Die Reihe der Sonntagsvespern in Corvey bringt auch in der Saison 2026 wieder die Klangfülle der kostbaren Barockorgel zum Leuchten. Die kirchenmusikalischen Akzentsetzungen machen die ehemalige Benediktinerabtei in ihrer Ausstrahlung als Glaubensort und auch in ihrer besonderen klösterlichen Spiritualität erlebbar.
Mit der Orgel des Höxteraner Orgelbaumeisters Andreas Schneider aus dem Jahr 1681 beherbergt die ehemalige Abteikirche der heutigen Welterbestätte Corvey einen großen Schatz. 2021, also unmittelbar vor dem Jubiläumsjahr zum 1200-jährigen Bestehen Corveys, war die Königin der Instrumente nach umfassender Restaurierung und Rekonstruktion an ihren exponierten Platz auf der von Engel-Atlanten getragenen Empore zurückgekehrt. Annähernd fünf Jahre lang hatte das Barockinstrument mit seinen 32 Registern und etwa 2000 Pfeifen geschwiegen.
Auftakt am 12. April
Die kostbare Springladenorgel gehört zu den nur sieben in dieser anspruchsvollen Technik errichteten Orgeln, die noch im Einsatz sind. Dass dieses Juwel so umfassend aufgearbeitet werden konnte, ist auch ein Verdienst des Fördervereins „Chorus“ zur Rettung der Orgel. Er hat 350.000 Euro Spendengelder gesammelt und darüber hinaus einen 300.000-Euro-Zuschuss der NRW-Stiftung akquiriert. Diesem großartigen Engagement ist es mitzuverdanken, dass das Juwel in der mitteltönigen Stimmung in Anlehnung an die Erbauungszeit erklingt.

Die Prospektpfeifen der Andreas-Schneider-Orgel sind als Engelszungen gestaltet.
Das tut es auch bei den beliebten Sonntagsvespern während der Saison. Die Reihe entspringt einer gedeihlichen Kooperation der Gesellschaft der Musikfreunde Marienmünster mit der katholischen Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey. Seit vielen Jahren existiert durch die Gregorianik-Schola ein lebendiger Bezug zwischen den Klosterorten Corvey und Marienmünster. Die Sängerinnen und Sänger der Schola gestalten viele festliche Anlässe in Corvey und auch einige der Sonntagsvespern mit.
Für diese kirchenmusikalische Veranstaltungsreihe hat Ideengeber Hans-Hermann Jansen, Projektleiter des Netzwerks Klosterlandschaft OWL, auch in diesem Jahr wieder hochkarätige Musikerinnen und Musiker gewinnen können. Zum Auftakt am Sonntag, 12. April, wird Professor Dr. Friedhelm Flamme zusammen mit dem Barocktrompeter Daniel Reichert um 17 Uhr eine musikalische Vesper mit strahlenden Bläser- und Orgelklängen gestalten.
Daniel Reichert, geboren und aufgewachsen in Gütersloh, ist mit der barocken Stilistik an der Naturtrompete ebenso vertraut wie mit den Skalen und Pattern der Jazzmusik. So schloss sich an das Studium im Hauptfach Jazztrompete bei Prof. Oliver Groenewald noch ein klassisches Trompetenstudium bei Prof. Max Sommerhalder an der Hochschule für Musik Detmold an.

