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Von Einhausungen und verhüllten Kapitellen

By 3. März 2020 März 20th, 2020 No Comments

Fortschritte: Erdgeschosshalle des Westwerks präsentiert sich als Baustelle

Die Südseite im Erdgeschoss des karolingischen Westwerks ist hinter einer Plane verborgen, die Kapitelle und Kämpfer-Gesimse der Säulen und Pfeiler präsentieren sich verhüllt: Die Eingangshalle im Welterbe kündet in diesen Tagen eindrucksvoll von den weiter fortschreitenden Baumaßnahmen.

An der Nordseite der Erdgeschosshalle ist der Putz abgeschlagen. Fotos: Sabine Robrecht

In dem quadratischen Raum mit seinem Kreuzgratgewölbe fehlt an der Nordseite im Sockelbereich der Putz. „Er ist abgeschlagen worden, weil er durch Salze geschädigt war“, berichtet Architekt Albert Henne aus Höxter, der die Arbeiten im Auftrag der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey betreut. Fachleute bringen in Abstimmung mit der Denkmalpflege einen Feuchteregulierungsputz auf.

Eugen Materi (links) und Viktor Richter bauen in die “Wand auf Zeit” eine Tür ein.

Das gleiche geschieht auf der Südseite. Auch hier wird bis auf eine bestimmte Höhe vom Sockel aus der Putz abgeschlagen. Um den Staub, der dabei entsteht, im Zaum zu halten, haben Eugen Materi und Viktor Richter von der Firma Wibbeke Denkmalpflege die komplette Front zunächst mit so genannten Einhausungen vom Rest der Eingangshalle abgetrennt. An eine feste Ständerkonstruktion aus Holz haben sie eine atmungsaktive Spezialfolie befestigt. „Das machen wir oft in Kirchen“, erzählt Eugen Materi. „Erhalten und sichern heißt die Devise.“ Sagt’s und bringt zusammen mit  seinem Kollegen ein einzelnes Element der Einhausung an die richtige Stelle: Dort, wo es hinaus zum Friedhof geht, haben die beiden Fachhandwerker eine Tür in die „Wand auf Zeit“ eingebaut.

Blick in die Erdgeschosshalle des Westwerks: Die Kapitelle und Kämpfer-Gesimse der Säulen und Pfeiler sind verhüllt.

Neben den Wandflächen der Erdgeschosshalle  nehmen sich Restauratoren auch der Pfeiler und Säulen an. Salz- und Gipskrusten werden fachgerecht entfernt. Und: Die mittleren Säulen sind  vor einigen Jahrzehnten in einem Sandstein-Farbton gestrichen worden. „Dieser dispersionshaltige Anstrich wird schonend entfernt“, kündigt Albert Henne an. „Moderne Geräte machen es möglich, dass nur die Farbe runtergeht.“ Das haben die Fachleute an einer Stelle erfolgreich probiert.

Planungen für die Glaswand

Die schmucken korinthischen Kapitelle und auch die Kämpfer-Gesimse bekommen von all dem nichts mit. Sie „schlummern“ hinter Schutzfolien. In zwei bis zweieinhalb Monaten sollen die meisten   restauratorischen Arbeiten abgeschlossen sein – so dass die Eingangshalle in der ihr eigenen, besonderen Raumwirkung und mit ihren steinernen Zeugnissen der karolingischen Renaissance wieder erlebbar sein wird.

Eugen Materi befestigt die atmungsaktive Folie an der Ständerkonstruktion.

Nahtlos gehen die Baumaßnahmen weiter. Die Planungen und Voruntersuchungen für die Glastrennwand zwischen Westwerk und Abteikirche sind der nächste Schritt. „Wir müssen den Boden öffnen und die Archäologen hineinschauen lassen.“

Auf der linken Seite der zukünftigen Glaswand haben die Experten bereits Bodenuntersuchungen vorgenommen und den Einbau des Fundaments als unbedenklich eingestuft. „Wir gehen davon aus, dass dies auf der anderen Seite auch der Fall sein wird.“

Die Glaswand trennt das karolingische Westwerk vom barocken Kirchenschiff und stellt in erster Linie die Integrität des Sakralraums sicher. Ein willkommener Nebeneffekt ergibt sich dadurch, dass die Glaswand als Projektionsfläche für die multimediale Inszenierung der Geschichte Corveys dienen kann.

 

Hinter den Pfeilern und Säulen der Erdgeschosshalle ist die weiße Wand der Einhausung zu sehen.

Gerüste bleiben vorerst stehen

Die didaktische Erschließung des Welterbes im Weserbogen bei Höxter ist wohlklingende Zukunftsmusik. Zur Vorbereitung der virtuellen Wiederauferstehung dieses Zentrums der Christenheit sind auch im Johanneschor – dem liturgischen Zentrum des Westwerks – restauratorische Arbeiten notwendig. Daher bleiben die Gerüste in der am 4. April beginnenden Saison zunächst stehen.

Die Arbeiten im Johanneschor müssen abgeschlossen sein, bevor die sensiblen Bleipfeifen der restaurierten Springladen-Orgel an ihren exponierten Platz zurückkehren können. Der technische Einbau dieses bedeutenden Instruments mitsamt der aufwändigen Tragkonstruktion und dem Gehäuse für die Balganlage im Dachraum über dem Kirchenschiff läuft ab Mai weiter.

Es tut sich also stetig etwas im Welterbe Westwerk Corvey. Wir werden fortlaufend berichten.