Welterbe Westwerk Corvey

Internationale Tagung in Paderborn
mit Exkursion zum UNESCO
Welterbe Westwerk Corvey

Neue Technologien
zur Vermittlung
von Welterbe

25. | 26. November 2019

Veranstaltungsort:
Forum St. Liborius · Grube 3 · Paderborn

Veranstaltet vom Erzbistum Paderborn
mit der Deutschen UNESCO-Kommission
und ICOMOS Deutschland

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Work in progress – Nachrichten vom Welterbe Westwerk Corvey

Welterbe Westwerk Corvey · Säulenhalle im Erdgeschoss, Blick auf die Wandmalereifragmente der Südwand

Multimedia meets Historie

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Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe: Internationale Tagung mit hochkarätigen Referenten in Paderborn und Corvey

Wie lassen sich Welterbestätten in ihrer Einzigartigkeit, ihrer großen Vergangenheit und ihrer kulturhistorischen Weltgeltung heute für ein breites Publikum erschließen? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer hochkarätigen internationalen Tagung am Montag, 25., und Dienstag, 26. November, in Paderborn und Corvey.

Multimedia meets Mittelalter:Für die Erschließung des Johanneschores liegen spannende Planungen vor. Foto: Kalle Noltenhans · Grafik: Ludger Schwarze-Blanke · iPad: blackzheep / Fotolia

Auf Einladung des Erzbistums Paderborn, der Deutschen UNESCO-Kommission und ICOMOS Deutschland erörtern Vertreter mehrerer europäischer Welterbestätten die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien zur Erschließung dieser besonderen Orte.

„Multimedia meets Mittelalter“ – „Hightech und Historie“: Unter diesem zeitgemäß ausgedrückten Leitmotiv steht auch das Konzept, mit dem das wissenschaftliche Kompetenzteam des Erzbistums Paderborn unter der Leitung des Direktors des Diösesanmuseums, Professor Christoph Stiegemann, die monastische Geschichte Corveys und das karolingische Westwerk in seiner ursprünglichen Ausstattung erschließt. Unter strenger Berücksichtigung der Denkmalverträglichkeit wird die von Engeln bewachte Himmelsstadt in ihrer kunstvollen Ausgestaltung und Farbigkeit zu neuer Blüte gelangen. Filmische Inszenierungen und virtuelle Rekonstruktionen werden Mauern zum Sprechen bringen und die frühmittelalterliche Geschichte des einzigartigen Klosters auffächern.

„Wir setzen neueste Technologien ein und freuen uns darauf, unser Konzept und unsere Ideen während der Tagung im Austausch mit Vertretern anderer Welterbestätten vorzustellen“, blickt Professor Stiegemann dem Symposium mit Spannung entgegen. Die Teilnehmer werden Gelegenheit haben, das breite Spektrum neuer technologischer Anwendungen an Beispielen anderer europäischer Welterbestätten zu erleben und mit Experten über den Einsatz dieser neuen Medien zur Vermittlung von Welterbe zu diskutieren.

Die internationale Tagung trägt dazu bei, Corvey in der Champions-League der großen Welterbestätten zu positionieren. Das impulsreiche Programm  mit  hochkarätigen Referenten aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Spanien ist abgesteckt. Die virtuelle Reise führt die Teilnehmer am ersten Tag im Forum St. Liborius in Paderborn zu bedeutenden Orten wie der DomusAurea in Rom, dem Welterbe Tarracoin Katalonien im Nordosten Spanien und dem Fagus-Werk in Alfeld bei Hannover. Die Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz – e-codices – steht ebenfalls im Mittelpunkt.

Der zweite Tag ist Corvey gewidmet. Führungen vor Ort im Johanneschor machen die Teilnehmer mit den Planungen für die erste und einzige Welterbestätte in Westfalen vertraut.

Die Tagung ist ausgebucht. Es haben sich Direktoren, Leiter und Mitarbeiter fast aller deutschen Welterbestätten angemeldet, außerdem Denkmalpfleger und Welterbebeauftragte der jeweiligen Denkmalämter sowie Technologie-Experten und Dozenten verschiedener UNESCO-Lehrstühle. Weitere Informationen zur Tagung erhalten Sie über Annika Pröbe M.A. (annika.proebe@erzbistum-paderborn.de).

“Es war ein erhebendes Gefühl, im Westwerk zu arbeiten”

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Einmal in der Heimat arbeiten – und dann auch noch im Welterbe Westwerk Corvey: Dieser besondere Herzenswunsch hat sich für den Restaurator Rudolf Geburzi (54) vor einigen Monaten erfüllt. Im Interview berichtet der gebürtige Höxteraner über seine Befunduntersuchungen an der Stuckdecke des Johanneschores und über seine persönlichen Beziehungen zu Corvey, die auch nach Corbie, den Standort des Mutterklosters der einstigen Reichabtei, führen.

