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Rot und Blau: Schon allein die Licht-Farben des Kirchenraums im Welterbe Corvey strahlen aus, worum es im Lightroom-Gottesdienst an diesem Abend im Juni geht. Um Gottes Liebe und Zuwendung, die bedingungslos sind und jedem Menschen gelten. Und um das „Wasser des Lebens“ – eine Quelle der Hoffnung und des guten Gefühls, nicht allein zu sein. Aus dieser Quelle können die Lightroom-Gäste sich ein Fläschchen abfüllen, mit nach Hause nehmen und somit immer wieder neu Zuversicht schöpfen.

Die Abteikirche Corvey ist wieder in ein besonderes Licht getaucht. Fotos: Kirchengemeinde Corvey/Sabine Robrecht

Symbolkräftige Gesten wie diese gehören zum Markenkern des Lightroom-Formats im Welterbe Corvey. Die Gottesdienste sind ein sprudelnder Quell berührender Glaubensbotschaften, oft gespeist aus konkreten Lebenserfahrungen von Menschen. An diesem Abend sind es zwei Jugendliche, die mutig Zeugnis ablegen und die Gemeinde im Interview mit Gemeindereferent Carsten Sperling an ihren Eindrücken aus den Glaubenskursen in Vorbereitung auf die Firmung teilhaben lassen. Diese Kurse haben die beiden Gesprächspartner, Phil Giefers aus Bruchhausen (16) und Savenna Schwarz aus Boffzen (14), besucht und im Anschluss von Weihbischof Josef Holtkotte im Welterbe Corvey die Firmung empfangen.

Mutige junge Glaubenszeugen: Phil und Savenna erzählen den Menschen im Interview mit Carsten Sperling von ihrem Weg.

Dieses so wichtige Sakrament geht mit einem expliziten Bekenntnis zum Glauben einher. Beim Lightroom-Gottesdienst bekräftigen die beiden Frischgefirmten nun wenige Wochen später an gleicher Stelle – vor dem Altar der ehemaligen Abteikirche – ihr klares „Ja“ zum Glauben. Das Fundament sind keine fertigen Antworten, sondern gute Erfahrungen. Phil gibt im Interview zunächst freimütig zu, dass er sich erst gar nicht zur Firmung anmelden wollte. Weil der Glaube etwas Persönliches sei. Ein Freund überredete ihn dann aber. „Kann ja nicht schaden“, dachte Phil. Und meldete sich doch an.

Fragen, über die man sonst nicht spricht

Positiv überrascht war der 16-Jährige dann von der lockeren Atmosphäre im Glaubenskurs, vom offenen Austausch mit Jugendlichen, die man aus dem Schulalltag nicht kannte, und von den Fragen, über die man sonst nicht spricht. „Hier gab es Raum dafür.“ Für Themen, verschiedene Meinungen und für ein gemeinsames Nachdenken.

Savenna (14) ist über das österliche Triduum 2025 in Corvey in ihrem Wunsch bestärkt worden, katholisch zu werden. Der herzliche Empfang zur Osternacht hat sie seinerzeit nachhaltig beeindruckt. Die Menschen am Osterfeuer und in den Kirchenbänken begegneten ihr zugewandt und warmherzig. „Ich hatte das Gefühl: Hier bin ich willkommen. Das hat meinen Wunsch, katholisch zu werden, verstärkt.“ Ihr Weg führte die 14-Jährige dann in einen der Glaubenskurse und im Mai dieses Jahres schließlich zur Firmung.

Was Savenna und Phil im Interview schildern, verwirklicht das Leitwort des Abends – und mit ihm das, worauf es elementar ankommt: „Wo bist du wirklich gemeint? Glaube. Beziehung. Echtheit.“  „Vielleicht beginnt Glaube manchmal genau dort“, sagt Carsten Sperling. „Nicht mit einer Antwort. Sondern mit einer Begegnung. Nicht mit Gewissheit. Sondern mit der Erfahrung: Ich bin gemeint.“

Gott kennt unser aller Vergangenheit

Diese Erfahrung – das Gefühl, nicht funktionieren zu müssen, sondern vollkommen vorurteilsfrei so gesehen zu werden, wie man ist, – kann der Beginn einer gedeihlichen Beziehung zu Gott und Jesus sein. Beispielgebend ist das Johannesevangelium von der Frau am Jakobsbrunnen. Beim alltäglichen Wasserholen trifft sie Jesus und stellt voller Erstaunen fest, dass er sie kennt. Und dass er sie trotz ihrer Vergangenheit so, wie sie ist, annimmt und bedingungslos liebt. Diese Erkenntnis setzt in ihr eine immense Energie und Hoffnung frei.

Beim Lightroom-Gottesdienst erzählen Carsten Sperling und Pastor Thomas Nal gemeinsam diese biblische Geschichte. Der Geistliche lässt die Botschaft in die symbolische Geste der Segnung des Weihwassers münden. Die Menschen können es mitnehmen – verbunden mit dem Wunsch, dass das „Wasser des Lebens“ aus Corvey sie immer wieder erinnern möge: daran, dass sie nicht allein unterwegs sind. Dass sie willkommen sind. Dass Gott ihre Geschichte kennt. Und dass er sie verlässlich auf ihrem Weg begleitet.

„Die Frau am Brunnen hat etwas mitgenommen“, sagt Carsten Sperling. „Keine Antwort auf alle Fragen. Aber die Erfahrung, dass sie gesehen wurde. Dass sie gemeint war. Vielleicht nehmt ihr heute Abend etwas Ähnliches mit“, spricht er einen Wunsch aus.

Eine Hauptrolle beim Lightroom-Gottesdienst spielt die Musik, wie immer berührend intoniert von Yvonne Sperling (Gesang), Kira Westermann (Violine) und Ralf Westermann (Piano).

Musik wie immer bewegend intoniert

Die Musik des Abends – wie immer tief bewegend intoniert von Yvonne Sperling (Gesang), Kira Westermann (Violine) und Ralf Westermann (Piano) – bringt die Wünsche und Hoffnungen der Menschen in Schwingung, so wie es auch die Kerzen tun, choreographiert von Maria Multhaup. Ihr dankt Carsten Sperling ebenso wie den Musikern und Annika Weber für das Gestalten der Weihwasser-Fläschchen, die Hoffnung und Gottes Liebe symbolisieren, aber auch an das Welterbe Corvey als beständigen Kraftort des Glaubens erinnern.

Mit diesem Ort haben die Firmvorbereitung, die Lightroom-Gottesdienste und die Firmfeier selbst Phil und Savenna in Beziehung gebracht. Corvey ist für sie ein Ort großer Geschichte. Zugleich verknüpfen sie das Welterbe aber auch mit ihrem eigenen Glaubensweg. Corvey ist zum Teil ihres Lebens geworden – also im besten Sinne Heimat.

Von diesem Heimathafen und Ort der Verkündigung sendet Savenna beherzt Tipps nach draußen: „Seid mutig. Stellt eure eigenen Fragen. Geht euren eigenen Weg. Und entdeckt euren Glauben.“

Dazu ermutigt das programmatische Leitmotiv des Pastoralverbunds und auch der Lightroom-Gottesdienste: „Entdecke Gott und dich selbst.“ Die Türen des Welterbes am Weserstrand stehen dafür immer offen.