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Wenn Glaubenswege junger Menschen vom ehrwürdigen Corvey ausgehen, strahlen die gottgeweihten historischen Mauern nicht nur Beständigkeit, sondern auch Orientierung in Richtung Zukunft aus. Weil die Mission der Mönche – die Verkündigung des Evangeliums – auch mehr als 1200 Jahre nach Gründung des Klosters noch längst nicht verebbt ist, sondern in leuchtenden Farben gedeihlich blüht. Dieses hoffnungsvolle Signal ist von einem großen Tag im Mai 2026 ausgegangen: Weihbischof Josef Holtkotte aus Paderborn hat 78 jungen Menschen in zwei bewegenden Eucharistiefeiern das Sakrament der Firmung gespendet.

Weihbischof Josef Holtkotte hat sich bei der Firmung im Welterbe bewusst Zeit für jeden einzelnen genommen.

Zum zweiten Mal bildete die ehemalige Benediktinerabtei und heutige Welterbestätte an der Weser bei Höxter den Rahmen für die Firmung im Pastoralverbund Corvey. Weihbischof Holtkotte rückte die Namensschilder der jungen Menschen in den Blick, um zu verdeutlichen, dass jeder und jede einzelne an diesem bedeutenden Anlass im Mittelpunkt steht: „Was hier heute geschieht, ist keine Massenveranstaltung in einem anonymen Universum, sondern es geht um dich. Um dein Leben. Um deine Herausforderungen.“

Für dieses Leben lud der hohe Würdenträger die Jugendlichen in einer beherzten Festpredigt zum Glauben ein. „Ich möchte euch den Glauben anbieten, von dem ich überzeugt bin, dass er einem Menschen guttut.“

Bleibt offen für Gott: Weihbischof Holtkotte lud die Jugendlichen in einer beherten Predigt zum Glauben ein.

Diese Grundauffassung untermauerte er mit einem persönlichen Bekenntnis: Er sei nicht Priester geworden, um sich in einer Kirche zu engagieren, die möglichst eng ist. Die ihm die Luft zum Atmen nimmt. In der er sich nicht entfalten kann. „Glaube heißt für mich immer, dass es um eine Weite geht – um einen Mehrwert in meinem Leben.“ Er wolle einen Glauben verkünden, der „weit und hell“ macht. Der ein Bekenntnis zu dem sei, „der größer ist als alle Mächte dieser Welt“. Der jedem Menschen sein Antlitz zuwende.

„Jesus Christus ist lebendig und real“

Aus diesem Gottesbild leite sich die so wichtige Würde eines jeden Menschen ab. In diesem Sinne sei der Glaube ein Bekenntnis zum Menschen, dem Gott im Übrigen überhaupt nicht fern sei. Er lebe nicht auf einer irgendeiner Wolke, sondern an unserer Seite. „Jesus Christus ist lebendig und real. Er ist Dynamik in meinem Leben. Das ist meine Vorstellung von Glauben.“

Dieser Glaube sei immer ein Hoffnungsträger. Für ihn offenzubleiben, legte der Weihbischof den Jugendlichen ans Herz. „Lasst euch den Glauben nicht egal sein. Setzt euch auseinander, auch mit Dingen, die ihr nicht versteht, oder die euch ärgern in der Kirche. Sprecht darüber. Bleibt Jugendliche, die interessiert sind, sich auf den Weg machen, nach Glauben fragen und offen sind für Gott.“

Erinnerungsfoto nach der ersten der beiden Firmfeiern.

Natürlich sei jeder Tag anders. Mal sei man mehr, mal eher weniger überzeugt. Trotzdem lohne es sich, auf dem Weg zu bleiben und daran festzuhalten, „dass Jesus auch in schwierigen Situationen an meiner Seite ist – dass er mich trägt, mir hilft und mir Mut macht“.

