Der Johanneschor ist das liturgische Zentrum des 885 geweihten Westwerks der ehemaligen Benediktinerabtei Corvey. Mit seinen kunst- und kirchengeschichtlichen Alleinstellungsmerkmalen bildet der zweigeschossige, an drei Seiten mit Emporen umgebene Sakralraum die Herzkammer des UNESCO-Welterbes am Weserbogen bei Höxter.

Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek bei einer der zurückliegenden Messfeiern im Johanneschor. Fotos; Kirchengemeinde Corvey/Sabine Robrecht
Ganz im Sinne seiner Erbauer bringen Christen an dieser weihevollen Stätte bis heute ein impulsreiches Glaubensleben zur Entfaltung. Dazu gehört die zur Tradition gewordene Eucharistiefeier anlässlich des Gedenktages Johanni Enthauptung. Auch in diesem Jahr – am Freitag, 28. August, – öffnet die katholische Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey die Tür des Johanneschores für diesen besonderen Gottesdienst. Eingeladen sind insbesondere die Mitglieder der Gemeinderäte und Kirchenvorstände. Beginn ist um 18.30 Uhr.
Die Gäste begeben sich bei der heiligen Messe auf die Spuren von Johannes dem Täufer. Verehrt als letzter Prophet vor dem Erscheinen des Messias, hat der bedeutende Wegbereiter Jesu dem erhabenen Sakralraum im Obergeschoss des Westwerks seinen Namen gegeben. Die katholische Kirche gedenkt des besonderen Glaubenszeugen zu zwei Anlässen: Am 24. Juni feiert sie seinen Geburtstag (Johanni). Der 29. August hat in Erinnerung an seinen gewaltsamen Märtyrertod einen Platz im liturgischen Kalender. Dass seine Geburt – wie bei der Gottesmutter Maria und natürlich bei Christus selbst – im Rang eines Hochfestes gefeiert wird, macht Johannes den Täufer zu einer Ausnahme. Denn eigentlich gedenkt die Kirche ihrer Heiligen nur an deren Todestagen.
Führung im Anschluss an den Gottesdienst
Diesen Gedenktag Ende August hat Dechant Josef Schürmeyer († 2005) vor einiger Zeit zum Anlass genommen, im Johanneschor jedes Jahr zu Ehren des Namensgebers dieser frühmittelalterlichen Emporenkirche eine heilige Messe zu feiern. In diesem Jahr schließt sich an den Gottesdienst ein besonderes zusätzliches Angebot an: Annika Pröbe, Standortleitung für das karolingische Westwerk und die ehemalige Abteikirche, bietet eine kostenlose abendliche Führung an.
Diese stellt die berühmte Inschriftentafel aus der Gründungszeit des Klosters in den Mittelpunkt und wird für die Gäste mit keinem Ortswechsel verbunden sein. Denn die kultur- und religionsgeschichtlich bedeutsame Sandsteintafel hat im Johanneschor zu Beginn der Saison einen neuen, exponierten Platz im mittleren östlichen Arkadenbogen gleich hinter dem Altar bekommen. Von dort aus schaut dieses einzigartige, steinerne Kultur- und Glaubenszeugnis in Richtung Westen – genau wie die Replik, die draußen an der Doppelturmfassade des Westwerks angebracht ist.

Sommerabend-Führung im Johanneschor: Zusammen mit Dr. Holger Kempkens, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, hat Standortleiterin Annika Pröbe einen großen Gästekreis mit der Inschriftentafel und ihrer Bedeutung vertraut gemacht. Das neue Format erschließt den Menschen die ehemalige Klosterkirche als Begegnungsraum.
Neues Format erfolgreich an den Start gebracht
Im Johanneschor wird Annika Pröbe die Original-Inschriftentafel in ihrer spirituellen und historischen Bedeutung zum Leuchten bringen – so wie sie es Mitte Juli vor mehr als 40 Gästen getan hat: Die Standortleiterin hat in diesem Sommer ein neues Format, abendliche Führungen im „Begegnungsraum Kirche“ ins Leben gerufen. Nach der Premiere auf den Spuren des Schutzpatrons St. Vitus war der zweite Abend der Inschriftentafel gewidmet.
Nach den erfolgreichen ersten Auflagen im Juni und Juli wird die Standortleiterin das neue Angebot auch in der Saison 2027 wieder ausrollen. Thematisch hat sie schon vielversprechende Ideen.
Einen Eindruck von der Inspirationskraft dieser sommerabendlichen Spurensuchen können die Gäste der Eucharistiefeier am 28. August gewinnen. Annika Pröbe freut sich auf den Dialog mit ihnen.