality macht eine detektivische Spurensuche möglich. Auch können die Besucher mit Hilfe dieser Technologie im Johanneschor forschen – so wie die Wissenschaftlerin Hilde Claussen es getan hat, der der heutige Erkenntnisstand über die Ausmalung und Ausstattung maßgeblich mit zu verdanken ist. Anhand der wenigen Wandmalereifragmente und der kaum sichtbaren Sinopien erschließt sich die ursprüngliche  Ausstattung zurzeit überhaupt nicht. Nur mit der neuen Technologie kann sie ansprechend erlebbar gemacht werden.

So werden der Raum und seine Weltgeltung neu erblühen- und jeder Besucher wird zum Botschafter dieses einzigartigen, in seiner Würde und seiner Bedeutung wirkmächtigen Ortes. „Der fesselnden Kraft dieser Inszenierungen wird man sich nicht entziehen können“, ist Professor Stiegemann überzeugt. „Denn das untergegangene karolingische Corvey wird zum Greifen nah. Das ist es, was mich nachhaltig fasziniert.“

Missionarischer Aspekt

Die Magnetwirkung der multimedialen Erschließung zunehmend mehr Besucher anziehen.

Diese „Magnetwirkung“ werde, so Kirchenvorstandsmitglied Josef Kowalski, wieder zunehmend mehr Besucher zur Welterbestätte Corvey führen und damit auch mit „Kirche“ in Berührung bringen. „Dieser missionarische Aspekt wiederum ist für uns als Kirche besonders wichtig, zumal wir uns in beiden großen christlichen Kirchen der gestiegenen Zahl von Kirchenaustritten, dadurch einem drohenden Prozess der ‚Entkirchlichung’ und in der Folge der ‚Entchristlichung’ unserer Gesellschaft entgegenstellen müssen.“ Die Leuchtturmwirkung des karolingischen Westwerks könne dabei ein wichtiger Beitrag sein, „dass wir die Wurzeln unserer christlich-abendländischen Kultur niemals vergessen“.

Fortschreibung der Verkündigung

Pfarrdechant Krismanek unterstreicht diesen Aspekt und bricht gleichzeitig eine Lanze für die Nutzung neuer Technologien: „Uns ist es wichtig, die Bedeutung der Geschichte Corveys in ihrer geistlichen Dimension als wichtiges Element unserer Verkündigung methodisch attraktiv darzustellen. Wie die Baumeister des Barock technische Elemente aus dem italienischen Theater des 16./17. Jahrhunderts übernommen haben, um die Botschaft des Evangeliums ihren Zeitgenossen mit den damals möglichen visuellen Methoden nahe zu bringen, so ist es unseres Erachtens nicht nur ein Gebot der Stunde, in ähnlicher Weise die Techniken unserer Tage zu nutzen, sondern geradezu integraler Bestandteil der Umsetzung des Verkündigungsauftrages der Kirche, solche innovativen Wege heute in Kirchengebäuden denkmalverträglich zu gehen. Diese methodisch-didaktische Fortschreibung der Verkündigung ist ein Grundbestandteil der Glaubensausübung in kirchlichen Gebäuden. Und Corvey ist für uns ein wertvoller Leuchtturm dieser Verkündigung, die immer neu unser Auftrag als Kirche Jesus Christi ist.“

Zeitplan

Die didaktische Erschließung des Johanneschores ist auch Thema der internationalen Tagung.

So wie Rom nicht an einem Tag erbaut ist, wird auch die „Himmelsstadt“ im Westwerk nicht von heute auf morgen erblühen. Der Einbau der Glaswand zwischen Westwerk und Barockkirche dauert etwa ein gutes Jahr. Für die Wand werden Bodenplatten angehoben und anschließend wieder eingesetzt. Stadtarchäologe Andreas König wird diese Arbeiten begleiten und die Flächen unter den Platten erforschen.

Parallel arbeiten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen an der Umsetzung der Augmented Reality im Johanneschor weiter. „Das inhaltliche Konzept liegt vor. Nun geht es an die Feinabstimmung“, informiert Annika Pröbe vom wissenschaftlichen Team. „Der große Charme dieser neuen Technologie liegt auch darin, dass sie ständig erweitert und auf den neuesten Stand gebracht werden kann. Wir können immer wieder andere Schwerpunkte setzen und unterschiedliche Aspekte der Architektur- und Kulturgeschichte des Westwerks in den Fokus rücken“, so Annika Pröbe.

Orgel kehrt zurück

Mit dem Einbau der Glaswand, die Bestandteil des Managementplans für das Welterbe ist und aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert wird, ist auch die Rückkehr der restaurierten Barockorgel der Abteikirche verbunden. Vor der Wand werden die Holzelemente des großartigen Instruments eingebaut. Wenn die Glasabtrennung steht, sind die Orgelpfeifen an der Reihe.

