Welterbe Westwerk Corvey

Im Welterbe Westwerk Corvey geht es von jetzt an zügig voran.

Die vorbereitenden Arbeiten für die mulitmediale Erschließung sind gestartet. Grund genug für das wissenschaftliche Kompetenzteam, jetzt auch die Social-Media-Plattform Facebook zu nutzen. In einem ersten Post stand die Saison 2020 im Mittelpunkt. „Wir werden auch den einen oder anderen Beitrag von dieser Homepage bei Facebook ins Blickfeld rücken – um die Öffentlichkeit schließlich nach und nach über Baufortschritte und andere Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten“, kündigt das Team an. „Wir werden viel zu berichten haben und freuen uns drauf.“

Work in progress – Nachrichten vom Welterbe Westwerk Corvey

Welterbestätte bleibt geschlossen

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Die Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH hat sich gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus darauf verständigt, von sofort an bis zum 30. April wegen der Corona-Krise keine Führungen in der Abteikirche, im Westwerk und im Museum zu ermöglichen.

Auch für Einzelbesucher bleibt die Welterbestätte Corvey bis zum 30. April geschlossen. Damit verschiebt sich der für den 4. April vorgesehene Saisonstart. „Ob die Schließung des Museums und der Kirche auch über den 30. April hinaus zum Wohle unserer aller Gesundheit verlängert werden muss, soll Ende April entschieden werden”, kündigt Michael Funk, Geschäftsführer der Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH, auch im Namen von Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek an.

Auf den Spuren Ansgars in Corvey

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Vertreter der Nordischen Bischofskonferenz besuchen ehemalige Benediktinerabtei

Die Spuren des heiligen Ansgar, der als „Apostel des Nordens“ Weltgeschichte geschrieben hat, führen nach Corvey, wo er im 9. Jahrhundert der Klosterschule vorstand. Von dort aus zog der bedeutende Gottesmann schon kurz nach der Gründung der Benediktinerabtei hinaus, um im hohen Norden das Evangelium zu verkünden. Aus den Ländern, die er missionierte und von denen aus die Strahlkraft seiner Botschaft weitere Kreise zog, besuchten jetzt Würdenträger der katholischen Kirche im Rahmen der Tagung der Nordischen Bischofskonferenz die einstige Wirkungsstätte des bedeutenden Benediktinermönchs an der Weser.

Im Chorgestühl der Abteikirche Corvey nahmen de Gäste Platz. Professor Stiegemann erläuterte ihnen die Planungen zur Erschließung des Westwerks.

Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek und der Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, Professor Dr. Christoph Stiegemann, begrüßten in Corvey mit großer Freude die Teilnehmer der Nordischen Bischofskonferenz, die sich auf Einladung von Erzbischof Hans-Josef Becker und des Bonifatiuswerkes in Paderborn zu ihrer Frühjahrstagung versammelt hatten. Enge freundschaftliche Verbindungen nach Paderborn bestehen bereits seit 1974. Seit dieser Zeit unterstützt das Bonifatiuswerk die nordeuropäischen Katholiken.

Professor Stiegemann betreut mit seinem wissenschaftlichen Kompetenzteam die didaktische Erschließung des Westwerks und schilderte den Gästen aus Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Island plastisch, wie fesselnd die frühmittelalterliche Geschichte Corveys in den kommenden Jahren multimedial und in Wechselwirkung mit der Aura des Ortes erblühen soll. Den Wissenschaftlern ist es ein Anliegen, das Westwerk nicht nur als eines der hochrangigsten Architekturzeugnisse der Karolingerzeit, sondern auch als geistig-geistliches Zentrum der Christenheit in ein breites öffentliches Bewusstsein zu bringen.

Bischöfe, Mentoren und Vertreter des Bonifatiuswerkes vor dem Kloster Corvey.

Zu den „großen monastischen Köpfen“, so Professor Stiegemann, die diese Geschichte geschrieben haben, gehört der bis heute verehrte Missionsbischof Ansgar.  „Das Interesse an ihm ist sehr groß. Der Kardinal von Stockholm war bestens informiert“, berichtete Stiegemann nach dem Besuch der Nordischen Bischofskonferenz.

Ansgar gehörte zu den ersten Mönchen, die sich vom französischen Corbie aus auf den Weg machten, um 822 in der Einöde des Sachsenlandes ein Kloster zu gründen. Von dort aus missionierte er die Länder,  aus denen Bischöfe und andere Würdenträger jetzt zu den Wurzeln seines Wirkens zurückkehrten.

Trotz der Baustellenatmosphäre in der Erdgeschosshalle des Westwerks und im Johanneschor mit dem markanten „Wald“ aus Gerüsten konnten sich die Besucher ein Bild von der einzigartigen Architektur des Westwerks machen und die besondere Spiritualität dieser hochbedeutenden Glaubensstätte erspüren. Der Kirchengemeinde ist, wie die Gäste erfuhren, an einem lebendigen und impulsgebenden Glaubensleben in Corvey gelegen. Jahr für Jahr begeht sie den Gedenktag des heiligen Ansgar (3. Februar) mit einer Vesper.

Von Einhausungen und verhüllten Kapitellen

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Fortschritte: Erdgeschosshalle des Westwerks präsentiert sich als Baustelle

Die Südseite im Erdgeschoss des karolingischen Westwerks ist hinter einer Plane verborgen, die Kapitelle und Kämpfer-Gesimse der Säulen und Pfeiler präsentieren sich verhüllt: Die Eingangshalle im Welterbe kündet in diesen Tagen eindrucksvoll von den weiter fortschreitenden Baumaßnahmen.

An der Nordseite der Erdgeschosshalle ist der Putz abgeschlagen. Fotos: Sabine Robrecht

In dem quadratischen Raum mit seinem Kreuzgratgewölbe fehlt an der Nordseite im Sockelbereich der Putz. „Er ist abgeschlagen worden, weil er durch Salze geschädigt war“, berichtet Architekt Albert Henne aus Höxter, der die Arbeiten im Auftrag der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey betreut. Fachleute bringen in Abstimmung mit der Denkmalpflege einen Feuchteregulierungsputz auf.

Eugen Materi (links) und Viktor Richter bauen in die “Wand auf Zeit” eine Tür ein.

Das gleiche geschieht auf der Südseite. Auch hier wird bis auf eine bestimmte Höhe vom Sockel aus der Putz abgeschlagen. Um den Staub, der dabei entsteht, im Zaum zu halten, haben Eugen Materi und Viktor Richter von der Firma Wibbeke Denkmalpflege die komplette Front zunächst mit so genannten Einhausungen vom Rest der Eingangshalle abgetrennt. An eine feste Ständerkonstruktion aus Holz haben sie eine atmungsaktive Spezialfolie befestigt. „Das machen wir oft in Kirchen“, erzählt Eugen Materi. „Erhalten und sichern heißt die Devise.“ Sagt’s und bringt zusammen mit  seinem Kollegen ein einzelnes Element der Einhausung an die richtige Stelle: Dort, wo es hinaus zum Friedhof geht, haben die beiden Fachhandwerker eine Tür in die „Wand auf Zeit“ eingebaut.

Blick in die Erdgeschosshalle des Westwerks: Die Kapitelle und Kämpfer-Gesimse der Säulen und Pfeiler sind verhüllt.

