Die Reihe der Sonntagsvespern in Corvey bringt auch in der Saison 2026 wieder die Klangfülle der kostbaren Barockorgel zum Leuchten. Die kirchenmusikalischen Akzentsetzungen machen die ehemalige Benediktinerabtei in ihrer Ausstrahlung als Glaubensort und auch in ihrer besonderen klösterlichen Spiritualität erlebbar.

Die kostbare Andreas-Schneider-Orgel und ihr prachtvoller Prospekt. Fotos: Kirchengemeinde Corvey/Sabine Robrecht
Mit der Orgel des Höxteraner Orgelbaumeisters Andreas Schneider aus dem Jahr 1681 beherbergt die ehemalige Abteikirche der heutigen Welterbestätte Corvey einen großen Schatz. 2021, also unmittelbar vor dem Jubiläumsjahr zum 1200-jährigen Bestehen Corveys, war die Königin der Instrumente nach umfassender Restaurierung und Rekonstruktion an ihren exponierten Platz auf der von Engel-Atlanten getragenen Empore zurückgekehrt. Annähernd fünf Jahre lang hatte das Barockinstrument mit seinen 32 Registern und etwa 2000 Pfeifen geschwiegen.
Auftakt am Pfingstsonntag
Die kostbare Springladenorgel gehört zu den nur sieben in dieser anspruchsvollen Technik errichteten Orgeln, die noch im Einsatz sind. Dass dieses Juwel so umfassend aufgearbeitet werden konnte, ist auch ein Verdienst des Fördervereins „Chorus“ zur Rettung der Orgel. Er hat 350.000 Euro Spendengelder gesammelt und darüber hinaus einen 300.000-Euro-Zuschuss der NRW-Stiftung akquiriert. Diesem großartigen Engagement ist es mitzuverdanken, dass das Juwel in der mitteltönigen Stimmung in Anlehnung an die Erbauungszeit erklingt.