 

Sie haben im Johanneschor des Westwerks Voruntersuchungen und Schadensaufnahmen an der renaissancezeitlichen Stuckdecke vorgenommen. War es für Sie eine besondere Ehre, an jenem Ort, den Sie seit Ihrer Kindheit kennen und schätzen, beruflich wirken zu dürfen?

Restaurator Rudolf Geburzi aus Höxter hat im Johanneschor des Westwerks gearbeitet.

Rudolf Geburzi: Ich bin mein ganzes Berufsleben lang überregional, sehr oft im Rhein-Main-Gebiet tätig. Zwischen der Heimat und meinen Einsatzorten liegen meistens hunderte Kilometer. Oft regte sich in mir die Sehnsucht, auch mal im Weserbergland zu arbeiten, das ja nicht arm an kulturellen Schätzen ist. In erster Linie hatte ich dann immer Corvey im Kopf – die innerste Herzkammer meiner Heimat. Es war ein Herzenswunsch, an diesem besonderen Kristallisationspunkt zu arbeiten. Daher war es ein erhebendes Gefühl, im Westwerk tätig zu sein.

 

Welche Erkenntnisse haben Sie bei der Begutachtung der renaissancezeitlichen Decke gewonnen?

Rudolf Geburzi: Mein Kollege Wolfgang Hansmann und ich haben für die Firma Wibbeke aus  Geseke die Stuckdecke untersucht und festgestellt, dass sie immer weiß getüncht war. Die Ornamentik war nie farblich abgesetzt, sondern hat immer nur in ihrer eigenen Plastizität gewirkt. Die Muster sind um 1586 mit einer Holzform direkt vor Ort in den noch nicht trockenen Putz gedrückt worden. Der Zustand hat sich trotz vereinzelter Rissbildungen und einiger roh liegender Teile als recht gut und tragfähig herausgestellt. Die Weserrenaissance-Decke im Westwerk war stilbildend für repräsentative Gebäude ihrer Zeit. Ein Vergleichsbeispiel findet sich im Heisterman-von-Ziehlbergschen Adelshof an der Westerbachstraße in Höxter.

 

Was haben Sie während der vielen Stunden, die Sie im Johanneschor verbracht haben, empfunden? Haben sich Szenen aus Corveys monastischer Vergangenheit vor Ihrem geistigen Auge abgespielt?

Rudolf Geburzi: Wenn ein Wald von Gerüsten und luxstarke Leuchten den Raumeindruck prägen, ist das Verhältnis zum Objekt eher sachlich. Während der Arbeit rückt die Phantasie in den Hintergrund. Erblüht ist sie hingegen immer, wenn ich Führungen gemacht habe – wenn ich im offenen Raumgefüge des Johanneschores stehe und die Geschichte dieses Ortes erläutere. Unter entsprechenden Rahmenbedingungen tauche ich in die Vergangenheit ein. Bei der Arbeit hingegen tritt die Phantasie hinter den gegenwärtigen Gegebenheiten zurück.

 

Was ist Ihre erste Erinnerung in Zusammenhang mit Corvey?

Rudolf Geburzi: Als ich 1971 in der ersten Klasse war, unternahmen wir einen Wandertag nach Corvey. Wir besichtigten die Kirche sowie das karolingische Westwerk und liefen auch um das gesamte Anwesen herum. Aus der Perspektive eines Sechsjährigen kam mir die Anlage immens groß und faszinierend unheimlich vor. Die Schlossfassaden waren zum Teil berankt, die Gräfte waren noch offen, die Domänen wirkten gewaltig. Wir Kinder haben uns zugeraunt, dass wir aus diesem Labyrinth nie wieder rauskommen, wenn wir uns darin verlaufen sollten.

 

Detailaufnahme der Stuckdecke im Johanneschor. Foto: Ansgar Hoffmann

Sie haben regelmäßig Gruppen und auch private Gäste mit Corvey und seiner bedeutenden monastischen Geschichte vertraut gemacht. Wie reagieren die Besucher auf diesen besonderen Ort?

Rudolf Geburzi: Die Besucher reagierten je nach Interessenshintergrund unterschiedlich. Schüler im Teenager-Alter, für die der Besuch Pflichtprogramm war, ließen sich natürlich nicht so leicht begeistern. Jüngere Kinder hingegen reagierten aufgeschlossen. Sie staunten und ließen ihre Phantasie spielen. Besonders gute Erfahrungen habe ich mit ausländischen Gruppen gemacht. Ich habe Gäste aus Frankreich, Polen, Großbritannien und den USA geführt. Mit ihnen entstand immer ein wechselseitig befruchtendes Gespräch. Die Zeit verging wie im Fluge.