Professor Dr. Friedhelm Flamme gestaltet die Vesper am 12. April mit.
Mit verschiedenen Formationen ist Daniel Reichert „kammer-, welt- und jazzmusikalisch“ seit Jahren erfolgreich unterwegs. Seine weit gefasste musikalische Expertise gibt er seit 2016 als Leiter des Symphonischen Blasorchesters der Stadt Gütersloh weiter, dessen Mitglied er seit seinem 16. Lebensjahr ist. Ausgezeichnet als Stipendiat des deutschen Brassbandmeister der „3BA Concertband“, führten ihn Konzerte als Kornett-Solist durch Deutschland und Europa.
Sein besonderes Interesse gilt in jüngster Zeit den historischen Blechblasinstrumenten, vor allem der Barocktrompete, Barockposaune und historischen Kornetten. 2022 kam seine hochgelobte CD „Belle Epoque“ mit Musik für historisches Kornett und Orgel heraus. In Corvey wird er am 12. April mit seiner Musik die barocke Pracht der ehemaligen Abteikirche zum Strahlen bringen.
Orgelvesper zu Pfingsten
Weiter geht es in der Reihe der Vespern am Pfingstsonntag, 24. Mai, um 17 Uhr. Die festliche Stunde in der ehemaligen Abteikirche steht unter dem Leitwort „Ad Festum – Orgelvesper zu Pfingsten“. Der beliebte Höxteraner Gospelchor »Living Voices« unter der Leitung von Volker Schrewe gestaltet die Vesper mit.
Die Orgel wird gespielt von Jan Willem Jansen. Der renommierte niederländische Musiker ist Titularorganist an zwei bedeutenden Instrumenten der Stadt Toulouse, unterrichtet am dortigen Konservatorium, ist künstlerischer Leiter des Festivals „Toulouse les Orgues“ und wirkt in bekannten Ensembles für Barockmusik mit.
Einstimmung auf das Vitusfest
Fortgesetzt wird die kirchenmusikalische Reihe am Sonntag, 14. Juni, 17 Uhr. Die Gregorianik-Schola Marienmünster-Corvey und Hans Hermann Jansen (Leitung/Orgel) nehmen das bevorstehende Vitusfest zu Ehren des Schutzpatrons des Corveyer Landes in den Blick. Es wird eine Woche später, am 21. Juni, mit Pontifikalamt, Prozession und Pfarrfest gefeiert. Die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus freut sich, als Ehrengast und Festprediger Paderborns Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in Corvey begrüßen zu dürfen.
Die nächste Sonntagsvesper lässt nicht lange auf sich warten. Termin ist am 12. Juli, wie immer um 17 Uhr. Das Vokalensemble »ChoriFeen« unter der Leitung von Miriam Braun übernimmt die Gestaltung und hat beinahe ein Heimspiel. Der Chor wurde 2010 als Projekt-Vokalensemble mit Sängerinnen im benachbarten niedersächsischen Fürstenberg gegründet. Seit 2016 haben die Sängerinnen eine feste Probenheimat in Bielefeld und treffen sich dort aus allen Himmelsrichtungen.
Die Orgel wird gespielt von Professor Dr. Friedhelm Flamme. Der international gefragte Konzertorganist ist ein immer wieder gerne gesehener Gast in Corvey. Als künstlerischer Leiter von „Vox Organi“ hat er das Welterbe am Weserstrand schon oft in dieses hochkarätige Orgelfestival eingebunden.
Abschluss der Bach-Wanderung
Am 9. August bildet die Sonntagsvesper in Corvey um 17 Uhr den Abschluss der Bach-Wanderung. An der Orgel ist Allessandro Bianchi (Como) zu erleben. Der bekannte italienische Organist leitete Meisterkassen in verschiedenen Ländern. Allessandro Bianchi hat bei Orgelkonzerttourneen mehr als 2500 Konzerte gegeben und spielte bei vielen internationalen Orgelfestivals sowie bei Konzerten in fast allen europäischen Ländern sowie in den USA, in Südamerika, Asien, Australien und in Südafrika.
Am Sonntag, 13. September, steht die Orgelvesper um 17 Uhr im Zeichen des Tags des offenen Denkmals. Das Thema heißt „NETZwerke: Denkmale & Infrastruktur“. Professor Dr. Friedhelm Flamme bringt die Orgel zum Klingen.
Chöre, Kammerorchester und Solisten
Beschlossen wird die kirchenmusikalische Reihe traditionell am Samstag, 3. Oktober, 17 Uhr, mit der feierlichen Vesper zum Tag der Deutschen Einheit. Vereinigte Chöre der Region OWL, ein Kammerorchester und Solisten übernehmen die musikalische Gestaltung. Auf dem Programm stehen der 42. Psalm von Mendelssohn sowie weitere Chorwerke. Die Leitung hat Gregor Schwarz (Detmold).
Der Eintritt zu den sieben Vespern ist frei. Am Ausgang wird jeweils eine Kollekte gehalten.
Blue Church: Auf den Spuren des Abendgebets
Nicht fehlen im Programm des Netzwerks Klosterlandschaft wird das Projekt „Blue Church“. Die abendliche Stunde im Johanneschor des karolingischen Westwerks hat einen großen Anhängerkreis. Die Menschen sind eingeladen, das traditionsreiche benediktinische Abendgebet – die Komplet – neu zu entdecken. Gepaart mit Klangreisen in die Gegenwart lassen die gesprochenen und gesungenen Psalmen die monastische Spiritualität des Klosters Corvey in einer Weise aufleuchten, die Kontinuität und Zeitgeist in Einklang bringt. Der Johanneschor – Herzkammer des Welterbes – ist im Blau der Nacht illuminiert und schafft Raum für all die Mühsal des Tages, die das Abendgebet einlädt, vor dem Schlafengehen in Gottes Hand zu legen.

