Die Andreas Schneider-Orgel von 1681 wird zur Zeit restauriert

Die kostbare Barockorgel der ehemaligen Abteikirche wird restauriert

Sie ist die Königin der Instrumente – die Orgel. Und jedes dieser großen und großartigen Instrumente hat einen ganz eigenen Charakter. Die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus in Corvey nennt ein außergewöhnliches Kleinod ihr Eigen: die mehr als 300 Jahre alte, kostbare Barockorgel des westfälischen Orgelbaumeisters Andreas Schneider ist ein Instrument von überragender Qualität und Schönheit. Sie besitzt 32 klingende Register und gehört zu den wenigen Springladen-Orgeln weltweit, die bis heute erhalten geblieben sind. Vorteil der Springlade gegenüber einer Schleiflade ist deren Unempfindlichkeit bei Klimaveränderungen. Der Nachteil: Die große Anzahl an Ventilen birgt Fehlerquellen. „Das ist Hightech des Mittelalter“, sagt Dekanatskirchenmusiker Jörg Kraemer, Beauftragter für Orgelbau im Erzbistum Paderborn, „Ich habe große Hochachtung und Respekt für dieses präzise Wunderwerk.“

Gemeinsam für die Corveyer Orgel

1681 wurde die Corveyer Orgel eingeweiht und im Lauf der Jahrhunderte mehrfach „ausgebessert“. Nicht immer zum Nutzen des wunderbaren Instruments. Man ersetzte zahlreiche historische Pfeifen durch neue, die den ursprünglichen Klang verändert haben. Auch macht eine besondere Korrosionsform, der Bleizucker, große Probleme, der sich an vielen Orgelpfeifen zeigt. Er zerfrisst das Material und löst es auf.

Im Herbst 2016 erklang die Corveyer Orgel zum vorerst letzten Mal. Doch bereits 2009 hatte sich ein Verein zu ihrer Rettung gegründet und Spenden gesammelt. Unterdessen engagiert sich auch die NRW-Stiftung finanziell und eine große Summe kommt vom Erzbistum Paderborn. Damit ist die aufwendige Restaurierung durch eine holländische Spezialfirma gesichert. Im Frühjahr 2019 soll die Corveyer Orgel erstmals wieder erklingen. Darauf freut sich auch die neue Kirchenmusikerin im Pastoralverbund Corvey, Anna Bednarek.

Wenn die Orgel das Herz trifft

Anna Bednarek

Anna Bednarek

Anna Bednarek stammt aus einer Musikerfamilie, die Klänge von Klavier, Geige und Bratsche begleiteten sie von klein auf. Jetzt ist sie für die Musik in 16 Gemeinden zuständig, das heißt für ebenso viele Kirchen mit unterschiedlichen Orgeln. „Ich liebe dieses Instrument“, sagt Anna Bednarek strahlend. „Es hat so viele verschiedene Farben und Möglichkeiten. Passend zur jeder Andacht kann es mal meditativ klingen oder – zum Beispiel zur Auferstehung – richtig kraftvoll, fast schon mit einem Tutti-Klang, den ganzen Raum erfüllen. Orgel ist wirklich faszinierend!“ Schon seit 20 Jahren spielt die junge Musikerin Orgel, hat in Bromberg/Polen und in Detmold studiert. Und sie erzählt von einer Fahrt mit der dortigen Abteilung Kirchenmusik zum Chorleitungskurs nach Leipzig: „Da hatte ich Gelegenheit, den Thomanerchor hautnah zu erleben. Die haben so wunderschön gesungen. Und ich saß oben, in der Nähe der Sauer-Orgel, und das war so ein Moment, da kam mir der Gedanke: So muss der Himmel sein.“ Das passt zur Corveyer Kirche St. Stephanus und Vitus, in die man durch das karolingische Westwerk gelangt, und genau dort entsteht unter dem Arbeitstitel „Von Engeln bewacht – In der Himmelsstadt“ bis 2019 eine ganz besondere multimediale Installation.