Neben den Wandflächen der Erdgeschosshalle  nehmen sich Restauratoren auch der Pfeiler und Säulen an. Salz- und Gipskrusten werden fachgerecht entfernt. Und: Die mittleren Säulen sind  vor einigen Jahrzehnten in einem Sandstein-Farbton gestrichen worden. „Dieser dispersionshaltige Anstrich wird schonend entfernt“, kündigt Albert Henne an. „Moderne Geräte machen es möglich, dass nur die Farbe runtergeht.“ Das haben die Fachleute an einer Stelle erfolgreich probiert.

Planungen für die Glaswand

Die schmucken korinthischen Kapitelle und auch die Kämpfer-Gesimse bekommen von all dem nichts mit. Sie „schlummern“ hinter Schutzfolien. In zwei bis zweieinhalb Monaten sollen die meisten   restauratorischen Arbeiten abgeschlossen sein – so dass die Eingangshalle in der ihr eigenen, besonderen Raumwirkung und mit ihren steinernen Zeugnissen der karolingischen Renaissance wieder erlebbar sein wird.

Eugen Materi befestigt die atmungsaktive Folie an der Ständerkonstruktion.

Nahtlos gehen die Baumaßnahmen weiter. Die Planungen und Voruntersuchungen für die Glastrennwand zwischen Westwerk und Abteikirche sind der nächste Schritt. „Wir müssen den Boden öffnen und die Archäologen hineinschauen lassen.“

Auf der linken Seite der zukünftigen Glaswand haben die Experten bereits Bodenuntersuchungen vorgenommen und den Einbau des Fundaments als unbedenklich eingestuft. „Wir gehen davon aus, dass dies auf der anderen Seite auch der Fall sein wird.“

Die Glaswand trennt das karolingische Westwerk vom barocken Kirchenschiff und stellt in erster Linie die Integrität des Sakralraums sicher. Ein willkommener Nebeneffekt ergibt sich dadurch, dass die Glaswand als Projektionsfläche für die multimediale Inszenierung der Geschichte Corveys dienen kann.

 

Hinter den Pfeilern und Säulen der Erdgeschosshalle ist die weiße Wand der Einhausung zu sehen.

Gerüste bleiben vorerst stehen

Die didaktische Erschließung des Welterbes im Weserbogen bei Höxter ist wohlklingende Zukunftsmusik. Zur Vorbereitung der virtuellen Wiederauferstehung dieses Zentrums der Christenheit sind auch im Johanneschor – dem liturgischen Zentrum des Westwerks – restauratorische Arbeiten notwendig. Daher bleiben die Gerüste in der am 4. April beginnenden Saison zunächst stehen.

Die Arbeiten im Johanneschor müssen abgeschlossen sein, bevor die sensiblen Bleipfeifen der restaurierten Springladen-Orgel an ihren exponierten Platz zurückkehren können. Der technische Einbau dieses bedeutenden Instruments mitsamt der aufwändigen Tragkonstruktion und dem Gehäuse für die Balganlage im Dachraum über dem Kirchenschiff läuft ab Mai weiter.

Es tut sich also stetig etwas im Welterbe Westwerk Corvey. Wir werden fortlaufend berichten.

Jetzt auch bei Facebook!

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So sieht sie aus, die Facebookseite des Welterbe Westwerks Corvey. Wir hoffen auf viele Abonnenten.

Im Welterbe Westwerk Corvey geht es von jetzt an zügig voran. Die vorbereitenden Arbeiten für die mulitmediale Erschließung starten in Kürze. Grund genug für das wissenschaftliche Kompetenzteam, jetzt auch die Social-Media-Plattform Facebook  zu nutzen. Die Seite ist seit heute (25. Februar) online. In einem ersten Post steht die  Saison 2020 im Mittelpunkt. “Wir werden dann den einen oder anderen Beitrag von dieser Homepage bei Facebook ins Blickfeld rücken – um die Öffentlichkeit schließlich nach und nach über Baufortschritte und andere Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten”, kündigt das Team an. “Wir werden viel zu berichten haben und freuen uns drauf.”

Die fast 1200-jährige geistlich-geistige Geschichte wird in Wechselwirkung mit der Aura des authentischen Ortes multimedial erlebbar sein. Die Besucher tauchen ein in  die Arbeitsprozesse der Künstler, die die atemberaubende Ausmalung etwa des Johanneschors geschaffen haben. Weitere Erzählstränge lassen die frühmittelalterliche Geschichte aus anderen Blickwinkeln heraus erblühen.

In Vorfreude darauf geht es jetzt mit den Vorbereitungen los. Das wissenschaftliche Kompetenzteam zur Erschließung des Westwerks hofft, dass auch bei Facebook viele Menschen die Fortschritte begleiten und ihr Herz für das Welterbe und seine einzigartige Strahlkraft öffnen.

Pentimenti erzählen vom Schaffensprozess

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Erkenntnisse der Restauratoren liefern „Stoff“ für die Erschließung des Westwerks

Die Befunduntersuchungen dereinzigartigen karolingischen Wandmalereien des Westwerks Corvey haben Erkenntnisse hervorgebracht, aus denen sich spannende Erzählstränge für die digitale Erschließung der Welterbestätte ergeben. Dieses Fazit zieht die Restauratorin Katharina Heiling aus Wedemark. Sie hat von Oktober 2018 bis Februar 2019 die Fragmente der Wand- und Gewölbefresken des imposanten Johanneschores sowie die Überreste der Malereien der Erdgeschosshalle unter die Lupe genommen und die Ergebnisse ausführlich dokumentiert.

Katharina Heiling bei der Arbeit in Corvey.

700 Seiten stark ist die jetzt vorliegende Expertise, die sich im ersten Teil mit den 1992 entdeckten Sinopien (Wandvorzeichnungen) im Johanneschor und im zweiten Teil mit den weiteren Fragmenten der kunstvollen, farbintensiven Bilderwelt aus frühmittelalterlicher Zeit befasst. Die wissenschaftliche Fachberatung übernahm dabei die Kunsthistorikerin Anna Skriver, die Fachbauleitung dieses Projekts lag in den Händen der Restauratorin Karen Keller aus Köln.

Expertise als Grundlage

Unter ihrer Ägide haben Katharina Heiling und weitere Experten die erhaltenen Überreste aus der Ursprungszeit der früheren Benediktinerabtei und heutigen Welterbestätte mit moderner Technik in Augenschein genommen und die umfassend dokumentierten Ergebnisse jahrzehntelanger Forschungen digital fortgeschrieben. Die Expertise dient als Grundlage für Monitoring und konservatorische Maßnahmen.

Weitere Farbspritzer gefunden

In Bildpläne unterteilt, haben die Restauratoren 45 Einzelwandmalereifragmente sowie sechs Sinopien, das sind Vorzeichnungen für Stuckfiguren, kartiert. Dabei bestätigten sich, so Katharina Heiling, Erkenntnisse, welche die verdiente Corvey-Forscherin Hilde Claussen gewonnen und 2007 mit Co-Autorin Anna Skriverin einem gewichtigen Buch über Malerei und Stuck in der karolingischen Klosterkirche publiziert hat. Beispiel: Sinopien. „Wir haben noch weitere Farbspritzer gefunden“, berichtet Katharina Heiling. Diese Spuren deuten darauf hin, dass Maler der Vorzeichnungen für lebensgroße Figuren gleichzeitig mit den Wandmalern über ihnen arbeiteten, die an den Arkaden der Emporen farbige Ornamente anbrachten.