 

 

Erinnern Sie sich an den Tag der Welterbe-Anerkennung im Juni 2014? Wo waren Sie, als die frohe Kunde aus Katar kam?

Rudolf Geburzi: Ja, ich erinnere mich. Ich hatte in Darmstadt zu tun und untersuchte eine Fassade aus dem 19. Jahrhundert. Meine Mutter rief mich an und erzählte mir freudestrahlend von der Welterbe-Anerkennung.

 

Dieses Detailfoto einer Balkenuntersicht zeigt Pressmodeln mit Greifenköpfen. Foto: Ansgar Hoffmann

Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?

Rudolf Geburzi: Ich war glücklich und froh. Ein solches Kulturerbe-Monument wertet die gesamte Region, die ja reich an kulturellen Schätzen und landschaftlichen Reizen ist, touristisch auf. Der Welterbe-Status ist eine Herausforderung, die jetzt mit Substanz erfüllt werden muss. Hier ist ja einiges in Bewegung. Die multimediale Erschließung des Westwerks wird großes Interesse wecken. Corvey ist ein Diamant, der  geschliffen werden muss. Das Schleifrädchen dreht sich schon.

 

Sie haben familiäre Bande nach Frankreich. Ihre Ehefrau stammt aus Amiens, das nicht weit entfernt ist von Corveys Mutterkloster Corbie. Mönche von dort gründeten 822 die Benediktinerabtei im Weserbogen. Sehen Sie dem Jubiläumsjahr 2022 angesichts Ihrer familiären Verbundenheit mit besonderer Freude entgegen?

Rudolf Geburzi: Die Ehe mit meiner Frau Anne-Lise ist ein Resultat der Städtepartnerschaft zwischen Höxter und Corbie. Über gemeinsame Freunde haben wir uns kennengelernt. Vor diesem Hintergrund sehe ich dem Corvey-Jubiläum mit Freude und Spannung entgegen. Die freundschaftlichen Bande zwischen den beiden Städten haben in der Gründung Corveys  ihre Wurzeln. Interessanterweise sind die Verbindungen nach Nordfrankreich seit damals trotz aller wechselhaften Zeitläufe der Geschichte nie ganz abgerissen. Das wird mir angesichts des Corvey-Jubiläums  bewusst.

Das Gespräch führte Sabine Robrecht.

 

Impressionen vom Tag des offenen Denkmals

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Nachhaltige Eindrücke haben zahlreiche Besucher jetzt im Welterbe Westwerk Corvey gewonnen: Das wissenschaftliche Kompetenzteam zur Erschließung dieses Juwels im Weserbogen bei Höxter hat zum zweiten Mal beim Tag des offenen Denkmals Führungen angeboten. Die Aura des Ortes blühte geradezu auf, als die Gäste die von Engeln bewachte Himmelsstadt mit fachkundiger Begleitung erkundeten.
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Tag des offenen Denkmals am 8. September

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Welterbe-Westwerk öffnet die Türen

Das Team um das Welterbe Corvey nimmt am Sonntag, 8. September, zum zweiten Mal am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ teil und bietet kostenlose Führungen durch das karolingische Westwerk und die barocke Abteikirche an. Die von Experten begleiteten Erkundungen der Welterbestätte starten um 10, 11, 14 und 15 Uhr.
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Motive ins Herz geschlossen

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Ihre Diplomarbeit hat sie über karolingische Wandmalereifragmente geschrieben. Großartige Schätze aus genau dieser Zeit nahm sie bis vor kurzem im Welterbe Westwerk Corvey unter die Lupe. Deshalb hatte der Auftrag, für die Befunduntersuchungen im karolingischen Westwerk die restauratorische Fachbauleitung zu übernehmen, für Karen Keller aus Köln eine besondere persönliche Note.

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Von Luftströmen und Salzen

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Untersuchungen im Westwerk helfen bei der Zukunftsplanung

Im Jahr 885 wurde das Corveyer Westwerk geweiht. 1.133 Jahre wechselvolle Geschichte und diverse Restaurierungsmaßnahmen – die alle dem Wissensstand ihrer Zeit entsprachen – haben Spuren hinterlassen. Read More

Hightech trifft Historie

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Maßnahmen und Projekte der Kirche
zum Erhalt und zur Erschließung des Welterbes Westwerk Corvey

Auszug aus einem Vortrag von Prof. Dr. Christoph Stiegemann
Mitte Februar 2018

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich möchte Sie heute in die spannende Welt von Hightech und Historie, Wissenschaft und multimedialer Erschließung des Welterbes einführen. Dabei hat für uns das Erlebnis des Originals absoluten Vorrang, dessen Aura ist ein Alleinstellungsmerkmal, das weder zu ersetzen noch zu überbieten ist. Read More