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Kirche und Fußball: Lightroom-Gottesdienst mit Trainer Jürgen Holletzek

„Läuft bei dir? Gewinnen. Scheitern. Weitermachen.“ Unter diesem Leitgedanken weht der frische Wind des Sports am Sonntag, 22. März, durch die historischen Mauern des Welterbes Corvey: Der nächste Lightroom-Gottesdienst richtet den Scheinwerfer auf die spannende Frage, was Kirche und Fußball gemeinsam haben.

Trainer Jürgen Holletzek hat immer Fußbälle im Kofferraum. So hatte er auch für das gemeinsame Ankündigungsfoto mit Carsten Sperling ein rundes Leder zur Hand. Beide freuen sich auf den Lightroom-Gottesdienst in Corvey. Foto: Sabine Robrecht

An geweihter Stätte Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen Religion und rundem Leder auszuloten – dieser Denkanstoß lädt zum Diskurs ein. Anpfiff ist um 18.30 Uhr in der ehemaligen Abteikirche. Die barocke Pracht ist wie immer in ein stimmungsvolles Licht gehüllt.

Der Ideengeber des Gottesdienst-Formats, Gemeindereferent Carsten Sperling, hat für den Abend einen besonderen Gesprächspartner gewinnen können: Jürgen Holletzek, Fußballtrainer und ehemaliger Leiter der Fußballschulen von Hannover 96 und VfL Bochum 1848. Mit seinem Unternehmen „Hollyvent Sportmarketing“ organisiert er Fußballcamps und andere Veranstaltungen. Das Trainerteam besteht aus ehemaligen Profis und qualifizierten Jugendtrainern. „Wir sind stolzer offizieller Talente-Partner des SC Paderborn 07 und unterstützen durch die geschulten Blicke unserer Trainer die Sichtung von jungen Fußballtalenten in Ostwestfalen und darüber hinaus“, berichtet Jürgen Holletzek auf der Homepage seines Unternehmens mit Sitz in Boffzen.

Korrigieren statt kritisieren

Souverän auf der Bühne des Spitzenfußballs, beherzt an der Basis – beim Nachwuchs heimischer Vereine: Der sympathische Fußballtrainer ist sich in den Jahrzehnten seiner Karriere immer treu geblieben. Sein Interesse am Menschen – am jungen Talent, am Spitzensportler und auch am Gesprächspartner, der keine Ahnung vom Fußball hat – kommt von innen. Das macht ihn glaubwürdig. Und in seiner Leutseligkeit überzeugend.

Daher verspricht das Interview mit Jürgen Holletzek anregend zu werden. Wenn er beispielsweise seine Philosophie „Korrigieren statt kritisieren“ erläutert, können die Zuhörenden sich vorstellen, dass Kinder und Jugendliche an Niederlagen wachsen. Weil sie lernen, was sie besser machen können. Und Selbstvertrauen nicht im Keim erstickt wird, sondern mit Selbstreflexion eine gesunde Mischung eingeht.

Im Fußball komme es darauf an, aus verschiedenen Charakteren eine homogene Mannschaft zu formen, die dann geschlossen, aber jeder auch mit seinen ganz eigenen Stärken, auf Torjagd geht. „Einheit in Vielfalt“: In diesem Teamgeist sehen Jürgen Holletzek und Carsten Sperling mögliche Parallelen zur Kirche.

Dieses Plakat, entworfen von Carsten Sperling, lädt zum Lightroom-Gottesdienst ein.

Von Niederlage nicht entmutigt

Im Gespräch werden sie diesen Gedanken aufnehmen. Die Liebe zum Fußball eint beide. Der Gemeindereferent erinnert sich noch wie heute an ein Schlüsselerlebnis. Er hat in Kindertagen mit seiner Mannschaft eine 26:0-Niederlage kassiert – als Torwart. Der junge Fußballer ließ sich davon aber nicht entmutigen: Als Jugendlicher spielte er später erfolgreich in genau dem Team, das ihm damals 26 Tore eingeschenkt hatte. Kein Wunder also, dass er mit Jürgen Holletzek gerne ins Fachsimpeln gerät.

Beim Interview im Lightroom-Gottesdienst richtet sich der Scheinwerfer auch auf die menschliche Seite des Profifußballs. Carsten Sperling verweist dabei auf Aaron Zehnter, der sich nach einem Spiel des SC Paderborn 07 in aller Ruhe Zeit für Fans nahm – ein Beispiel dafür, dass Haltung und Nahbarkeit viel bedeuten. Zehnter spielte beim SC Paderborn 07 in der zweiten Bundesliga und steht inzwischen beim VfL Wolfsburg in der ersten Bundesliga unter Vertrag.

Profis und auch Amateure müssen im Wettkampfsport Wechselbäder zwischen Hype und Niederlage ertragen. Um nach dem Scheitern immer wieder aufzustehen, brauchen sie einen sicheren Halt. Kann diese Kraftquelle Gott sein? Gedanken wie diese gehen in der Gesprächsrunde Hand in Hand mit guter Unterhaltung. Denn auch dazu liefert der Fußball Steilvorlagen. Carsten Sperling und Jürgen Holletzek werden – wie auf dem Rasen – viele Torchancen verwandeln.

Corvey-Besuch für Jürgen Holletzek ein Heimspiel

Für den passionierten Trainer ist der Besuch ein Heimspiel: Denn er ist mit Corvey aufgewachsen. Seine Großeltern fanden bei der herzoglichen Familie nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf. Ihre acht Kinder wuchsen in Corvey auf. Auch Jürgen Holletzek verbrachte die ersten zwei Jahre seines Lebens in Corvey. Dann zogen die Eltern mit ihm nach Boffzen.

Die ehemalige Benediktinerabtei blieb aber ein familiärer Bezugspunkt. Bei Verwandtenbesuchen hat er zusammen mit anderen Kindern immer auf der Wiese vor der Vorburg gekickt. Das runde Leder ist manches Mal in den Bachlauf gefallen. Das weiß Jürgen Holletzek noch wie heute.

Corvey und Fußball sind sich also überhaupt nicht fremd. Und auch der Glaube ist bei der schönsten Nebensache der Welt nicht außen vor. Viele Fußballprofis bekennen sich öffentlich zu ihm.

Musik spielt im Gottesdienst wieder eine Hauptrolle

Eine Hauptrolle im Lightroom-Gottesdienst spielt erneut die Musik. Sie schafft die Atmosphäre des Abends, setzt emotionale Akzente und öffnet Räume, in denen Worte nachklingen können. Die musikalische Gestaltung übernehmen Yvonne Sperling (Gesang) – die Stimme von „Lightroom Corvey“ – sowie Kira Westermann (Violine) und Ralf Westermann (Piano), die den Charakter des Formats seit Beginn mitprägen. Auch neue Songs sind geplant.

Die Verbindung aus Musik, Gespräch, Gebet und Licht machen das Welterbe am Weserbogen zu einem Raum für Begegnung, Fragen und spirituelle Erfahrungen. „Hier feiern wir nicht einfach nur Gottesdienste – wir schaffen Räume, in denen sich etwas zeigen kann: Licht, das durchbricht, Worte, die berühren, Musik, die einen Raum aufspannt. Und Menschen, die ehrlich erzählen, was ihnen Halt gibt – oder wonach sie noch suchen“, sagt Carsten Sperling.