Auffällige Ähnlichkeiten

Hilde Claussen ging von mindestenszwei parallel arbeitenden Sinopienmalern aus, weil sie unterschiedliche Stilelemente bei den sechs Figuren ausmachen konnte. Außerdem gibt es noch Malerproben unterhalb des Meerwesenfrieses, die auffällige Ähnlichkeiten mit den Sinopienköpfen aufweisen, vielleicht arbeiteten sie auch als Wandmaler. Diese Schlussfolgerungen schilderte Hilde Claussen in einem Beitrag im Rahmen der 2002 erschienenen Buchpublikation „Sinopien und Stuck im Westwerk der karolingischen Klosterkirche von Corvey“ (Herausgeber Joachim Poeschke).

Korrekturen am Motiv vorgenommen

Aufschlussreich ist auch die vertiefte Erkenntnis über Pentimenti (Korrekturen), welche die Restauratoren jetzt im Rahmen ihrer Spurensuche bei der Kartierung des besterhaltenen Ornaments an der Bogenlaibung der mittleren Westarkade gewonnen haben. Karolingische Künstler haben während des Malens Veränderungen am Motiv vorgenommen. Vorzeichnungen künden von diesen Versuchen und Korrekturen im laufenden Schaffensprozess. „Wir haben die Linien und Untermalungen nun auch digital zeichnerisch dargestellt und konnten noch neue Pentimenti entdecken“, sagt Katharina Heiling.

Daumenabdruck kann Spurensuche abrunden

„Von diesen Entwurfsphasen erzählen zu können, ist sehr spannend“, blickt die Restauratorin auf die Planungen zur didaktischen Erschließung des Welterbes. Multimedial soll die in ihrer Farbenpracht atemberaubende Ausgestaltung dieser Emporenkirche aus den geheimnisvollen Anfängen der christlichen Kultur in Westfalen in Wechselwirkung mit der besonderen Aura des authentischen Ortes wiedererstehen. Dabei sollen die Besucher auch in den Schaffensprozess der Kunstmaler eintauchen können. Sowohl die Pentimenti, als auch die Indizien für das Multitasking der Sinopienmaler liefern spannenden „Stoff“ für diesen Erzählstrang. Der erhaltene Daumenabdruck eines Handwerkers, der vor 1200 Jahren die Wände verputzt hat, kann die digitale Spurensuche, zu der die Besucher des Johanneschors am Originalschauplatz eingeladen sind, abrunden, regt Katharina Heiling an.

Hautleim als Proteinzusatz

In der Bilanz ihrer Untersuchungen verweist die auf Wandmalereien spezialisierte Restauratorin auch auf kleine neue Detailerkenntnisse hinsichtlich der Farbgestaltung. Und: Was die von den Malern verwendeten Bindemittel angeht, ist Katharina Heiling Proteinzusätzen wie Hautleim vom Schwein und vom Huhn auf die Spur gekommen. Moderne Technik macht diesen tiefen und hochinteressanten Einblick in die Materialauswahl frühmittelalterlicher Maler möglich.

Wasserglasschicht bereitet Kopfzerbrechen

Die berühmte Odysseus-Szene, hier ein Ausschnitt, ist zum Glück nicht von der Altkonservierung betroffen. Foto: Kalle Noltenhans

Die Ergebnisse der Befunduntersuchungen sind aber leider nicht nur im positiven Sinne aufschlussreich. Das Restauratorenteam hat die unguten Auswirkungen des in den 1960er Jahren verwendeten Konservierungsmittels für die Wandmalereien entdeckt. Die damals aufgetragene Wasserglasschicht „lässt die Fläche darunter wie gesprungenes Glas erscheinen“, erläutert Katharina Heiling. „Je nach Witterung zeigt sich die Malerei unter der Schicht trüb oder klar. Das ist im Südseitenschiff sichtbar.“

26 Bildpläne betroffen

Das Konservierungsmittel von damals ist nicht löslich und deshalb nur schwer abzunehmen. „Das ist ein ernsthaftes Problem. In den 1960er Jahren dachte man, dieses Mittel sei das Beste. Die Spätfolgen zeigen sich erst nach 40 oder 50 Jahren.“ Und sie ziehen Kreise: Im Rheinland beispielsweise sind viele Wandmalereien auch mit dieser Wasserglasschicht überzogen worden. Die Folgen der Altkonservierung und die Suche nach Lösungsansätzen wären aus Sicht von Katharina Heiling Anlass für ein Forschungsprojekt.

In Corvey sind 26 der insgesamt 45 kartierten Bildpläne betroffen. Die berühmte Odysseus-Szene ist nicht darunter – „zum Glück“, sagt Katharina Heiling erleichtert. Bei den 1992 entdeckten Sinopien haben die Experten gar keine Konservierungsmittel festgestellt.

Besonderer Ort

Die 26 betroffenen Stellen bereiten den Wissenschaftlern aber Kopfzerbrechen. Es müssen also erneut dicke Bretter gebohrt werden in Corvey. Gut Ding will wieder Weile haben. Kurzfristiger ausbessern lassen sich die festgestellten Schäden durch Kasein-Hinterfüllungen. Aus einigen Löchern ist Kasein herausgelaufen. Die Restauratoren schlagen eine sanfte Reinigung und Abnahme der Kaseinläufer vor. Bewegliche Putzschalen, die auch zutage getreten sind, lassen sich durch Hinterfüllen festigen.

Dieses eindrucksvolle UV-Licht-Foto zeigt ein Fragment im Südseitenschiff im Edgeschoss, Südwand, Mitte west. Foto: Katharina Heiling

In der Rückschau auf ihre Arbeit denkt Katharina Heiling gern an unvergessliche Eindrücke wie den Moment zurück, als sie UV-Licht-Bilder aufgenommen hat. Allein in der dunklen Kirche zu sein, hat sie nachhaltig beeindruckt. „Corvey ist ein besonderer Ort.“ Digitale Technik hat zerstörungsfreie Untersuchungen möglich gemacht. Beispiel: Mörtel. „Wir haben den vorliegenden Mörtelkatalog mit Digitalmikroskopfotos ergänzt. Dazu sind Anschliffe von Putzproben, wie früher, nicht mehr nötig.“

Zeitersparnisse bringt die Digitalisierung bei den Untersuchungen jedoch nicht mit sich, konstatiert die Restauratorin. „Der Aufwand ist sogar eher noch größer. Dafür hat man es dann aber bei der Weiterverarbeitung leichter.“

 

Das Titelfoto zeigt eine der 1992 entdeckten Sinopien.