An die ganze Gemeinde gerichtet, griff der hohe Gast aus Paderborn eine Grundüberzeugung von Frère Roger, Begründer der ökumenischen Taizé-Gemeinschaft, auf: „Wenn wir alle wenigstens das leben würden, was wir vom Glauben verstanden haben, sähe es in unserer Welt anders aus. Weil Glaube immer Menschen verbindet. Weil Glaube immer Frieden will. Weil Gott die Liebe ist.“ Darum gehe es bei den Gaben des Heiligen Geistes.

Glauben vor der Gemeinde bekannt

Dass diese Gaben den Jugendlichen Wegweiser sein mögen – mit dieser Hoffnung ist die Firmung verbunden. Bevor sie dieses Sakrament empfangen, bekennen die jungen Menschen vor Gott und der versammelten Gemeinde explizit ihren Glauben. Weihbischof Holtkotte brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, „dass Ihr diesen Glauben bei der Vorbereitung neu oder vertieft, breiter und reicher erfahren habt“.

Erinnerungsfoto nach der zweiten der beiden Firmfeiern.

In die Vorbereitung gab Gemeindereferent Carsten Sperling im Gottesdienst Einblicke. Seit Januar 2026 hatten die Jugendlichen in Höxter, Lüchtringen, Stahle, Bödexen und Fürstenau Glaubenskurse besucht. „Acht Kurse, rund 80 Treffen, getragen von einem engagierten Team.“ In diesen Kursen sei es nicht um fertige Antworten gegangen, sondern um die Fragen der Jugendlichen selbst: „Woran glaube ich?“ – „Was gibt mir Orientierung?“ – „Und hat Gott etwas mit meinem Leben zu tun?“ „Viele haben in diesen Wochen zum ersten Mal offen über ihren Glauben gesprochen – auf Augenhöhe und ohne Ausweichen“, sagte Carsten Sperling.

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung seien die Lightroom-Gottesdienste in Corvey im Dezember 2025 und im März 2026 gewesen. Beim letzten der beiden Lightroom-Abenden habe Gesprächspartner Jürgen Holletzek, langjähriger Jugendtrainer von Hannover 96 und dem VfL Bochum, überraschend den Bundesligaprofi Aaron Zehnter (VfL Wolfsburg) mitgebracht. Carsten Sperling: „Er war am selben Tag noch im Training und ist anschließend nach Corvey gekommen, weil er selbst dabei sein wollte. Im Gespräch hat er offen über seinen Weg und auch über seinen Glauben gesprochen. Für viele der Jugendlichen war das ein starkes Zeichen: dass Glaube und Leben zusammengehören – auch dort, wo Leistung, Druck und Erwartungen eine große Rolle spielen.“

Die prachtvolle Kulisse der barocken Abteikirche bildete zum zweiten Mal den Rahmen der Firmung im Pastoralverbund Corvey.

Besonderes Triduum eröffnet neue Zugänge

Zur Firmvorbereitung habe auch das besondere Ostertriduum in Corvey gehört. Viele Jugendliche hätten Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht bewusst mitgefeiert und dabei das österliche Geschehen in einer eindrücklichen Form erlebt: „mit Licht, Musik, Symbolen und einer Sprache, die einen neuen Zugang eröffnet hat“.

Die vielen Angebote bewegten sich allesamt direkt an der Lebenswirklichkeit der jungen Menschen. Die Predigt des Weihbischofs rundete diese Nähe ab. Zu Botschaftern Corveys sind die Neugefirmten auf ihrem Weg ebenfalls geworden. Dazu trugen die Angebote im Welterbe und auch die Kirchenführung im Rahmen der Vorbereitung bei.

So hat das Welterbe am Weserstrand auch im zweiten Firm-Jahrgang Menschen gewonnen, die zu diesem Leuchtturm der Christenheit eine Beziehung geknüpft haben und aus dieser Verbundenheit heraus dazu beitragen, dass er ein lebendiger Ort des Glaubens bleibt.