Skip to main content
AKTUELL

1200 Jahre Ansgar: Der Norden erinnert an einen der ersten Europäer

By 7. Februar 2026No Comments

Das Erzbistum Hamburg und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland feiern ebenso wie das Bistum Kopenhagen ein Jubiläum, das auch nach Corvey ausstrahlt. Denn das Kloster am Weserbogen war Ausgangspunkt der ersten Missionsreise des späteren Heiligen nach Norden. Diese liegt genau 1200 Jahre zurück.

In Corvey, der Ausgangsbasis seiner Missionsreisen, feiern Christen verschiedener Konfessionen alljährlich eine ökumenische Ansgar-Vesper. Am Sonntag, 8. Februar, öffnet die ehemalige Abteikirche wieder ihre Türen zu dem besonderen Wortgottesdienst. Beginn: 17 Uhr. Herzliche Einladung an alle Interessierten. Fotos: Sabine Robrecht

Die Benediktinerabtei bei Höxter war gerade erst gegründet, als der junge Mönch 826 auf Geheiß Kaiser Ludwigs des Frommen mit dem soeben getauften dänischen König Harald Klak in dessen Heimat aufbrach. Der um 801 vermutlich in Nordfrankreich geborene Ansgar war in sehr jungen Jahren in die Benediktinerabtei Corbie gekommen und hatte dort eine Vision, die ihm seinen Verkündigungsauftrag vor Augen führte.

Benediktinermönch leitet Klosterschule

Nicht lange nach diesem Schlüsselerlebnis, 823, wechselte er zunächst in das von Corbie aus gegründete Corvey. Er leitete die Klosterschule der jungen Abtei und legte den Grundstein für ihr Erblühen als Zentrum der Gelehrsamkeit. Ab 826 brachte der Ordensmann von seiner Ausgangsbasis an der Weser aus die Hoffnungsbotschaft des Evangeliums nach Norden. Aus diesem Anlass widmen das Erzbistum Hamburg und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) dem großen Glaubensboten und Brückenbauer ein gemeinsames Jubiläumsjahr unter dem Motto „Ansgar 2026 – Vom Mut, Grenzen zu überschreiten.“

Im St.-Ansgar-Krankenhaus Höxter erinnert diese Statue an den Namensgeber und Schutzpatron der Klinik. Die gleiche Skulptur steht in der ehemaligen Abteikirche Corbie. So baut Ansgar Brücken zwischen den seit Jahrzehnten partnerschaftlich verbundenen Städten an der Weser und an der Somme.

Die katholische Kirche in Kopenhagen feiert ebenfalls ein Ansgar-Jahr und hat es mit einem festlichen Pontifikalamt im St. Ansgardom begonnen. Dem Apostel des Nordens zu Ehren nahm sogar Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als Sondergesandter des Papstes an den Feierlichkeiten teil. Der hohe Besuch aus Rom unterstreicht die Bedeutung Ansgars, der als Wegbereiter europäischer Verbundenheit gilt und dessen weiter Horizont bis heute Beispielwert hat.

Beim Gang in die Kirche richtete sich anlässlich der Ansgar-Vesper vor einigen Jahren der erste Blick der Gäste auf das, was Ansgar verkündet hat: das Evangelium.

Glaube und Begegnung

Aus Hamburg waren Erzbischof Dr. Stefan Heße und das Domkapitel angereist. Der Würdenträger misst dem Wirken des Heiligen eine große inspirierende Kraft bei. Ansgar habe Glauben und Begegnung lebendig gemacht hat. Seine Impulse könnten auch heute noch „unseren Alltag, unser Miteinander und unser Europa prägen“, so Heße.

Das Bonifatiuswerk mit Sitz in Paderborn repräsentierte beim Pontifikalamt in Kopenhagen dessen Generalsekretär, Monsignore Georg Austen. Er dankte dem Sondergesandten des Papstes dafür, dass er durch seine Anwesenheit den Katholiken in den Diaspora-Regionen in Dänemark und in Nordeuropa seine Solidarität bekundete. „Das ist als sehr wertschätzend aufgenommen worden“, sagte Monsignore Georg Austen. Das Bonifatiuswerk – Hilfswerk der Katholiken – unterstützt katholische Christinnen und Christen in der Diaspora. Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe fördert es Projekte in Deutschland, Nordeuropa und im Baltikum.