Baufortschritte prägen Saison 2020

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Johanneschor bleibt vorerst eingerüstet

Der Johanneschor bleibt vorerst eingerüstet. Fotos: Kalle Noltenhans

Die Saison 2020 im Welterbe Westwerk Corvey wird von Baufortschritten geprägt sein. Die vorbereitenden Maßnahmen zum Einbau der Glastrennwand zwischen Westwerk und barockem Kirchenschiff beginnen, die restaurierte Springladen-Orgel von 1681 kehrt Zug um Zug an ihren exponierten Platz zurück, und im eingerüsteten Johanneschor laufen finale Arbeiten. Wer Corvey besucht, wird Zeuge weit reichender Weichenstellungen sein.

Ein Wald aus Gerüsten prägt den Raumeindruck im Johanneschor.

Vom 4. April bis zum 1. November 2020 sind die barocke Abteikirche und das karolingische Westwerk täglich in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Johanneschor im ersten Obergeschoss bleibt jedoch vorerst eingerüstet und ist daher für Einzelbesucherinnen und -besucher in den ersten Monaten der Saison noch nicht zugänglich. Das liturgische Zentrum des karolingischen Westwerks, als das der erhabene Sakralraum bezeichnet wird, präsentiert sich für eine absehbare Zeit noch als Baustelle – um anschließend im Zuge der multimedialen Erschließung in Wechselwirkung mit seiner besonderen Aura in ursprünglicher Strahlkraft zu erblühen.

Noch prägen die imposanten Gerüst-Konstruktionen den Raumeindruck im Johanneschor. Die Gerüste erstrecken sich bis hinauf unter die Renaissance-Decke. Fachhandwerker hatten sie  Ende 2018 aufgebaut und die einzelnen Elemente zuvor über einen Lastenaufzug vom Friedhof aus hinauf befördert.

Bis hoch hinauf unter die Ranaissancedecke erstrecken sich die Gerüste.

Ein barockes Fenster über der Tür zum Friedhof wurde eigens ausgebaut und diente als Behelfstür. Die abgeschlossenen Befunduntersuchungen waren ebenso wie die teilweise noch anstehenden  restauratorischen Arbeiten im Rahmen des Bundesförderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ mit Hilfe der Gerüste möglich.

Eingerüstet ist auch der Orgelprospekt. Fachleute der niederländischen Firma Flentrop Orgelbouw haben im September 2019 auf der Empore mit dem technischen Einbau des Instruments begonnen. Vom Johanneschor aus haben die Orgelbauer restaurierte und rekonstruierte Teile an Ort und Stelle gebracht. Die Pfeifen der bedeutenden Springladen-Orgel sind nach Abschluss der  baulichen und restauratorischen Arbeiten in Kirche  und Westwerk an der Reihe. Das Instrument spielt in der Liga der wichtigsten Orgeln Europas mit und wird nach ihrer Rückkehr für die Welterbe-Besucher ein zusätzliches Highlight sein.

Mittagsgebet

An jedem Mittwoch während der Saison sind die Besucher um 12 Uhr zum Mittagsgebet in die Abteikirche eingeladen. Dieses Angebot knüpft an die geistliche Tradition der ehemaligen Benediktinerabtei an. Annähernd 1.200 Jahre lang kamen die Corveyer Mönche in der Mitte des Tages zusammen, um Gott im Gebet zu loben und zu preisen. Mit dem Mittagsgebet möchte die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus diese Tradition in der Abteikirche mit neuem Leben füllen. Das Mittagsgebet wird getragen von einer Gruppe von Ehrenamtlichen.

 

Von Atrien und „roten Männern“

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Professor Dr. Uwe Lobbedey blickt bei internationaler Tagung auf seine Forschungen in Corvey zurück

Die internationale Tagung „Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe“ hat einen der bedeutendsten Corvey-Experten, Professor Dr. Uwe Lobbedey, an den Ort seiner jahrzehntelangen Forschungen  geführt. Der Kunsthistoriker, Archäologe und Denkmalpfleger aus Münster gehörte zu den fast 140 Teilnehmern des hochkarätigen  Symposiums, mit dem das Erzbistum Paderborn, die Deutsche UNESCO-Kommission und ICOMOS Deutschland das Welterbe bei Höxter und die ambitionierten Pläne zur didaktischen Erschließung dieses Leuchtturms in einen internationalen Kontext gestellt haben.

Der Corvey-Forscher Professor Dr. Uwe Lobbedey (links) und der Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams zur Erschließung des Westwerks, Professor Dr. Christoph Stiegemann, bei der Tagung im Welterbe. Fotos: Kalle Noltenhans

Seite an Seite mit der unvergessenen Hilde Claussen (1919–2009) hat Uwe Lobbedey das monastische Corvey und seine baulichen Besonderheiten erforscht und umfassend dokumentiert. Beide Wissenschaftler haben die Alleinstellungsmerkmale entdeckt, deren Weltgeltung heute den Welterbestatus der 822 gegründeten Benediktinerabtei rechtfertigen.

„Wir haben damals schon darauf gedrängt, dass für dieses Bauwerk etwas getan wird. Gut, dass es jetzt auf einer soliden Basis in Gang kommt“, kommentierte Uwe Lobbedey (82) während der Tagung vor Ort im Welterbe die Planungen, deren Umsetzung mit der denkmalrechtlichen Genehmigung der Glastrennwand zwischen Westwerk und barockem Kirchenschiff in Kürze beginnen kann. Er habe sich davon überzeugen lassen, dass die Glaswand der karolingischen Architektur an der Stelle nicht schade, konstatierte der renommierte Wissenschaftler beim Blick in die Erdgeschosshalle mit ihren vier Säulen, deren korinthischen Kapitelle er als eine der großartigsten Schöpfungen der karolingischen Renaissance einordnet.

Alte Lichtführung simulieren

Die Säulen, die weiteren Pfeiler und auch das Deckengewölbe unterstreichen einen Raumeindruck, der seit Jahrhunderten nicht mehr wie ursprünglich zur Geltung kommt. Denn mit dem Bau der angrenzenden Barockgebäude sind die seitlichen Fenster zugemauert worden. Die alte Lichtführung fällt somit weg. Diese zu simulieren – wie es auch geplant ist – gehört aus Sicht von Professor Lobbedey zu den wichtigen Elementen der Erschließung des Westwerks.

Die Erdgeschosshalle des Westwerks mit ihren Säulen und Pfeilern hat die Teilnehmer der internationalen Tagung beeindruckt.

Welche Rolle das natürliche Licht in der Baukunst spielte – darauf richteten bei der Tagung die Vertreter einer Welterbestätte in der Ewigen Stadt Rom den Fokus der Teilnehmer. In der Domus  Aurea („Goldenes Haus“), einem von Kaiser Nero (54 – 68) errichteten Palast, akzentuierte der natürliche Lichteinfall bestechend die Raumwirkung und den Glanz wandbekleidender Elemente wie  Marmor und goldbestückte Dekorationen.

Unter den Ruinen der Trajansthermen sind von der prachtvollen Anlage nur noch fensterlose Kellerräume übrig. Dr. Alessandro D’ Alessio und Stefano Borghini (Archäologischer Park / Colosseum / Domus Aurea) vermittelten bei der Tagung anregende Eindrücke davon, wie den Menschen von heute dank neuer Technologien die frühere Ausgestaltung des Luxuspalastes und die Kunstfertigkeiten im Einsatz des natürlichem Lichts erlebbar gemacht werden.

