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„Wir wollen die Herzen der Menschen gewinnen“

By 17. Juni 2020No Comments

Im Welterbe Westwerk Corvey gehen die restauratorischen Arbeiten zügig voran. Nach Jahren der Vorbereitungen und Feinabstimmungen haben die Baumaßnahmen inzwischen rasant und sichtbar Fahrt aufgenommen. Genau der richtige Zeitpunkt also, um einen Förderverein aus der Taufe zu heben. Dieser hat sich jetzt gegründet. Vorsitzender Rudolf Jäger und seine Mitstreiter hoffen, dass viele Corvey-Begeisterte ihrem Beispiel folgen und dem neuen „Förderverein Karolingisches Westwerk Corvey“ beitreten.

Der Banker, langjähriges Vorstandsmitglied der Verbundvolksbank OWL, widmet sich nach Eintritt in den Ruhestand dem Juwel im Weserbogen. „Corvey liegt mir am Herzen“, begründet Rudolf Jäger (68)  sein Engagement. „Das Westwerk ist weithin einzigartig – das einzige Welterbe in Westfalen. Ich hoffe sehr, dass wir die Identifikation der Menschen mit diesem Leuchtturm intensivieren.“

Der Vorstand des neuen Fördervereins präsentiert im Erdgeschoss des Westwerks das Roll-up mit dem ansprechenden Logo und der Aufschrift der aus der Erbauungszeit stammenden Inschriftentafel samt Übersetzung: „Umhege, o Herr, diese Stadt und lass deine Engel die Wächter ihrer Mauern sein.“ Michael Koch (von links), Martin Bienen, Friedhelm Meyer, Rudolf Jäger und Prälat Andreas Kurte möchten die Menschen für das einzigartige Westwerk begeistern. Die Aufnahme ist vor der Corona-Krise entstanden.

In dieser Mission steht ihm als stellvertretender Vorsitzender ein Geistlicher zur Seite, der Corvey kennt und nun, wie er sagt, „an den Tatort zurück kehrt“: Domkapitular Monsignore  Andreas Kurte (56), von 2003 bis 2008 Pfarrdechant in Höxter und jetzt Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat, übernimmt mit Leidenschaft im Verein Verantwortung. „Seit ich Pfarrdechant war, beschäftige ich mich gerne mit Corvey“, berichtet der Geistliche. Und er ist ein ausgewiesener Kenner der monastischen Geschichte dieses Zentrums der Christenheit: Kurte hat 2017 ein Buch über die Äbte, Fürstäbte und Fürstbischöfe der ehemaligen Reichsabtei geschrieben. Jetzt hofft er, dass viele Menschen den neuen Verein unterstützen. Denn: „Wir haben hier einen Schatz vor Augen.“

Diesem fühlt sich Höxters Stadtarchivar Michael Koch seit seinem Studium verbunden. In den 1990-er Jahren war er an Grabungen an diesem besonderen Ort beteiligt. „Corvey ist für mich eine Herzenssache“, sagt er. Daher arbeitet Koch, der aus seinen Forschungen profundes Wissen einbringt, im Vorstand des Fördervereins mit und übernimmt die Aufgabe des Schriftführers. Friedhelm Meyer (Schatzmeister, Paderborn, bis 2010 Leiter der Stadtkämmerei) und Martin Bienen (stellvertretender Schatzmeister,  Steuerberater und Wirtschaftsprüfer aus Paderborn) komplettieren den Vorstand.

Bewährte Zusammenarbeit

Professor Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn und Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams zur Erschließung des Westwerks, arbeitet seit der großen Karolinger-Ausstellung 1999 im Museum in Paderborn eng mit Friedhelm Meyer und Martin Bienen zusammen. In dieser bewährten Konstellation wollen die drei nun gemeinsam den Förderverein etablieren. „Er ist ein wichtiges Instrument, um das Westwerk nachhaltig in die Öffentlichkeit zu tragen und ein Bürgerengagement zu mobilisieren“, betont Professor Stiegemann.  Es gelte die Herzen der Menschen zu erreichen. „Dazu eignet sich ein Förderverein ganz hervorragend. Ich bin glücklich, dass wir ihn jetzt gegründet haben“, brachte Professor Stiegemann seine Freude zum Ausdruck.

