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130 Ordensleute zu Gast im Welterbe Corvey

By 18. September 2023Februar 15th, 2024No Comments

So viele Ordensleute auf einmal hat Corvey wahrscheinlich seit Jahrhunderten nicht mehr erlebt: 130 Frauen und Männer aus 21 Ordensgemeinschaften und Instituten des geweihten Lebens im Erzbistum Paderborn haben die ehemalige Benediktinerabtei und heutige Welterbestätte im Weserbogen bei Höxter mit dem Geist ihrer ursprünglichen Spiritualität erfüllt.

Weihbischof Matthias König zelebrierte die Eucharistiefeier in der ehemaligen Abteikirche mit Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek (links), Diakon Erwin Winkler (2. von rechts) und Pater Siegfried Modenbach. Die hereinscheinenden Sonnenstrahlen erfüllten die Kirche mit einer besonderen Lichtstimmung.

Weihbischof Matthias König zelebrierte die Eucharistiefeier in der ehemaligen Abteikirche mit Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek (links), Diakon Erwin Winkler (2. von rechts) und Pater Siegfried Modenbach. Die hereinscheinenden Sonnenstrahlen erfüllten die Kirche mit einer besonderen Lichtstimmung. Fotos: Kirchengemeinde/Sabine Robrecht

Auf Einladung der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey hatte die Paderborner Ordenskonferenz das strahlkräftige Weltdenkmal mit fast 1000-jähriger monastischer Tradition und bis heute vitalem Glaubensleben als Ort für ihren jährlichen Ordenstag ausgewählt. Die Zusammenkunft vermittelte eine Vorstellung von der besonderen Ausrichtung eines geweihten Lebens auf Gott – und von der Kraft des Gebets, die Ordenschristen mit ihrer Berufung und ihren unterschiedlichen Charismen überall auf der Welt zur Entfaltung bringen.

Blick von der Orgelempore in die Kirche: Die Ordenschristen hatten sich zur Eucharistiefeier mit Weihbischof Matthias König versammelt.

Blick von der Orgelempore in die Kirche: Die Ordenschristen hatten sich zur Eucharistiefeier mit Weihbischof Matthias König versammelt.

Besondere Lichtstimmung

Zum Gebet versammelten sich die 130 Ordensfrauen und -männer in der ehemaligen Abteikirche Corvey. Als sie den Tag dort mit einer Eucharistiefeier begannen, schien sich ein Blick in den Himmel zu öffnen. Diesen bewegenden Sinneseindruck erweckten die Sonnenstrahlen, die durch die Fenster hereinschienen und die prachtvolle Barockausstattung der Kirche zusammen mit dem aufsteigenden Weihrauch in eine geradezu mystische Lichtstimmung tauchten.

Diese trug zu einem Eindruck bei, den Abt Pater Cosmas Hoffmann von der Benediktinerabtei Königsmünster Meschede beim Ordenstag gewonnen hat: „Die Kirche in Corvey ist bis heute ein wirklich spiritueller und heiliger Ort, dessen ‚Mauern die Engel wie Wächter umgeben‘“, griff der kürzlich zum Abt gewählte Ordensgeistliche den Text der Inschriftentafel aus der Gründungszeit des Klosters Corvey vor 1200 Jahren auf, von der eine Kopie an der Doppelturmfassade des karolingischen Westwerks angebracht ist.

Die vielen Ordensleute in der Abteikirche Corvey vermittelten Eindrücke von ihrem besonderen Glaubensleben und ihrem segensreichen Wirken.

Die vielen Ordensleute in der Abteikirche Corvey vermittelten Eindrücke von ihrem besonderen Glaubensleben und ihrem segensreichen Wirken.

Beispiel der Ordensleute inspiriert

Dieses steingewordene Glaubenszeugnis ließen die Ordenschristen bei schönstem Spätsommerwetter auf sich wirken. Inspiriert von seiner Aura bestärkten sie sich unter dem Leitwort des Tages, „Gegründet auf Christus in die Zukunft gehen“, neu auf ihrem Glaubensweg. Und strahlten trotz Nachwuchsmangels und größter Sorgen um den Fortbestand klösterlicher Gemeinschaften eine Spiritualität aus, die Menschen auf deren Suche nach Sinn und Ziel ihres Lebens Halt gibt.

Weihbischof Matthias König, Bischofsvikar für die Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens, zelebrierte die Eucharistiefeier in der Abteikirche und brachte in seiner Predigt die wichtige Rolle der Ordenschristen bei der Verkündigung des Evangeliums ins Bewusstsein: „Durch Ihre Berufung können Sie dazu beitragen, dass Menschen die Fährte des Gottessohnes und seiner frohmachenden Botschaft aufnehmen.“ Das Beispiel der Ordenschristen inspiriere bis heute viele Menschen dazu, Christus zu entdecken und in ihr Leben hineinzulassen. „Durch Ihre Gebetszeiten, Ihre Treue und Ihre Hinwendung geben Sie den Menschen eine Ahnung davon, was es heißt, ihr Leben auf Christus zu gründen.“

Es geht mit Christus und um Christus: Weihbischof Matthias König ermutigte in seiner Predigt dazu, „sich mit Jesus auf den Weg zu machen“.

Es geht mit Christus und um Christus: Weihbischof Matthias König ermutigte in seiner Predigt dazu, „sich mit Jesus auf den Weg zu machen“.