Reste zweier Atrien 1995 entdeckt

Wie in Corvey die alte Lichtführung in einzelnen simuliert werden kann, müsse genau überlegt werden, betonte Professor Lobbedey im Westwerk. Jahrzehntelang hat er Architektur und Bausubstanz des heutigen Welterbes erforscht. Erste planmäßige Ausgrabungen fanden in den 1970er-Jahren unter seiner Leitung im gesamten Kircheninneren statt. In den 1990-er Jahren forschte der damalige Hauptkonservator beim Westfälischen Museum für Archäologie in Münster unter anderem im Friedgarten und im ehemaligen Kreuzgang. 1995 schließlich entdeckte Lobbedey bei Grabungen im Zuge der Erneuerung des Vorhofs des Westwerks Reste zweier Atrien nach römischem Vorbild.

Corvey sei Teil seines Lebens, blickt der renommierte Archäologe und Kunsthistoriker zurück. Wenn es darum gehe, aus seiner Arbeit  etwas Herausragendes hervorzuheben, dann möchte er sich nicht auf ein Detail festlegen. Die Gesamtheit sei das Besondere. „Das fängt schon unter dem Dach an. Ich habe die Balkenlöcher der karolingischen Balkendecke gefunden. Das war aufregend, weil in der Forschung lange überlegt wurde, wo diese Löcher sind. Ich war offensichtlich der erste Mensch, der mit einer Lampe dort hochgegangen ist. Strom gab es da oben nicht. Ich habe mehrere Kabeltrommeln genutzt und fand die Löcher.“

Sinopien als Schlussakkord

An der Wand des Westwerks lasse sich die Deckenhöhe des Mittelschiffs der untergegangenen karolingischen Basilika ablesen, brachte Professor Lobbedey einen weiteren entscheidenden  Erkenntnisgewinn auf den Punkt. „Wir haben eine dreidimensional begründete Vorstellung, wie die Basilika ausgesehen hat.“

Dr. Matthias Exner, Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, München, bei einer Führung im Johanneschor.

Der Schlussakkord seien schließlich „unsere roten Männer“ gewesen, erinnerte sich Uwe Lobbedey lebhaft an die spektakuläre Entdeckung der Sinopien im Johanneschor. Professor Dr. Hilde Claussen hat diese Vorzeichnungen für sechs annähernd lebensgroße Figuren 1992 im Rahmen ihrer Untersuchungen zur Ausmalung des Johanneschores gefunden.

Die Wissenschaftlerin ordnete diesen Vorzeichnungen die Stuckreste zu, die 1960 bei der Fußbodenerneuerung im Johanneschor zutage getreten waren. „Hilde Claussen hatte sie in Sicherheit gebracht, damit sie nicht im Bauschutt untergehen. Es waren begrenzte Fragmente, die man stilistisch nicht einordnen konnte. Die Forschung dachte, sie seien romanisch“, berichtete Uwe Lobbedey. Geradezu gegenwärtig wird ihm in diesem Augenblick die Entdeckung der „roten Linien“ auf dem Mauerwerk der Arkadenzwickel.

Die Zuordnung der Stuckfragmente zu diesen Sinopien war aufsehenerregend: „Diese Sensation hat uns viel Arbeit gemacht“, sagte Uwe Lobbedey. „Es hat lange gedauert, bis wir einen Weg gefunden haben, die Figuren adäquat zu dokumentieren.“ Sie seien „Inkunabeln der abendländischen Skulptur“. Dr. Matthias Exner, Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, erläuterte bei der internationalen Tagung in Corvey die Bedeutung der Entdeckungen im Johanneschor als Beleg für die herausragende Rolle der Stuckplastik in karolingischen Dekorationssystemen.

Plastischer Eindruck möglich

Dr. Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt Berlin (Koordinierungsstelle Welterbe) und Professor Stiegemann (rechts) haben Uwe Lobbedey und Hilde Claussen während ihrer Studienzeit erlebt.

Wenn die ursprüngliche Ausgestaltung des Johanneschores in Wechselwirkung mit der Aura des Ortes mittels Augmented Reality wieder erblüht, erhalten die Besucher einen plastischen Eindruck von diesen beeindruckenden Figuren. Bei den Planungen schließt sich ein Kreis: Professor Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn und Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams zur Erschließung des Westwerks, hat  Uwe Lobbedey und Hilde Claussen in seiner Studienzeit erlebt.

Das gilt auch für Dr. Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt Berlin (Koordinierungsstelle Welterbe). Sie ist Motor der erfolgreichen Welterbe-Bewerbung Corveys gewesen und hat, während sie den Antrag schrieb, immer wieder an die beiden Forscher gedacht. Die digitale Transformation ihrer umfassenden, auf höchstem Niveau  dokumentierten Erkenntnisse trage jetzt dazu bei, Corveys Weltgeltung den Menschen zugänglich zu machen.

Beitragsfoto/Titelbild: Das barocke Kirchenschiff war eine der Stationen der Gruppenführungen für die Teilnehmer der Tagung. Foto: Kalle Noltenhans

„Digital macht Freude“

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Die Transformation jahrzehntelanger Forschungsergebnisse in digitale Tools kann auch zerstörte Welterbestätten zumindest in Teilen wieder erlebbar machen. Für diese Recovering-Prozesse in und außerhalb Europas haben die Planungen zur didaktischen Erschließung des Welterbe Westwerks Corvey ihren Platz im Kontext der Vorbild-Beispiele. Auf diesen wegweisenden Modellcharakter hat Dr. Birgitta Ringbeck, Koordinierungsstelle Welterbe im Auswärtigen Amt Berlin, bei der zweitägigen internationalen Tagung „Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe“ in Paderborn und Corvey hingewiesen – und damit dem wissenschaftlichen Kompetenzteam um Professor Dr. Christoph Stiegemann ein exzellentes Zeugnis für die spannenden Vorhaben zur virtuellen Wiederauferstehung der von Engeln bewachten Himmelsstadt ausgestellt.

Dr. Tino Mager (von links, Vorstand Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS), Dr. Dörthe Jakobs (Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, Stuttgart), Generalvikar Alfons Hardt, Professor Dr. Christoph Stiegemann (Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams zur Erschließung des Westwerks in Corvey), Alexander Fischer (Bürgermeister Höxter), Carolin Kolhoff (Leiterin Fachbereich Welterbe, Deutsche UNESCO-Kommission), Dr. Uwe Koch (Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz Berlin), Dr. Birgitta Ringbeck (Auswärtiges Amt, Koordinierungsstelle Welterbe) und Friedhelm Spieker (Landrat des Kreises Höxter) bei der Eröffnung der Tagung. Fotos: Kalle Noltenhans

Mit dem Rückenwind der ersehnten denkmalrechtlichen Genehmigung der Glastrennwand zwischen Westwerk und barocker Abteikirche des einstigen Benediktinerklosters im Weserbogen bei Höxter hieß Generalvikar Alfons Hardt 136 Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Spanien zu der vom Erzbistum Paderborn, der Deutschen UNESCO-Kommission und ICOMOS Deutschland veranstalteten hochkarätigen Tagung im Forum St. Liborius in Paderborn willkommen.