Die Prospektpfeifen der Andreas-Schneider-Orgel sind als Engelszungen gestaltet.
Das tut es auch bei den beliebten Sonntagsvespern während der Saison. Hans-Hermann Jansen, Projektleiter des Netzwerks Klosterlandschaft OWL und Ideengeber der Reihe, hat wie in jedem Jahr wieder hochkarätige Musikerinnen und Musiker gewinnen können.
Auftakt ist am Pfingstsonntag, 24. Mai, um 17 Uhr. Die festliche Stunde in der ehemaligen Abteikirche steht unter dem Leitwort „Ad Festum – Orgelvesper zu Pfingsten“. Der beliebte Höxteraner Gospelchor »Living Voices« unter der Leitung von Volker Schrewe gestaltet die Vesper mit.
Die Orgel wird gespielt von Jan Willem Jansen. Der renommierte niederländische Musiker ist Titularorganist an zwei bedeutenden Instrumenten der Stadt Toulouse, unterrichtet am dortigen Konservatorium, ist künstlerischer Leiter des Festivals „Toulouse les Orgues“ und wirkt in bekannten Ensembles für Barockmusik mit.
Einstimmung auf das Vitusfest
Weiter geht es am 14. Juni, 17 Uhr, mit der zweiten Sonntagsvesper der Saison. Die Gregorianik-Schola Marienmünster-Corvey und Hans Hermann Jansen (Leitung/Orgel) nehmen das bevorstehende Vitusfest zu Ehren des Schutzpatrons des Corveyer Landes in den Blick. Es wird eine Woche später, am 21. Juni, mit Pontifikalamt, Prozession und Pfarrfest gefeiert. Die Kirchengemeinde St. Stepahnus und Vitus freut sich, als Ehrengast und Festprediger Paderborns Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in Corvey begrüßen zu dürfen.
Die nächste Sonntagsvesper lässt nicht lange auf sich warten. Termin ist am 12. Juli, wie immer um 17 Uhr. Das Vokalensemble »ChoriFeen« unter der Leitung von Miriam Braun übernimmt die Gestaltung und hat beinahe ein Heimspiel. Der Chor wurde 2010 als Projekt-Vokalensemble mit Sängerinnen im benachbarten niedersächsischen Fürstenberg gegründet. Seit 2016 haben die Sängerinnen eine feste Probenheimat in Bielefeld und treffen sich dort aus allen Himmelsrichtungen.
Die Orgel wird gespielt von Professor Dr. Friedhelm Flamme. Der international gefragte Konzertorganist ist ein immer wieder gerne gesehener Gast in Corvey. Als künstlerischer Leiter von „Vox Organi“ hat er das Welterbe am Weserstrand schon oft in dieses hochkarätige Orgelfestival eingebunden.
Abschluss der Bach-Wanderung
Am 9. August bildet die Sonntagsvesper in Corvey um 17 Uhr den Abschluss der Bach-Wanderung. An der Orgel ist Allessandro Bianchi (Como) zu erleben. Der bekannte italienische Organist leitete Meisterkassen in verschiedenen Ländern. Allessandro Bianchi hat bei Orgelkonzerttourneen mehr als 2500 Konzerte gegeben und spielte bei vielen internationalen Orgelfestivals sowie bei Konzerten in fast allen europäischen Ländern sowie in den USA, in Südamerika, Asien, Australien und in Südafrika.
Am Sonntag, 13. September, steht die Orgelvesper um 17 Uhr im Zeichen des Tags des offenen Denkmals. Das Thema heißt „NETZwerke: Denkmale & Infrastruktur“. Professor Dr. Friedhelm Flamme bringt die Orgel zum Klingen.
Chöre, Kammerorchester und Solisten
Beschlossen wird die kirchenmusikalische Reihe traditionell am Samstag, 3. Oktober, 17 Uhr, mit der feierlichen Vesper zum Tag der Deutschen Einheit. Vereinigte Chöre der Region OWL, ein Kammerorchester und Solisten übernehmen die musikalische Gestaltung. Auf dem Programm stehen der 42. Psalm von Mendelssohn sowie weitere Chorwerke. Die Leitung hat Gregor Schwarz (Detmold).
Der Eintritt zu den sechs Vespern ist frei. Am Ausgang wird jeweils eine Kollekte gehalten.
Blue Church: Auf den Spuren des Abendgebets
Nicht fehlen im Programm des Netzwerks Klosterlandschaft wird das Projekt „Blue Church“. Die abendliche Stunde im Johannischor hat einen großen Anhängerkreis. Die Menschen sind eingeladen, das traditionsreiche benediktinische Abendgebet – die Komplet – neu zu entdecken. Gepaart mit Klangreisen in die Gegenwart lassen die gesprochenen und gesungenen Psalmen die monastische Spiritualität des Klosters Corvey in einer Weise aufleuchten, die Kontinuität und Zeitgeist in Einklang bringt. Der Johannischor – Herzkammer des Welterbes – ist im Blau der Nacht illuminiert und schafft Raum für all die Mühsal des Tages, die das Abendgebet einlädt, in Gottes Hand zu legen.

Blue Church im Johannischor: Das Format hat in Corvey viele Freunde gewonnen und lädt zur besonderen Komplet-Erfahrung ein.

Hans Hermann Jansen ist Ideengeber des Blue-Church-Formats und bereitet für den Herbst 2025 auch wieder drei Abende im Johannischor vor.
An drei Freitagen im Herbst besteht Gelegenheit zu dieser besonderen Komplet-Erfahrung. Am Freitag, 25. September, 21 Uhr, steht die Blue Church unter dem Leitwort „Von den Engeln“. Charlotte Kulow (Sopran) und die Gregorianik-Schola Marienmünster und Corvey gestalten das Abendgebet mit.
Von der neuen Zeit
„Von den Heiligen“ ist die Einladung zur Komplet am Freitag, 30. Oktober, 20 Uhr, mit Benny Düring am Jazz-Piano überschrieben. Für die letzte Blue Church am Freitag, 27. November, hat Ideengeber Hans Hermann Jansen Teilnehmende des 35. Gregorianik-Kurses der Kulturstiftung Marienmünster gewinnen können. Das Leitwort heißt „Von der neuen Zeit“. Beginn: 20 Uhr. Der Eintritt für alle drei Abende ist frei. Eine Kollekte wird gehalten.
Die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus lädt ebenso wie das Netzwerk Klosterlandschaft OWL und der Förderverein Kirchenmusik im Pastoralen Raum Corvey herzlich zu den Sonntagsvespern und den Blue-Church-Abenden ein.

Die Gregorianik-Schola Marienmünster und Corvey wird die erste Blue Church am Freitag, 25. September, mitgestalten.