Breite Unterstützung

Konzentrieren soll sich das Engagement – wie der Vereinsname verdeutlicht – auf das karolingische Westwerk und nicht auf die Civitas, die auch zum Welterbe gehört und als Bodendenkmal im Verborgenen liegt. Im Westwerk werde, so Professor Stiegemann,  auf lange Sicht viel zu tun sein. Das fange mit der multimedialen Erschließung an. Die Zeitreise der Besucher in die bewegte Geschichte des im Mittelalter hochbedeutenden Klosters beginnt in der Erdgeschosshalle. Im Johanneschor soll dann die ursprüngliche Ausgestaltung dieses erhabenen Sakralraums anhand zweier Erzählstränge erlebbar werden. Unter anderem sollen die Gäste den Freskanten des 9. Jahrhunderts geradezu über die Schulter schauen können. „Dafür benötigen wir die breite Unterstützung des Fördervereins.“ Über die Erschließung hinaus stehen  konservatorische Aufgaben und ein kontinuierliches Monitoring auf der Agenda.

Für all diese Notwendigkeiten zum Erhalt der Denkmalsubstanz auch für kommende Generationen sowie zur Unterhaltung und Pflege des Westwerks will der Verein Fördermittel und auch Spenden akquirieren. Hinzu kommen wissenschaftliche Projekte und Forschungen, Veröffentlichungen sowie didaktische Aktivitäten zur  Vermittlung der Geschichte des Westwerks und der Bedeutung der früheren Benediktinerabtei als kulturelles und geistliches Zentrum mit gesellschaftlichem und politischem Einfluss. Der Verein schreibt sich außerdem Vorträge, Tagungen und die Herausgabe themenbezogener Publikationen auf die Fahnen.

Mit der Gründungsversammlung sind für diese ambitionierten Ziele die ersten formellen Weichen gestellt. Der Vorstand ist gewählt, die Satzung ist beschlossen. Die Eintrag ins Vereinsregister folgt.

Die Engagierten der ersten Stunde trafen sich vor der Gründungsversammlung in der Dechanei in Höxter zunächst im Westwerk, für das sie sich stark machen wollen: Albert Henne (von links, Architekt aus Höxter, er betreut die Bauarbeiten im Westwerk), Josef Ahrens (Unternehmer aus Ottbergen), Bernhard Schulte (Paderborn, Bauamt des Generalvikariats), Martin Bienen (Paderborn, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer), Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek, Professor Dr. Christoph Stiegemann (Direktor des Diözesanmuseums Paderborn), Friedhelm Meyer (ehemaliger Stadtkämmerer der Stadt Paderborn), Prälat Andreas Kurte, Rudolf Jäger (ehemaliges Vorstandsmitglied der Verbundvolksbank OWL), Claudia Koch (Baudezernentin Stadt Höxter), Martin Dirkes (Sparkasse Höxter), Michael Koch (Stadtarchivar Höxter), Dr. Richard Böger (Paderborn, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas) und Heinz-Hermann Doninger (Beverungen, bis 2011 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der damaligen Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold und seit 2009 amtierender Vorsitzender des Fördervereins zur Rettung der Barockorgel der Abteikirche Corvey). Die Aufnahme ist vor der Corona-Krise entstanden. Fotos: Sabine Robrecht

Dr. Hans-Bernd Krismanek, Pfarrdechant und Pfarrverwalter der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey, zeigte sich hocherfreut über diese wichtigen ersten Schritte. Die Verbundenheit zur Kirchengemeinde, die für das Westwerk und die Abteikirche verantwortlich zeichnet, dokumentiert sich auch im Logo des neuen Fördervereins. Dieses zeigt – wie auch das Logo der Kirchengemeinde und des Pastoralverbunds Corvey – als Motiv mit Wiedererkennungswert die Silhouette der Doppelturmfassade des karolingischen Sakralbaus. Ein diagonaler Schnitt im Signet des Fördervereins vermittelt eine Dynamik, wie sie derzeit auf der Baustelle in der Erdgeschosshalle des Westwerks und demnächst im Johanneschor zu erleben ist. Zeitlos, stilvoll, ansprechend: Das von Professor Stiegemann in der Gründungsversammlung vorgestellte Logo stieß auf einhellige Zustimmung.

Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 50 Euro pro Jahr. Prälat Kurte regte an, einen Studierenden-Beitrag von 25 Euro anzubieten, um auch junge Menschen zu erreichen. Für Institutionen liegt der Jahresbeitrag bei 150 Euro.

Während der Westwerk-Förderverein an den Start geht, steht der Förderverein „Chorus“ für die Rettung der Springladen-Orgel der Abteikirche kurz vor dem Ziel. „Wenn die  Orgel tatsächlich 2021 fertig gestellt ist“, so Vorsitzender Heinz-Hermann Doninger, „wäre zu überlegen, den Mitgliedern gegebenenfalls einen Wechsel in den neuen Förderverein zu empfehlen“.

Wer beitreten möchte, kann sich in Kürze über die Homepage www.welterbewestwerkcorvey.de den Mitgliedsantrag herunterladen. Erhältlich ist er jetzt bereits im zentralen Pfarrbüro in Höxter, Marktstraße 19, Telefon 05271/498980, E-Mail info@pv-corvey.de.