Dramatische Not des Nachwuchsmangels

Leider habe die Not des Nachwuchsmangels dramatischste Ausmaße angenommen, so dass es nur mit Mühe möglich sei, den kontemplativen klösterlichen Tagesablauf aufrechtzuerhalten. Hinzu komme die alles überdeckende Sorge um die Mehrheit der alten und pflegebedürftigen Mitglieder der Konvente. „Die Überlebensstrategien fordern alle Kraft.“ Zwangsläufig bleibe Christus auf der Strecke.

Ihn in entscheidenden Situationen in die Mitte zu holen – dazu ermutigte Weihbischof König aus einer, wie er sagte, intensiven eigenen Erfahrung heraus: Als es für die Wahl des neuen Erzbischofs um die Namens-Vorschlagsliste für den Vatikan ging, hatte das Domkapitel die Idee, 14 Frauen und Männer aus den Gemeinden zu beteiligen. Dieses neue Gremium habe seine entscheidende Beratung bewusst mit der Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten begonnen. Am Ende seien die Vorschläge der 14 Domherren und der 14 Gläubigenvertreter „von erstaunlicher Kongruenz“ gewesen. Es sei also klug gewesen, sich mit Jesus auf den Weg zu machen, schlussfolgerte Weihbischof König. „Die Anbetung und die Anrufung des Heiligen Geistes haben gewirkt.“ Also: „Nicht alles nur nüchtern und sachlich abhandeln, sondern den Herrn in Ihre Mitte rufen.“ Es gehe um Christus und mit Christus – „auch wenn uns als Kirche das Wasser bis zum Hals und noch höher steht.“

Wieder Benediktiner im Chorgestühl der ehemaligen Abteikirche Corvey: Der neue Abt der Abtei Königsmünster, Pater Cosmas Hoffmann (2. von rechts), war gemeinsam mit Mitbrüdern zum Ordenstag gekommen.

Wieder Benediktiner im Chorgestühl der ehemaligen Abteikirche Corvey: Der neue Abt der Abtei Königsmünster, Pater Cosmas Hoffmann (2. von rechts), war gemeinsam mit Mitbrüdern zum Ordenstag gekommen.

Weniger, aber stark und vital

„Wir werden weniger. Aber wir sind noch da – stark und vital“, hatte der geistliche Würdenträger die Gäste nach ihrer Ankunft im Saal des Schlossrestaurants mit beherzten Worten begrüßt. Den Orden des heiligen Benedikts, der das monastische Leben in Corvey begründet und geprägt hatte, repräsentierten neben Abt Cosmas Hoffmann und seinen Mitbrüdern aus der Abtei Königsmünster auch Äbtissin M. Sophia Schwede von der benachbarten Benediktinerinnen-Abtei vom Heiligen Kreuz Herstelle und einige Mitschwestern. Die Benediktinerinnen-Abtei Varensell war ebenfalls vertreten.

Der Vorsitzende der Ordenskonferenz, Pallottinerpater Siegfried Modenbach aus dem Geistlichen Zentrum Kohlhagen im Sauerland, ordnete den Tag als gegenseitige Stärkung im Glauben ein. „Deshalb wollen wir heute auch ein Glaubensfest feiern.“ Dem heiligen Vinzenz Pallotti, Gründer seiner Gemeinschaft, sei es ein Anliegen, „dass wir mit unserem Leben Zeugnis geben von Gott, der jeden Menschen unendlich liebt“. Das solle jeder und jede an seinem Platz und in seiner Lebensform tun. „Lassen wir uns auch darin neu bestärken.“

Ordenstag in der Welterbestätte Corvey: Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek (von links), Abt Pater Cosmas Hoffmann (Königsmünster), Pater Siegfried Modenbach (Geistliches Zentrum Kohlhagen, Vorsitzender der Ordenskonferenz), Pater Klaus-Ludger Söbbeler (Prior Königsmünster) und Josef Kowalski (geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde Corvey).

Ordenstag in der Welterbestätte Corvey: Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek (von links), Abt Pater Cosmas Hoffmann (Königsmünster), Pater Siegfried Modenbach (Geistliches Zentrum Kohlhagen, Vorsitzender der Ordenskonferenz), Pater Klaus-Ludger Söbbeler (Prior Königsmünster) und Josef Kowalski (geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde Corvey).

Glanzlicht im Jubiläumsprogramm

Die segensreiche Überzeugungskraft der Ordenschristen war 822 der Beginn der großen Geschichte der Benediktinerabtei Corvey. Im Festprogramm zu ihrem 1200-jährigen Bestehen war die Zusammenkunft der 130 Frauen und Männer ein Glanzlicht. Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek berichtete, dass der Ständige Diakon Erwin Winkler angeregt hatte, den Ordenstag im Jubiläumsjahr nach Corvey einzuladen.  Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey begrüßte die Gäste im Namen seiner Familie, die seit mehr als 200 Jahren Verantwortung in Corvey mittrage.

Auf den Spuren der langen Geschichte der heutigen Welterbestätte wandelten die Ordenschristen im Verlauf des Tages bei Führungen und Vorträgen. Sie erlebten Corvey als Weltdenkmal und Glaubensort mit Strahlkraft sowie zugleich auch als Hotspot der Landesgartenschau. Diese zog an dem sonnigen Tag tausende Menschen an. Mitten unter ihnen zu sein, erfüllte die Ordensleute mit Freude. Weihbischof König wünschte dem Großevent einen für Höxter und Corvey nachhaltigen Erfolg.

Text: Sabine Robrecht