Vertreter bedeutender europäischer Welterbestätten wie der Domus Aurea in Rom, dem Welterbe Tarraco in Katalonien im Nordosten Spaniens, der Klosterinsel Reichenau und dem Fagus-Werk in Alfeld bei Hannover gewährten aufschlussreiche Einblicke in ihre Konzepte zur Erschließung und zur Nutzung digitaler Technologien. Die virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz – e-codices­ – stand ebenfalls im Mittelpunkt.

Führungen im Westwerk

Am zweiten Tag der Tagung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit,  sich selbst ein Bild von der beeindruckenden karolingischen Architektur und den herausragenden Wandmalereien des Welterbe-Westwerks Corvey zu machen.

Dr. Matthias Exner, Deutsches Nationakommitee von ICOMOS, München, bei seinem Vortrag in Corvey.

Vor den Führungen in der Erdgeschosshalle und im Johanneschor erläuterte Dr. Matthias Exner, Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, München,  den universellen Wert der Corveyer Malereien, zu deren Alleinstellungsmerkmalen die berühmte Odysseus-Szene als Zeugnis der Berücksichtigung profaner und umgedeuteter Ikonographie in den Bildprogrammen karolingischer Sakralbauten sowie die Sinopien und Stuckfragmente des Johanneschors gehören. „Sie erlauben den wichtigsten Beleg für die Produktion von Großplastik aus karolingischer Zeit nördlich der Alpen und zugleich den aussagekräftigsten Nachweis für die enge konzeptionelle und handwerkliche Synthese von Wandmalerei und Stuckplastik in den Dekorationssystemen dieser Epoche“, erläuterte Dr. Exner.

Zwei Erzählstränge

Ohne jeglichen Eingriff in die sensible Bausubstanz will das wissenschaftliche Kompetenzteam  die Himmelsstadt und ihre Ausgestaltung  in zwei Erzählsträngen zum Strahlen bringen: In Wechselwirkung mit dem Ort sollen die Besucher fast schon detektivisch auf Spurensuche gehen und in einem zweiten Erzählstrang die malerischen Werkprozesse erleben. „Sie werden erleben, wie aus dem Nichts die kunstvolle Malerei entsteht“, so Professor Stiegemann,  „allerdings nicht mit einer virtuellen Brille, sondern mit dem Tablet.“ Dem Kompetenzteam ist nämlich die Wechselwirkung mit der unvergleichlichen Aura des authentischen Ortes ein großes Anliegen.

Meilenstein in der Vermittlungsarbeit

Dr. Uwe Koch erläutert die digitalen Offensiven zum Kulturerbejahr.

Diese Zielsetzung unterstrich  Carolin Kohlhoff, Leiterin des Fachbereichs Welterbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission:  „Der Einsatz neuer Technologien im Welterbe ist ein Meilenstein in der Vermittlungsarbeit, er kann jedoch nicht zur Gänze die Erfahrung und das Erleben einer Stätte vor Ort ersetzen.“ Dr. Uwe Koch, Deutsches

Nationalkomitee für Denkmalschutz, Berlin, brachte die  digitale Visualisierung ebenfalls als „Ergänzung zur analogen Betrachtung“  in die Diskussion ein. Bei der Vermittlung von Kulturerbe spielten digitale Tools eine wichtige Rolle, weil sie Erfahrbarkeit verbessern. „Digital macht Freude“, resümierte Koch nicht zuletzt auch nach den Erfahrungen des Europäischen  Kulturerbejahres und mit den einhergehenden Offensiven. „Digitale Tools können Steine zum Sprechen bringen, neue Nutzergruppen erschließen und eine Vernetzung generieren.“

Zugang zum Weltwissen fördern

Carolin Kolhoff verweist auf das Ziel der UNESCO, den Zugang zum Weltwissen im digitalen Raum zu fördern.

Diese  Intention stehe in vollem Einklang mit dem Ziel der UNESCO, Zugang zum Weltwissen im digitalen Raum zu fördern, sagte Carolin Kohlhoff. „Ebenso harmoniert dieses Ziel mit dem Anliegen der Deutschen UNESCO-Kommission, den Zugang zu kulturellem Erbe für jeden zu ermöglichen.“

„Wir arbeiten für die Zukunft“

Dabei gelte es, vor allem auch junge Menschen teilhaben zu lassen, hob Mònica Borrell Giró, Direktorin des Nationalen Archäologischen Museums von Tarragona, Spanien, hervor. „Es ist wichtig, in die Zukunft zu denken und junge Menschen zu erreichen. Wir arbeiten für ihre Zukunft. “ Die jungen Menschen seien diejenigen, die morgen für den Erhalt des kulturellen Erbes Verantwortung tragen. Wie die Vorteile der digitalen Erschließung intelligent genutzt werden könnten, dazu seien bei der Tagung interessante Beispiele  zur Sprache gekommen.

Begeisterung wecken

Professor Dr. Christoph Stiegemann erläutert die Planungen zur Erschließung des Westwerks.

Um Begeisterung zu wecken, gelte es auch, die Menschen emotional einzufangen, postulierte Professor Stiegemann auch im Hinblick auf Corvey.  „Wir müssen die Inhalte so übersetzen, dass es verständlich wird und auch die emotionale Ebene erreicht.“ Angesichts der schnellen Überalterung von Bildern gelte es,  Narrative für die Vermittlung zu entwickeln, die durch ihre Überzeugungskraft eine gewisse Zeitlosigkeit gewinnen.

„Corvey ist der intensiven technischen Unterstützung geradezu bedürftig“, konstatierte Dr. Matthias Exner. Grundsätzlich hob er hervor, dass der Einsatz digitaler Tools auf wissenschaftlichen Fakten basieren und sich von populären Spielarten abgrenzen müsse. Storytelling mit Kostümfilm-Versatzstücken lehnt Dr. Exner ab.

„Qualität darf nicht leiden“

Dr. Tino Mager betont, dass die Qualität unter der Präsentation nicht leiden darf.

Auf die Qualität der Inhalte zu achten, ist auch Dr. Tino Mager vom Vorstand des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS ein Anliegen. „Die Qualität darf nicht unter der Präsentation leiden.“  Bei der Tagung habe er hervorragende Beispiele gesehen.

„Es ist zentral, dass wir eine gute wissenschaftliche Grundlage haben und die dann digitalisieren“, betonte Dr. Ringbeck. Diese Basis sei in Corvey auf höchstem Niveau  gegeben, verwies sie auf die jahrzehntelangen dokumentierten Forschungen  von Hilde Claussen und Uwe Lobbedey.

Auf gemeinsames Handeln kommt es an

Die Tatsache, dass die Forschungsergebnisse dieser beiden hochkarätigen Wissenschaftler digital dokumentiert werden, trage dazu bei, dass  Corvey als Best-Practise-Beispiel für Recovering-Prozesse in Rede stehe.

Die Tagung hat dazu beigetragen, die ehemalige Reichsabtei und ihr einzigartiges Westwerk im Kontext der internationalen Welterbestätten – in der Champions-League – zu verorten. Referenten und Teilnehmer ließen keinen Zweifel daran, dass es  bei der  Erschließung des Juwels am Weserbogen – wie letztlich bei allen besonderen Orten –  auf ein konzertiertes, gemeinsames Handeln aller Beteiligten ankommt.