Erzbischof unterstützt Diaspora

Paderborns Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ist Protektor des Bonifatiuswerks. Er stellte dem Bistum Kopenhagen im Rahmen des St.-Ansgar-Jubiläums 10.000 Euro für pastorale Diaspora-Arbeit zur Verfügung. „Uns verbindet das Gedenken an den heiligen Ansgar, den Apostel des Nordens, der im damaligen Kloster Corvey, einem der bedeutendsten geistlichen und missionarischen Zentren des frühen Mittelalters, geprägt wurde“, betont Erzbischof Dr. Bentz.

Ansgar im Chorgestühl der Abteikirche Corvey.

Das Erzbistum Hamburg und die Nordkirche haben für ihr Jubiläumsjahr eine gemeinsame Webseite freigeschaltet (ansgar2026.de). Sie informiert über Ansgar, sein Leben, seine Bedeutung für heute und die Veranstaltungen der nächsten Monate. „Ansgar war ein Mann des Glaubens und des Mutes, der Brücken gebaut hat – zwischen Kulturen, Sprachen und Menschen. Seine Reise von Haddeby nach Ripen, sein Wirken in Dänemark und Schweden und die Gründung des Erzbistums Hamburg markieren einen Meilenstein für Kirche und Gesellschaft in Norddeutschland und ganz Nordeuropa“, betont Erzbischof Dr. Stefan Heße. Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, unterstreicht: „In einer Zeit, in der Europa nach Orientierung sucht, erinnert Ansgar uns daran, dass Glaube Mut braucht: Mut zum Aufbruch, Mut zur Offenheit und den Mut, Frieden zu wagen. Modern gelesen: Wo Menschen einander zuhören und voneinander lernen, entstehen neue Räume für Vertrauen und Hoffnung“.

Begleiter in die Zukunft

Seminare, Studientage, Workshops, eine Pilgertour auf Ansgars Spuren von Haddeby bis nach Ripen (13. bis 23. Mai), ein Tauffest auf der Ansgarwiese in Haddeby, ein musikalisches Kulturtreffen und weitere Angebote prägen das Veranstaltungsprogramm und laden dazu ein, sich an dem Glaubensboten und seinem Mut zu orientieren. Ganz bewusst feiert Hamburg Ansgar  „nicht nur als Gestalt der Geschichte, sondern als Begleiter in die Zukunft“, sagt Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt. Das Jubiläumsjahr rückt den großen Glaubensboten aus Corvey auch in seiner historischen Bedeutung als einen der ersten Europäer ins Licht.

Wie der Apostel des Nordens und erste Erzbischof von Hamburg und Bremen bis heute für gelebte ökumenische Beziehungen steht, zeigt sich alljährlich auch in der heutigen UNESCO-Welterbestätte Corvey. Anlässlich seines Gedenktages, dem 3. Februar, feiern Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen am Ausgangspunkt seines Wirkens eine ökumenische Vesper. An diesem Sonntag, 8. Februar, versammeln sich die Menschen wieder um 17 Uhr zur Ansgar-Vesper in der ehemaligen Abteikirche. Die Festpredigt hält der geistliche Rektor der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen, Dr. Peter Jochem.

Nicht nur im Welterbe, wo Ansgars Wurzeln liegen, sondern an den Orten seines missionarischen Wirkens treffen die Menschen auf den großen Heiligen. Beispiel: Hamburg. In der damals kleinen, kaum 20 Jahre alten Siedlung an der Mündung der Alster in die Elbe ließ Ansgar im Jahr 834 eine erste Kirche bauen. Er begründete das heutige Erzbistum und gilt in gewisser Weise auch als Stadtgründer, weil die kleine Siedlung mit dem Bau der Kirche zum Bischofssitz wurde und mithin an Bedeutung gewann.

Bistumsgründer und einfacher Mönch

Am Rathaus der heutigen Metropole gehört Ansgar zu den bedeutenden Figuren der Stadt. Und auch an der Trostbrücke – Hamburgs ältester Brücke – schaut der Heilige aus Corvey auf das geschäftige großstädtische Treiben (Fotos oben). Die 1883 aufgestellte Statue auf dem Geländer der Brücke zeigt Ansgar ebenso wie die Figur an der Rathausfassade als Bischof und Bistumsgründer mit einem Kirchenmodell in der Hand. Als einfacher Mönch hingegen ist er auf der Brooksbrücke in der Speicherstadt zu sehen. Und auf dem Domplatz des Mariendoms erinnert ein im Jahr 2000 aufgestelltes Denkmal an den Patron des Erzbistums. Der heilige Ansgar ist auch hier als einfacher Mönch dargestellt.