So bringt diese Start-Offensive zur didaktischen Erschließung des Westwerks das Juwel am Weserbogen im wahrsten und auch im übertragenen Sinne neu zum Klingen.

Welterbe Westwerk Corvey · Säulenhalle im Erdgeschoss, Blick auf die Wandmalereifragmente der Südwand

Multimedia meets Historie

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Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe: Internationale Tagung mit hochkarätigen Referenten in Paderborn und Corvey

Wie lassen sich Welterbestätten in ihrer Einzigartigkeit, ihrer großen Vergangenheit und ihrer kulturhistorischen Weltgeltung heute für ein breites Publikum erschließen? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer hochkarätigen internationalen Tagung am Montag, 25., und Dienstag, 26. November, in Paderborn und Corvey.

Multimedia meets Mittelalter:Für die Erschließung des Johanneschores liegen spannende Planungen vor. Foto: Kalle Noltenhans · Grafik: Ludger Schwarze-Blanke · iPad: blackzheep / Fotolia

Auf Einladung des Erzbistums Paderborn, der Deutschen UNESCO-Kommission und ICOMOS Deutschland erörtern Vertreter mehrerer europäischer Welterbestätten die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien zur Erschließung dieser besonderen Orte.

„Multimedia meets Mittelalter“ – „Hightech und Historie“: Unter diesem zeitgemäß ausgedrückten Leitmotiv steht auch das Konzept, mit dem das wissenschaftliche Kompetenzteam des Erzbistums Paderborn unter der Leitung des Direktors des Diösesanmuseums, Professor Christoph Stiegemann, die monastische Geschichte Corveys und das karolingische Westwerk in seiner ursprünglichen Ausstattung erschließt. Unter strenger Berücksichtigung der Denkmalverträglichkeit wird die von Engeln bewachte Himmelsstadt in ihrer kunstvollen Ausgestaltung und Farbigkeit zu neuer Blüte gelangen. Filmische Inszenierungen und virtuelle Rekonstruktionen werden Mauern zum Sprechen bringen und die frühmittelalterliche Geschichte des einzigartigen Klosters auffächern.

„Wir setzen neueste Technologien ein und freuen uns darauf, unser Konzept und unsere Ideen während der Tagung im Austausch mit Vertretern anderer Welterbestätten vorzustellen“, blickt Professor Stiegemann dem Symposium mit Spannung entgegen. Die Teilnehmer werden Gelegenheit haben, das breite Spektrum neuer technologischer Anwendungen an Beispielen anderer europäischer Welterbestätten zu erleben und mit Experten über den Einsatz dieser neuen Medien zur Vermittlung von Welterbe zu diskutieren.

Die internationale Tagung trägt dazu bei, Corvey in der Champions-League der großen Welterbestätten zu positionieren. Das impulsreiche Programm  mit  hochkarätigen Referenten aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Spanien ist abgesteckt. Die virtuelle Reise führt die Teilnehmer am ersten Tag im Forum St. Liborius in Paderborn zu bedeutenden Orten wie der DomusAurea in Rom, dem Welterbe Tarracoin Katalonien im Nordosten Spanien und dem Fagus-Werk in Alfeld bei Hannover. Die Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz – e-codices – steht ebenfalls im Mittelpunkt.

Der zweite Tag ist Corvey gewidmet. Führungen vor Ort im Johanneschor machen die Teilnehmer mit den Planungen für die erste und einzige Welterbestätte in Westfalen vertraut.

Die Tagung ist ausgebucht. Es haben sich Direktoren, Leiter und Mitarbeiter fast aller deutschen Welterbestätten angemeldet, außerdem Denkmalpfleger und Welterbebeauftragte der jeweiligen Denkmalämter sowie Technologie-Experten und Dozenten verschiedener UNESCO-Lehrstühle. Weitere Informationen zur Tagung erhalten Sie über Annika Pröbe M.A. (annika.proebe@erzbistum-paderborn.de).

Impressionen vom Tag des offenen Denkmals

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Nachhaltige Eindrücke haben zahlreiche Besucher jetzt im Welterbe Westwerk Corvey gewonnen: Das wissenschaftliche Kompetenzteam zur Erschließung dieses Juwels im Weserbogen bei Höxter hat zum zweiten Mal beim Tag des offenen Denkmals Führungen angeboten. Die Aura des Ortes blühte geradezu auf, als die Gäste die von Engeln bewachte Himmelsstadt mit fachkundiger Begleitung erkundeten.
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