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Seit genau 1190 Jahren verehren die Menschen im Corveyer Land den heiligen Vitus. Zur Einstimmung auf das bevorstehende Fest zu seinem Gedenktag geht die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey mit einem neuen Format – einer abendlichen Führung – an den Start. Die Premiere führt am Dienstag, 16. Juni, 18.30 Uhr, auf die Spuren des Schutzpatrons.

Vor dem Westwerk nimmt St. Vitus – hier im Licht der Abendsonne – die Gäste in Empfang und bittet sie in die Kirche. Fotos: Kirchengemeinde Corvey/Sabine Robrecht

„Räume, Zeichen, Symbole – Begegnungsraum Kirche“: Unter diesem Leitwort nimmt Annika Pröbe, Standortleiterin für das karolingische Westwerk und die barocke Abteikirche, die Menschen an zwei Abenden in diesem Sommer mit in die Herzkammer der ehemaligen Reichsabtei und heutigen Welterbestätte am Weserbogen bei Höxter. Das Vitusfest am Sonntag, 21. Juni, bietet sich als Aufhänger für die erste der beiden Führungen an.

„Wir begeben uns im Kirchenraum auf die Spuren des heiligen Vitus“, kündigt die Standortleiterin an. In der ehemaligen Abteikirche beispielsweise hat der jugendliche Märtyrer an markanten Stellen inmitten der barocken Prachtausstattung einen ehrenvollen Platz. Das große Vitus-Monument an der Nordwand und die imposante, noch größere Statue neben dem Hochaltargemälde setzen dem Heiligen figürlich ein Denkmal. Im Chorraum setzt sich die Verehrung in Gestalt eines Gemäldes fort. Und an der Südwand ist in einer Mauernische der Schrein aufbewahrt, der bei der Prozession zum Festtag die in Corvey behüteten Reliquien des Schutzpatrons beherbergt und auf den sich Jahr für Jahr die Blicke hunderter Gäste richten.

Großer Triumphzug ist überliefert

Bei der ersten aller Vitusprozessionen – im Jahr 836 – war der Weg der Reliquien länger und der Triumph größer. In einem feierlichen Zug wurden die sterblichen Überreste des Heiligen vom Kloster St. Denis bei Paris in die gerade neu gegründete Abtei an der Weser überführt. Diese Translatio ist in einem Augenzeugenbericht festgehalten und begründete Corveys Ruhm als Wallfahrts- und Pilgerstätte.

An diese Wurzeln führt am 16. Juni der Rundgang der abendlichen Führung. Annika Pröbe nimmt die Gäste auch mit hinauf in den Johanneschor des karolingischen Westwerks. Man darf gespannt sein, welche Bezüge sie dort oben zu Vitus herstellen wird.

Der Rundgang verspricht anregend und lehrreich zu werden. Und richtet den Blick auch an andere Orte, wo Corveys Schutzpatron verehrt und in Kirchenräumen figürlich ins Bild gesetzt wird. Der Vergleich mit den Darstellungen in Corvey regt sicher zum Gedankenaustausch an. Das beginnt bereits draußen – vor dem Westwerk -, wo Vitus und der ebenfalls als Schutzpatron verehrte Stephanus die Gäste als barocke Steinskulpturen in Empfang nehmen und in die Kirche hineinbitten.

Domorganist Dominik Balduin gestaltet die abendliche Führung an der bedeutenden Andreas-Schneider-Orgel mit.

Domorganist Dominik Balduin gestaltet Führung mit

Wissenschaftliche Quellen, Literatur und Bibeltexte runden den Abend ebenso ab wie die musikalische Gestaltung. Domorganist Dominik Balduin lässt die bedeutende Andreas-Schneider-Orgel erklingen. Der Eintritt ist frei. Am Ausgang wird eine Kollekte gehalten.

Vormerken können sich die Corvey-Freunde schon die zweite Führung im Begegnungsraum Kirche am Dienstag, 16. Juli, ebenfalls 18.30 Uhr: „Wir werden die Inschriftentafel aus der Gründungszeit des Klosters in den Blick nehmen.“ Sie hat nach ihrem Gastspiel bei der großen Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike“ im Diözesanmuseum Paderborn einen würdevollen Platz im Johanneschor gefunden und wird an dem Abend Mitte Juli vielleicht von der durch das Fenster hereinscheinende Abendsonne angestrahlt.