Glastrennwand genehmigt

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Die Glastrennwand zwischen dem karolingischen Westwerk und dem barocken Kirchenschiff der ehemaligen Reichsabtei Corvey im Weserbogen bei Höxter ist denkmalrechtlich genehmigt. Rechtzeitig vor der großen internationalen Tagung  „Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe“ traf die Nachricht der Unteren Denkmalbehörde bei der Katholischen Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus ein und löste hier sowie beim wissenschaftlichen Kompetenzteam des Erzbistums Paderborn zur multimedialen didaktischen Erschließung des Welterbe-Westwerks einhellige Freude und Aufbruchsstimmung aus. „Was lange währt, wird endlich gut“, greift Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek eine treffende Redewendung auf.

Welterbe Westwerk Corvey · Westfassade des karolingischen Westwerks

Das Welterbe Westwerk Corvey steht im Mittelpunkt einer internationalen Tagung. Die Pläne zur multimedialen Erschließung gehen ihrer Realisierung entgegen.

„Der Denkmalschutz hat absolute Vorfahrt. Die entsprechenden Vorleistungen sind erbracht – auch unter großem finanziellem Einsatz des Erzbistums. In jeder Weise ist auf hohem Niveau Voraussicht geboten. Das haben wir getan. Das erlösende ‚Ja‘ nach diesen intensiven, denkmalgerechten Vorbereitungen ist ein großes Geschenk“, kommentiert Professor Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn und Leiter des Kompetenzteams für das Welterbe Corvey, die ersehnte Genehmigung zur Glastrennwand.

Dicke Bretter gebohrt

Diese Einschätzung teilt auch Josef Kowalski, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Gemeinde Corvey: „Es war ein dickes Brett komplexer Planungs- und Entscheidungsabläufe zu durchbohren, um den Anforderungen des Denkmalschutzes zu genügen. Jetzt aber ist es geschafft.“ Zu  verdanken sei dieser Durchbruch vor allem dem guten Miteinander der wissenschaftlichen Fachkräfte beim Erzbistum und der Unteren Denkmalbehörde in Höxter.

Die Glaswand stellt in erster Linie die Integrität des Sakralraums sicher. „Die temporäre Abtrennung ermöglicht es uns, im barocken Kirchenschiff Gottesdienste zu feiern, ohne dass es während einer Besichtigung des Westwerks zu größeren Beeinträchtigungen der Gottesdienstbesucher kommt“, erläutert Pfarrdechant Krismanek den Hauptzweck der Wand. Ihr Einbau „unterstreicht den genuinen und primären Zweck unserer Pfarrkirche, Ort der Liturgie, der Verkündigung und des Gebetes für Besucher und Pilgergruppen zu sein“.

Ein willkommener Nebeneffekt ergibt sich dadurch, dass die Glaswand als Projektionsfläche für die multimediale Inszenierung der Geschichte Corveys dienen kann. „Durch den Einsatz steuerbarer intelligenter Folien lässt sich die gläserne Abtrennung auf Knopfdruck zu 95 Prozent blickdicht verwandeln und als Durchlicht-Projektionsfläche nutzen“, erläutert Professor Stiegemann.

Karolingische Basilika

Mit dieser Technik visualisieren die Wissenschaftler unter anderem die untergegangene karolingische Basilika. Diese höchst reizvolle Inszenierung lässt dann auch die Erdgeschosshalle des Welterbe-Westwerks in einem ganz anderen Licht erscheinen. Sie führt bisher durch den lichten  barockzeitlichen Neubau der Kirche ein eher stiefmütterliches Dasein als dunkler Schwellenraum, der einzig dazu dient, die Wirkung des barocken Sakralraums zu steigern. „Ganz anders nahm sich das Raumerlebnis aus, als die karolingische Basilika noch stand“, sagt Professor Stiegemann.  Gegenüber der zurückgenommenen Lichtwirkung des Kirchenraums „trat das durch die seitlichen Fenster beleuchtete Erdgeschoss des Westwerks in seiner Tiefe wie in seiner Breite als Raum sehr viel deutlicher in Erscheinung“. Der Direktor des Diözesanmuseums brennt darauf, das untergegangene karolingische Corvey und die Strahlkraft jenes bedeutenden Zentrums der Christenheit mit dieser Inszenierung und der Erschließung des Johanneschors erlebbar zu machen.

Himmelsstadt

Die ersten Eindrücke aus dem Erdgeschoss führen die Besucher hinauf in die Himmelsstadt, als die der Johanneschor im Obergeschoss  –  das liturgische Zentrum des Westwerks  – mittels Augmented Reality wiedererstehen soll. Ohne Eingriff in die hochsensible Bausubstanz entfalten sich vor Ort die reichen Malereien, zu denen die berühmte Odysseus-Szene aus der griechischen Mythologie gehört, sowie nicht zuletzt die plastische Ausgestaltung mit den karolingischen Stuckfiguren. Deren Vorzeichnungen (Sinopien) sind im Johanneschor erhalten. Das gibt es kein zweites Mal. Dieses Alleinstellungsmerkmal wird die Menschen, wenn sie in dem Kirchenraum stehen und mit dem Tablet in dessen einstige Wirkmächtigkeit eintauchen, im Herzen bewegen. Davon ist das wissenschaftliche Kompetenzteam überzeugt. Deshalb ist es dem Team ein Anliegen, die Geschichte Corveys nicht mit virtuellen Brillen, sondern in der Wechselwirkung mit dem Ort zur Entfaltung zu bringen.

Geist und Herz werden also gleichermaßen angesprochen – zumal die Besucher die reiche Ausgestaltung dieses weltweit einzigen erhaltenen karolingischen Westwerks nicht nur sehen, sondern auch ihren Entstehungsprozess nachvollziehen können. Wie haben die Künstler gearbeitet? Die Augmented Reality macht eine detektivische Spurensuche möglich. Auch können die Besucher mit Hilfe dieser Technologie im Johanneschor forschen – so wie die Wissenschaftlerin Hilde Claussen es getan hat, der der heutige Erkenntnisstand über die Ausmalung und Ausstattung maßgeblich mit zu verdanken ist. Anhand der wenigen Wandmalereifragmente und der kaum sichtbaren Sinopien erschließt sich die ursprüngliche  Ausstattung zurzeit überhaupt nicht. Nur mit der neuen Technologie kann sie ansprechend erlebbar gemacht werden.

So werden der Raum und seine Weltgeltung neu erblühen- und jeder Besucher wird zum Botschafter dieses einzigartigen, in seiner Würde und seiner Bedeutung wirkmächtigen Ortes. „Der fesselnden Kraft dieser Inszenierungen wird man sich nicht entziehen können“, ist Professor Stiegemann überzeugt. „Denn das untergegangene karolingische Corvey wird zum Greifen nah. Das ist es, was mich nachhaltig fasziniert.“

Missionarischer Aspekt

Die Magnetwirkung der multimedialen Erschließung zunehmend mehr Besucher anziehen.