Blue Church im Johanneschor: Das Format hat in Corvey viele Freunde gewonnen und lädt zur besonderen Komplet-Erfahrung ein.

Hans Hermann Jansen ist Ideengeber des Blue-Church-Formats und bereitet für den Herbst 2025 auch wieder drei Abende im Johanneschor vor.
An drei Freitagen im Herbst besteht Gelegenheit zu dieser besonderen Komplet-Erfahrung. Am Freitag, 25. September, 21 Uhr, steht die Blue Church unter dem Leitwort „Von den Engeln“. Charlotte Kulow (Sopran) und die Gregorianik-Schola Marienmünster und Corvey gestalten das Abendgebet mit.
Von der neuen Zeit
„Von den Heiligen“ ist die Einladung zur Komplet am Freitag, 30. Oktober, 20 Uhr, mit Benny Düring am Jazz-Piano überschrieben. Für die letzte Blue Church am Freitag, 27. November, hat Ideengeber Hans Hermann Jansen Teilnehmende des 35. Gregorianik-Kurses der Kulturstiftung Marienmünster gewinnen können. Das Leitwort heißt „Von der neuen Zeit“. Beginn: 20 Uhr. Der Eintritt für alle drei Abende ist frei. Eine Kollekte wird gehalten.
Die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus lädt ebenso wie das Netzwerk Klosterlandschaft OWL, die Gesellschaft der Musikfreunde Marienmünster und der Förderverein Kirchenmusik im Pastoralen Raum Corvey herzlich zu den Sonntagsvespern und den Blue-Church-Abenden ein. Die kirchenmusikalischen Angebote sind, so Hans Hermann Jansen, Ausdruck einer lebendigen Gemeinschaft, „die seit Jahren deutlich wird durch die Netzwerke Klosterregion, Klosterlandschaft und die Orgelroute OWL sowie durch die vielen Künstler, die in den Klosterorten dabei sind“, betont Hans Hermann Jansen.
Musik leistet Beitrag zur Verkündigung
Auf dem Weg zu neuen pastoralen Räumen der Verkündung könne Musik einen wichtigen Beitrag leisten. Bei der Aufgabe der Verkündigung durch Wort und Musik sollten „Glaubenszeugen als Boten auftreten, damit Kirche von den Menschen aus vielfältig aussagekräftig bleibt“, formuliert der Musiker ein wichtiges Anliegen und nimmt Bezug auf ein Wort aus der Apostelgeschichte: „Ihr werdet meine Zeugen sein“.
Diese zentrale Aufgabe erfüllen die musikalischen Vespern und die Blue-Church-Abende an einem traditionsreichen Ort der Verkündigung – dem Kloster Corvey – impulskräftig mit Leben.

Die Gregorianik-Schola Marienmünster und Corvey wird die erste Blue Church am Freitag, 25. September, mitgestalten.
