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Ökumenische Ansgar-Vesper in Corvey: Dr. Peter Jochem hält Festpredigt

By 29. Januar 2026No Comments

Von Corvey, seinem Kloster, aus ist der Benediktinermönch Ansgar im 9. Jahrhundert zu Missionsreisen in den Norden Europas aufgebrochen. Für Dr. Peter Jochem, geistlicher Rektor in Hardehausen, ist dieses kühne Unterfangen auch jetzt – am Vorabend durchgreifender Strukturveränderungen im Erzbistum Paderborn – ermutigend und wegweisend.

Dr. Peter Jochem, geistlicher Rektor der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen (LVH), hält die Festpredigt bei der Ansgar-Vesper am Sonntag, 8. Februar, 17 Uhr, in Corvey. Foto: LVH/Besim Mazhiqi

Der 60-jährige Priester hält am Sonntag, 8. Februar, 17 Uhr, die Festpredigt der ökumenischen Ansgar-Vesper in der ehemaligen Abteikirche Corvey. Im Vorfeld dieses besonderen Wortgottesdienstes ordnet er die Mission des Ordensmannes vor dem Hintergrund der bevorstehenden strukturellen Neuausrichtungen der Kirche von Paderborn als beispielgebend ein. Denn: „Ansgar hat sich nicht auf Strukturen verlassen. Er verlässt Strukturen – und geht mutig ins Ungewisse, weil er sich von Gott leiten lässt.“ Auf den Transformationsprozess im Erzbistum übertragen, differenziert Peter Jochem dementsprechend: Es sei verständlich, dass Daten, Fakten und Prognosen kirchenorganisatorische Veränderungen mit sich bringen. „Das sendet uns aber nicht. Uns sendet – wie Ansgar – das Evangelium.“

Von Gott gesendet

Das Gefühl, von Gott gesendet zu sein, habe in dem Ordensmann vor fast 1200 Jahren eine Abenteuerlust geweckt. Nicht mit dem Schwert, sondern mit Gottes Wort sei er nach Norden aufgebrochen – obwohl er wusste, dass die Wikinger dort wüten. Damals wie heute lebe die Kirche aus der Sendung des Gottessohnes heraus. „Christus sendet uns immer. Er gibt uns den Auftrag, das Evangelium zu verkünden.“

In den Chorgestühl-Dorsalen erinnert diese Statue an Ansgar. Foto: Kirchengemeinde Corvey/Sabine Robrecht

Das sei Mission. Sie sei aber nicht gleichzusetzen mit Manipulation, betont der Geistliche. Auf Augenhöhe, also mit Respekt und Wertschätzung, gelte es den Menschen zu begegnen. Und glaubwürdig, aus einer inneren Haltung heraus. „Ich muss mich selber vom Evangelium prägen lassen.“ Dann könne Mission – Verkündigung – gelingen. Und aus dem Umbruch, vor dem die katholische und auch die evangelische Kirche angesichts wachsender Kirchenferne stehen, einen neuen Aufbruch machen.

Aufbruch ins Ungewisse

Auf diesem Weg fühlen sich Christen in unsicherem Fahrwasser. Daher schlug Pastor Frank Grunze für die Vesper zu Ehren des Missionars und ersten Erzbischofs von Hamburg und Bremen das Predigtthema „Aufbruch ins Ungewisse – was die Kirche heute vom heiligen Ansgar lernen kann“ vor und freut sich auf die ökumenische Feier: „Vielleicht hat Peter Jochem mit Blick auf die jüngere Generation einerseits und den heiligen Ansgar andererseits die richtigen Tipps, die einen Aufbruch ins Ungewisse leichter machen und gelingen lassen.“

Wie immer sind Geistliche verschiedener Konfessionen um den Altar versammelt. Sie werden erstmals am Beginn persönlich vorgestellt. Außerdem kommen die Fürbitten frisch aus der Gemeinde, „ohne dass deshalb jemand zu etwas genötigt würde“, versichert Pastor Grunze.

Der Festprediger des Tages, Peter Jochem, stammt gebürtig aus Erwitte, Kreis Soest. Er studierte Theologie in Würzburg, Paderborn, Salamanca und wurde 1995 zum Priester geweiht. 2016 promovierte er in Philosophie, war von 2010 bis 2022 Studentenpfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde Dortmund und Mentor der Studentinnen und Studenten der katholischen Theologie für das Lehramt. Seit Mai 2022 ist er geistlicher Rektor in Hardehausen.

Benediktsregel sichtbar machen

Zwischen diesem Klosterort und der ehemaligen Benediktinerabtei und heutigen Welterbestätte Corvey sieht der Geistliche enge Verbindungen. Denn die Zisterzienser, die Hardehausen mehr als 900 Jahre lang prägten, seien reformierte Benediktiner gewesen. Der geistliche Rektor möchte an diesem Ort die Benediktsregel wieder sichtbarer machen. Zumal sie in ihrer inspirierenden Kraft zeitlos sei. Sogar Top-Manager orientieren sich in ihrem Führungsstil an den mehr als 1500 Jahre alten Leitlinien.

„Ora et labora et lege“ (Bete, arbeite und lies): Dieser Dreiklang der Regel Benedikts habe für das geistliche Leben an Klosterorten wie Hardehausen und Corvey ein zeitloses Potenzial, betont Dr. Jochem. Mit dem Beten (ora) sei nicht allein die Liturgie, sondern eine innere Haltung gemeint. Außerdem sei die Arbeit (labora) nicht nur Broterwerb, sondern Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes. Mit dem dritten Auftrag – dem Lesen – verbinde Benedikt das Ziel, „sich vom Wort Gottes prägen zu lassen“.

Schatztruhe der Kultur

Alles andere als von gestern also. Daher möchte Peter Jochem diesen großen spirituellen Schatz heben und in Hardehausen im Innenhof des Kreuzgangs den ersten und auch den letzten Satz der Benediktsregel in den Boden einlassen: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Rat des gütigen Vaters gern an und erfülle ihn durch die Tat.“ – „…und du wirst (unter Gottes Führung) zu den himmlischen Höhen gelangen, die du ersehnst“. Stimmig passen Anfang und Ende zusammen, „auch wenn 72 Kapitel dazwischenliegen“, sagt Peter Jochem.

Daher legt er den Menschen auch im Corveyer Land die Leitlinien Benedikts und ihre Impulskraft als Wegweiser ans Herz. Das Weserkloster ist für ihn ein „Symbol der Mütter und Väter im Glauben, weil es für das Ankommen des Christentums auch in meiner Heimat steht“.  Und eine „Schatztruhe der Kultur, weil die Mönche das Wissen der Antike in ihrem Kloster bewahrt haben“.

Einer dieser frühen Gottesmänner – der als Apostel des Nordens verehrte St. Ansgar – steht am Sonntag, 8. Februar, 17 Uhr, im Mittelpunkt. Angesprochen, die Vesper mitzufeiern, sind alle Interessierten.