Diese „Magnetwirkung“ werde, so Kirchenvorstandsmitglied Josef Kowalski, wieder zunehmend mehr Besucher zur Welterbestätte Corvey führen und damit auch mit „Kirche“ in Berührung bringen. „Dieser missionarische Aspekt wiederum ist für uns als Kirche besonders wichtig, zumal wir uns in beiden großen christlichen Kirchen der gestiegenen Zahl von Kirchenaustritten, dadurch einem drohenden Prozess der ‚Entkirchlichung’ und in der Folge der ‚Entchristlichung’ unserer Gesellschaft entgegenstellen müssen.“ Die Leuchtturmwirkung des karolingischen Westwerks könne dabei ein wichtiger Beitrag sein, „dass wir die Wurzeln unserer christlich-abendländischen Kultur niemals vergessen“.

Fortschreibung der Verkündigung

Pfarrdechant Krismanek unterstreicht diesen Aspekt und bricht gleichzeitig eine Lanze für die Nutzung neuer Technologien: „Uns ist es wichtig, die Bedeutung der Geschichte Corveys in ihrer geistlichen Dimension als wichtiges Element unserer Verkündigung methodisch attraktiv darzustellen. Wie die Baumeister des Barock technische Elemente aus dem italienischen Theater des 16./17. Jahrhunderts übernommen haben, um die Botschaft des Evangeliums ihren Zeitgenossen mit den damals möglichen visuellen Methoden nahe zu bringen, so ist es unseres Erachtens nicht nur ein Gebot der Stunde, in ähnlicher Weise die Techniken unserer Tage zu nutzen, sondern geradezu integraler Bestandteil der Umsetzung des Verkündigungsauftrages der Kirche, solche innovativen Wege heute in Kirchengebäuden denkmalverträglich zu gehen. Diese methodisch-didaktische Fortschreibung der Verkündigung ist ein Grundbestandteil der Glaubensausübung in kirchlichen Gebäuden. Und Corvey ist für uns ein wertvoller Leuchtturm dieser Verkündigung, die immer neu unser Auftrag als Kirche Jesus Christi ist.“

Zeitplan

Die didaktische Erschließung des Johanneschores ist auch Thema der internationalen Tagung.

So wie Rom nicht an einem Tag erbaut ist, wird auch die „Himmelsstadt“ im Westwerk nicht von heute auf morgen erblühen. Der Einbau der Glaswand zwischen Westwerk und Barockkirche dauert etwa ein gutes Jahr. Für die Wand werden Bodenplatten angehoben und anschließend wieder eingesetzt. Stadtarchäologe Andreas König wird diese Arbeiten begleiten und die Flächen unter den Platten erforschen.

Parallel arbeiten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen an der Umsetzung der Augmented Reality im Johanneschor weiter. „Das inhaltliche Konzept liegt vor. Nun geht es an die Feinabstimmung“, informiert Annika Pröbe vom wissenschaftlichen Team. „Der große Charme dieser neuen Technologie liegt auch darin, dass sie ständig erweitert und auf den neuesten Stand gebracht werden kann. Wir können immer wieder andere Schwerpunkte setzen und unterschiedliche Aspekte der Architektur- und Kulturgeschichte des Westwerks in den Fokus rücken“, so Annika Pröbe.

Orgel kehrt zurück

Mit dem Einbau der Glaswand, die Bestandteil des Managementplans für das Welterbe ist und aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert wird, ist auch die Rückkehr der restaurierten Barockorgel der Abteikirche verbunden. Vor der Wand werden die Holzelemente des großartigen Instruments eingebaut. Wenn die Glasabtrennung steht, sind die Orgelpfeifen an der Reihe.

So bringt diese Start-Offensive zur didaktischen Erschließung des Westwerks das Juwel am Weserbogen im wahrsten und auch im übertragenen Sinne neu zum Klingen.

Welterbe Westwerk Corvey · Säulenhalle im Erdgeschoss, Blick auf die Wandmalereifragmente der Südwand

Multimedia meets Historie

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Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe: Internationale Tagung mit hochkarätigen Referenten in Paderborn und Corvey

Wie lassen sich Welterbestätten in ihrer Einzigartigkeit, ihrer großen Vergangenheit und ihrer kulturhistorischen Weltgeltung heute für ein breites Publikum erschließen? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer hochkarätigen internationalen Tagung am Montag, 25., und Dienstag, 26. November, in Paderborn und Corvey.

Multimedia meets Mittelalter:Für die Erschließung des Johanneschores liegen spannende Planungen vor. Foto: Kalle Noltenhans · Grafik: Ludger Schwarze-Blanke · iPad: blackzheep / Fotolia

Auf Einladung des Erzbistums Paderborn, der Deutschen UNESCO-Kommission und ICOMOS Deutschland erörtern Vertreter mehrerer europäischer Welterbestätten die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien zur Erschließung dieser besonderen Orte.

„Multimedia meets Mittelalter“ – „Hightech und Historie“: Unter diesem zeitgemäß ausgedrückten Leitmotiv steht auch das Konzept, mit dem das wissenschaftliche Kompetenzteam des Erzbistums Paderborn unter der Leitung des Direktors des Diösesanmuseums, Professor Christoph Stiegemann, die monastische Geschichte Corveys und das karolingische Westwerk in seiner ursprünglichen Ausstattung erschließt. Unter strenger Berücksichtigung der Denkmalverträglichkeit wird die von Engeln bewachte Himmelsstadt in ihrer kunstvollen Ausgestaltung und Farbigkeit zu neuer Blüte gelangen. Filmische Inszenierungen und virtuelle Rekonstruktionen werden Mauern zum Sprechen bringen und die frühmittelalterliche Geschichte des einzigartigen Klosters auffächern.

„Wir setzen neueste Technologien ein und freuen uns darauf, unser Konzept und unsere Ideen während der Tagung im Austausch mit Vertretern anderer Welterbestätten vorzustellen“, blickt Professor Stiegemann dem Symposium mit Spannung entgegen. Die Teilnehmer werden Gelegenheit haben, das breite Spektrum neuer technologischer Anwendungen an Beispielen anderer europäischer Welterbestätten zu erleben und mit Experten über den Einsatz dieser neuen Medien zur Vermittlung von Welterbe zu diskutieren.

Die internationale Tagung trägt dazu bei, Corvey in der Champions-League der großen Welterbestätten zu positionieren. Das impulsreiche Programm  mit  hochkarätigen Referenten aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Spanien ist abgesteckt. Die virtuelle Reise führt die Teilnehmer am ersten Tag im Forum St. Liborius in Paderborn zu bedeutenden Orten wie der DomusAurea in Rom, dem Welterbe Tarracoin Katalonien im Nordosten Spanien und dem Fagus-Werk in Alfeld bei Hannover. Die Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz – e-codices – steht ebenfalls im Mittelpunkt.

Der zweite Tag ist Corvey gewidmet. Führungen vor Ort im Johanneschor machen die Teilnehmer mit den Planungen für die erste und einzige Welterbestätte in Westfalen vertraut.

Die Tagung ist ausgebucht. Es haben sich Direktoren, Leiter und Mitarbeiter fast aller deutschen Welterbestätten angemeldet, außerdem Denkmalpfleger und Welterbebeauftragte der jeweiligen Denkmalämter sowie Technologie-Experten und Dozenten verschiedener UNESCO-Lehrstühle. Weitere Informationen zur Tagung erhalten Sie über Annika Pröbe M.A. (annika.proebe@erzbistum-paderborn.de).